Aktuelles über Gruppenreisen, Programme und ECC

Neue Gruppenkonditionen - Offener Brief an die LUFTHANSA

An den Vorstand der Lufthansa AG
Lufthansa Aviation Center
Airportring
60546 Frankfurt am Main

Frankfurt, den 27. März 2026

Offener Brief zum neuen Commercial Cover der Lufthansa


Sehr geehrter Herr Spohr,
sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands,

mit großer Sorge blicken wir auf das neue Commercial Cover der Lufthansa, das die Gruppenbuchungsbedingungen ab dem 5. Mai 2026 erheblich einschränkt. Die neuen Bedingungen sehen verschärfte Stornierungskonditionen für Gruppenkontingente bereits ab 180 Tagen vor Abflug vor. Die Stornokosten bis 180 Tage vor Abflug betragen weiterhin 200 EUR pro Gruppe, danach jedoch steigen sie auf 5 % des Flugpreises zuzüglich YQ, bis maximal 2.000 EUR pro Gruppe. Bisher galt die Regelung, dass Gruppenflüge bis 61 Tage vor Abreise mit einer pauschalen Gebühr von 200 EUR storniert werden konnten, erst danach waren Stornierungen mit höheren Kosten verbunden.

Aus Sicht und Erfahrung eines Reiseveranstalters, der ausschließlich mit Ad-hoc-Gruppen arbeitet und seit mehreren Jahrzehnten die Dynamik geschlossener Reisegruppen kennt, ist eine Stornierungsfrist von 180 Tagen mit dem tatsächlichen Buchungsverhalten von Gruppenreiseteilnehmerinnen und -teilnehmern nicht vereinbar. Bei den wenigsten Reisegruppen kann bereits ein halbes Jahr vor Abreise eine definitive Durchführung oder gar eine genaue Teilnehmerzahl garantiert werden. Das Zustandekommen einer Gruppe entscheidet sich fast immer zwischen zwei und vier Monaten vor Abreise, in der Regel eher näher an den zwei Monaten. Dies gilt umso mehr angesichts der aktuellen multiplen weltweiten Ereignisse, Kriege und Krisen.

In der Konsequenz würden unter den neuen Stornoregelungen viele Gruppen und deren Kontingente ersatzlos storniert werden müssen, oder die Veranstalter übernehmen das Risiko einer möglichen späteren Stornierung. Dieses Risiko dürfte für die wenigsten Veranstalter wirtschaftlich tragbar sein. Die Kosten können im Stornofall ja nicht an die Gruppe weitergegeben werden.

Andere Fluggesellschaften, vor allem die Low-Cost-Carrier, haben ebenso strenge oder noch strengere Gruppenbedingungen. Gerade aus diesem Grund buchen Veranstalter ihre Gruppenkontingente bevorzugt bei der Lufthansa. Die flexiblere Handhabung von Gruppenkontingenten war stets DAS große Plus der Lufthansa, trotz der höheren Flugpreise und den zahlreichen strukturellen und technischen Anpassungen in den letzten Jahren, die uns und unsere Kundinnen und Kunden immer wieder vor erhebliche Herausforderungen gestellt haben.

Eine strengere Handhabung der Stornofristen würde unseres Erachtens allen Beteiligten schaden: zunächst den Veranstaltern, die deutlich höhere Kosten und mehr Aufwand bei der Abstimmung mit ihren Kundinnen und Kunden hätten. Aber auch der Lufthansa selbst, weil Gruppengeschäft teilweise anderen Fluggesellschaften zuwachsen würde und weil Gruppen wegen der Fristverschiebung zu früh und ersatzlos abgesagt werden müssten. Und schließlich würden die Reiseteilnehmerinnen und Reiseteilnehmer die Folgen durch Preiserhöhungen mittragen müssen.

Mit diesen neuen Regelungen entfernt sich die Lufthansa einmal mehr von der Praxis der Reiseveranstalter. Die in den letzten Jahren vollzogene Digitalisierung und Automatisierung beansprucht und fordert die Branche und unsere Kundinnen und Kunden bereits aufs Äußerste. Wir Reiseveranstalter puffern das für die Lufthansa – und alle anderen Fluggesellschaften – ab. Ebenso im Übrigen die zahlreichen Streiks der letzten Jahre, die uns viel Zeit und Geld gekostet haben. Umso bitterer und enttäuschender ist es für die gesamte Branche, dass sich unser Heimatcarrier und wichtigster Partner von uns zu entfremden scheint.

Ich möchte Sie aus den genannten Gründen eindringlich bitten, die neuen Richtlinien zur Stornierung von Gruppenkontingenten zu überdenken. Zugleich lade ich Sie, gemeinsam mit anderen Veranstaltern und den Branchenverbänden, zu einem offenen Gespräch ein. Ein konstruktiver Dialog zwischen Veranstaltern und der Lufthansa wäre aus unserer Sicht nicht nur wünschenswert, sondern für beide Seiten bereichernd und gewinnbringend.

Mit freundlichen Grüßen

Guido Völkel
Geschäftsführer von ECC-Studienreisen