Bericht über eine 24-tägige Studienreise/Exkursion durch den südamerikanischen Kontinent mit Peru, Bolivien, Chile, Argentinien und Brasilien

 

Reisebericht  Südamerika (31.01. – 23.02.2014)

Die Teilnehmer:

6 Teilnehmer kommen aus Bonn und Umgebung, 2 aus Heidelberg und 6 aus der Umgebung von München.

Fr, 31. Januar:

Da die Anreise nach Frankfurt in der Nacht vom 31.01. auf den 01.02. den Bonnern zu „riskant“ vorkommt (möglicher Ausfall der einzigen Zugverbindung) , reisen sie bereits am Nachmittag mit der Rail&Fly-Fahrkarte nach Frankfurt Flughafen an. Auf dem Fernbahnhof stoßen die Heidelberger dazu. Mit dem Flughafen-Shuttle und dem Hotel-Shuttle erreichen wir am Abend das Meiniger-Hotel, wo wir übernachten. 

Sa, 1. Februar:

Bereits kurz vor 6.00 Uhr stehen wir im Terminal 2. Wir checken am Iberia-Schalter ein und starten gegen 8.30 Uhr nach Madrid, das wir um 11.00 Uhr erreichen. Um zu unserem Anschlussflug zu kommen, müssen wir mit einer „automatischen“ U-Bahn (auf Etage minus 2), die unter dem Rollfeld hindurch führt, zum Terminal 2. Dort treffen wir auf die „Bayern-Fraktion“, die fast zeitgleich mit uns von München abgeflogen und in Madrid angekommen sind. Um 13.30 Uhr starten wir zu dem 12-stündigen Flug nach Lima, das wir um pünktlich um 19.20 Uhr Ortszeit erreichen.

Die Einreise nach Peru gestaltet sich problemlos; von dem Einreiseantrag wird ein Teil abgetrennt und in den Pass eingelegt; dieser ist bei den Hotels und schließlich bei der Ausreise wieder vorzulegen. Dieser Vorgang wiederholt sich übrigens später in allen besuchten Ländern.

In der Empfangshalle des Flughafens wartet unser erster lokale Führer, Franz Alarcón Zielinski von der Partner-Agentur South-America-Tours, mit einem ECC-Schild auf uns. Wir fahren mit „unserem“ Bus zum Hotel José Antonio, das im Stadtteil Miraflores recht ruhig in einer Seitenstraße liegt. Den Rest des Abends verbringen wir damit, Geld zu besorgen (EC-Karte!) und Trinkwasser und Snacks einzukaufen; wir beschließen ihn in einer gemütlichen Runde in der Hotelbar bei einem Bier, wobei wir die Gelegenheit nutzen, für jeden Teilnehmer einen „Paten“ auszulosen, auf den im Laufe der Reise aufgepasst („Alle da?“) werden muss. Leicht ermüdet ziehen wir uns gegen 23.20 Uhr nach gut 24 Stunden im Wachzustand auf unsere Zimmer zurück.

So, 2. Februar:

Zur Frühstückszeit ist es bereits recht warm – um die 25°C – und leicht schwül.

Um 9.30 Uhr brechen wir mit dem Bus auf in Richtung Stadtzentrum. Noch in Miraflores machen wir einen kurzen Stopp an der Huaca Pucllana, einer aus senkrecht aufgestellten, luftgetrockneten Lehmziegeln (Adobe) erbauten Pyramide aus der Zeit um 500 n.Chr..

Wir durchfahren anschließend die Stadtteile San Isidro und Jesus Maria und erreichen das Museo Arqueológico Rafael Larco Herrera, das in einem Kolonialhaus aus dem Jahre 1770 untergebracht ist und in dem uns Franz an Hand der ausgestellten Kunstgegenstände eine kurze und klar gegliederte Einführung in die präkolumbianischen indigenen Gesellschaften Perus gibt. Er verdeutlicht, in welcher umfassenden Form die Sieger der oft untereinander stattgefundenen Kriege Errungenschaften von den Besiegten übernommen haben und entmystifiziert dabei auch die in der Regel als einzigartig dargestellte Rolle der Inka-Gesellschaft in Peru, wobei er betont, dass es auch bereits vor der Inka-Herrschaft bestimmende und sehr weit entwickelte Kulturen in Peru gab.– Im Museum nutzen wir auch eine große Übersichtskarte von Südamerika, um das Klimaphänomen des „El Niño“ zu erklären, das alle drei bis acht Jahre in weiten Teilen Südamerikas extrem starke Niederschläge und Überschwemmungen verursacht; gleichzeitig leiden andere Regionen dann unter verheerenden Dürren. Manche Klimaforscher gehen davon aus, dass der anthropogene Klimawandel die Abstände zwischen den El Niño-Perioden verkürzt und den Effekt verstärkt. – Am Ende des Rundgangs können wir noch das Archiv des Museums bewundert, in dem sich Tausende weitere archäologische Fundstücke befinden. 

Wir verlassen das Museumsgelände gegen Mittag, kehren nach Miraflores zurück und machen eine kurze Mittagspause an der dortigen Küste im Centro Comercial Larcomar, einem Einkaufszentrum mit Restaurationsbetrieben.

Danach starten wir zu einer Besichtigungstour in das Zentrum der Stadt Lima, die etwa 8 Mill. Einwohner beherbergt.

Auf der Plaza Mayor (ehem. Plaza de Armas) findet gerade ein Umzug von Tanzgruppen zu Ehren des heutigen katholischen Feiertages ‚Maria Lichtmess‘ („Fiesta de la Virgen de la Candelaria“) statt. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer sind in Clubs organisiert und stecken in aufwendigen Kostümen, die sie alle privat bezahlen müssen; die besten Vorführungen werden prämiert, wodurch sich ein Teil der Kostümkosten wieder „refinanzieren“ lässt.

Ebenfalls an der Plaza befindet sich die Kathedrale, eine lichte, dreischiffige Kirche, die zwischen 1535 und 1625 erbaut wurde und durch ihre Dachkonstruktion aus Holz und Bambus als relativ erdbebensicher gilt. In der ersten Seitenkapelle auf der rechten Seite befindet sich eine Gedenkstätte für Francisco Pizarro (1478 – 1541), dem Eroberer des Inkareiches.

Es geht weiter zur Kirche und zum Kloster von San Francisco. Beides Gebäude wurden 1546 gegründet, 1646 durch ein Erdbeben zerstört und 1657 bis 1687 im Barockstil neu erbaut; sie zählen zu den schönsten und größten Kolonialbauten Limas. Wir besuchen den Kreuzgang des Klosters, der mit spanischen und portugiesischen Kacheln ausgestattet ist. Diese wurden von reichen Bürgern der Stadt gestiftet, die sich damit einen „Ablass“ erkaufen wollten. Unter dem Kirchenbereich befinden sich mehrere Stockwerke von Gängen und Katakomben, in denen früher gegen vorherige „Spenden“ Bürger der Stadt beerdigt wurden; die Knochen der Toten sind heute zu besichtigen.

Von dem sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Flusses Rimac werfen wir noch einen Blick auf die am gegenüberliegenden nördlichen Hang gelegenen Barriadas und kehren dann zum Hotel zurück.

Das Abendessen nehmen wir bei einem sehr freundlichen Italiener in der Nähe des Ovalo („Kennedy-Platz“) ein.

Mo, 3. Februar:

Bereits um 7.00 Uhr verlassen wir das Hotel in Lima. Franz gibt uns auf dem Weg zum Flughafen noch gute Ratschläge zur Vermeidung der „Höhenkrankheit“, die uns möglicherweise nach der Landung in Cusco auf einer Höhe von über 3.400 m ereilen könnte.

Nach einer Flugzeit von gut einer Stunde – die Flughöhe ist zum Teil nicht höher als die nördlich von uns gelegenen schneebedeckten Andengipfel – landen wir in Cusco, wo wir leider bei der Gepäckausgabe feststellen müssen, dass einer Reiseteilnehmerin der Koffer geöffnet wurde. Erst am Abend stellt sie fest, dass eine Kette, die sie ganz unten im Koffer gelagert hatte, nicht mehr vorhanden ist.  

Vor dem Gebäude erwartet uns Yovanna Mendoza, die sich später als „bekennende“ Quechua outet (ihr Mutter ist Quechua, ihr Vater Spanier/Kreole). Sie stammt aus Ollantaytambo (den Ort besuchen wir später), hat durch Eigeninitiative die Schule besucht, später Touristik mit der Fremdsprache Deutsch („Da gab es noch nicht so viele“) studiert und arbeitet heute freiberuflich als Fremdenführerin.

Wir starten unmittelbar danach in Richtung „Heiliges Tal der Inka“; selbst als wir kurz darauf bei einer Höhe von 3.550 m Höhe einen Fotostopp einlegen, um Cusco von oben zu betrachten, klagt keiner über Ausfälle durch die Höhe, aber wir merken bei unseren kurzen Fußmärschen schon die „dünne“ Luft!

Um 12.30 Uhr erreichen wir Awanacancha, ein privates Projekt von insgesamt 420 Familien aus 14 Gemeinden der Umgebung, wo uns die Kameliden der Anden – Lama, Alpaka, Vicuña und Guanako –, aber auch der Prozess der Färbung der Alpaka-Wolle mit natürlichen Farbstoffen, der Wollverarbeitung und des traditionellen Webens vorgestellt werden. Daneben wird zum Kauf von Wollkleidungsstücken (Pullover, Jacken, Schals) und von touristischen Andenken angeregt. Zitat von einer Infotafel über das Projekt: „Der Erfolg gibt uns Recht: ökonomische Stabilität, soziale Integration der beteiligten Familien in den verschiedenen Gemeinden und eine sehr hohe Qualität der von uns handgemachten Produkte.“

Yovanna erklärt uns dort auch die verschiedenen Kartoffelsorten der Anden (u.a. auch die weiße gefriergetrockenete „Tunta“) und die anderen Früchte, die wir aus der „Neuen Welt“ übernommen haben (Mais, Quinoa, Tomaten, Bohnen, Koka u.a.) vor.

Nach einem weiteren Stopp bei Pisac mit Blick in das Valle Sagrado mit dem beherrschenden Urubamba-Fluss, einem Quellfluss des Amazonas, kommen wir in Ollantaytambo an.

Vor der Besichtigung der Inka-Festung gibt Yovanna uns eine Einführung in die Geschichte des Inka-Reiches.

Der Bezeichnung "Inka" stand' einst nur dem Herrschergeschlecht zu und wurde erst später auf das ganze Volk übertragen. Woher die Inka kamen ist bis heute nicht bekannt. Historisch war die Staatsreligion der Inka ursprünglich die Religion der Quechua, an deren Spitze die alt-andine Schöpfergottheit Wiracocha stand. Sie wurde später von dem Inka-Sonnengott Inti verdrängt, seine Hauptfrau verkörperte die Mondgöttin Quilla. Der Überlieferung nach hatte das Inkareich bis zum Einfall der Spanier im Jahre 1532 dreizehn Herrscher. Die ersten acht waren halb geschichtliche, halb mythische Gestalten, die letzten fünf sind geschichtlich belegt.

Der erste geschichtliche Inkaherrscher, Pachacuti Yupanqui (der 9. Herrscher), verbesserte durch kluge Organisation die wirtschaftlichen Verhältnisse des Reiches, das nun bereits vom Titicacasee bis Ecuador reichte. Unter ihm wurde der Sonnenkult Staatsreligion und Quechua die Staatssprache. – Zur Zeit des 11. Inka, Huayna Capac, erreichte das Inkareich seine größte Ausdehnung und erstreckte sich von der Mitte des heutigen Chile bis nach Kolumbien. Um unsicheren Gebieten des Reiches näher zu sein, verlegte Huayna Capac seine Residenz nach Tomebamba, dem heutigen Cuenca in Ecuador. In den letzten Jahren seines Lebens erreichte ihn noch die Meldung von der Ankunft bärtiger weißer Männer, so wie es einst die Schöpfergottheit Wiracocha vorausgesagt hatte. 1527, nach dem Sonnwendfest Inti Raymi, erlag er einer Krankheit. Er hatte vor seinem Tode entschieden, das Reich unter seinen Söhnen Huáscar in Cusco und Atahualpa in Tomebamba aufzuteilen. Dies führte zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern. Den Bruderkrieg gewann der kriegserfahrene Atahualpa. 1532 wurde Huáscar gefangen genommen und hingerichtet. Dabei übersah Atahualpa die Gefahr durch die Ankunft der Spanier, die im April 1532 in Nordperu unter Francisco Pizarro an Land gegangen waren. Am 15. November 1532 wurden sie in Cajamarca von Atahualpa freundlich empfangen. Doch die Spanier nahmen den Herrscher gefangen. Dies gelang dem kleinen Haufen auch durch die Wirkung ihrer Feuerwaffen und Pferde, die die Inka nicht kannten. Atahualpa wollte sich mit einem Zimmer voll Gold freikaufen, das die Spanier als Lösegeld verlangten. Er wurde von ihnen aber trotzdem zum Tode verurteilt und am 29. August 1533 erdrosselt. Das nun führerlose Volk der Inka leistete keinen nennenswerten Widerstand und Pizarro konnte am 15. November 1533 in Cusco einziehen.

Anschließend besteigen wir trotz großer Höhe – wir befinden uns etwa auf 2.800 m – über teilweise recht hohe Stufen die Festung und bewundern dort die Steinmetzkunst der Quechua während der Inkazeit, die es schafften, riesige Felsblöcke (teilweise weit über 10 t schwer) über viele Kilometer heran-, dann noch auf den Berg zu schaffen und schließlich so zu behauen, dass sie fugenlos an- und aufeinander passten. Beim Abstieg können wir noch den „Operationstisch“, einen behauenen Felsklotz, bestaunen, auf dem die damaligen Ärzte bereits Operationen am Kopf durchgeführt haben sollen.

Wir fahren wieder zurück zur Stadt Urubamba, wo wir im San Agustin Hotel unser heutiges Quartier beziehen. Hier nehmen wir auch später, unterhalten von Pan- und Inkaflöten-Musik, unser Abendessen ein. Dabei werden wir zum ersten Mal mit dem „Nationalgetränk“ Pisco sour (5 cl Pisco, 1/4 Eiweiß, 3 cl Limetten- oder Zitronensaft, 1,5 cl Rohrzuckersirup oder 1 Teelöffel Zucker, Eis) konfrontiert – zu aller Vergnügen.

Di, 4. Februar:

Auch heute brechen wir wieder um 7.00 Uhr auf; heute steht der Besuch von Machu Picchu auf dem Programm. Im Bahnhof  von Ollantaytambo besteigen wir den „Vistadome“, einem Zug der Perutrail, der uns in einer 1½-stündigen Fahrt nach Aguas Calientes bringt. Die Zugstrecke verläuft im Tal des Urubamba-Flusses, der aufgrund der in den letzten Tagen gefallenen Niederschläge sehr viel Wasser führt. Das Tal wird schließlich so eng, dass außer dem Fluss und der Bahnstrecke nichts Weiteres mehr Platz hat; eine Straße zwischen Ollantaytambo und Aguas Clalientes gibt es nicht!

In Aguas Calientes, das sich inzwischen auch „Machu Picchu Village“ nennt, werden wir in einem Shuttlebus nach Machu Picchu gebracht. Die zwar befestigte, aber nicht geteerte und daher sehr holprige Straße (über sie müssen bis zu 2000 Touristen pro Tag nach oben und wieder nach unten geschafft werden) ist nach einem heftigen Niederschlag durch einen Felssturz in einer der 14 Kehren unterbrochen und nicht passierbar; hier müssen wir alle aus dem Bus aussteigen, über eine provisorische Treppe etwa 50 Stufen hochsteigen, um dann in einem anderen Bus schließlich das Ziel zu erreichen.

In der Ruinenstadt Machu Picchu schlägt Yovanna uns („da wir alle ja so fit sind!“) einen großen, etwa 2-stündigen Rundgang vor, da auf diesem Weg der Besucherstrom etwas dünner ist. Wie bei uns so üblich brauchen wir wegen der vielen Fragen und Erklärungen für diesen Rundgang nicht 2, sondern knapp 4 Stunden!

Machu Picchu wurde um 1450 auf Befehl des Inka-Herrschers Pachacútec Yupanqui in 2.360 m Höhe auf einem Bergrücken über dem Urubambatal erbaut. Die Stadt, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, umfasste über 200 steinerne Bauten, die auf Terrassen gelegen und mit einem System von Treppen verbunden waren.

Die Forschung geht heute davon aus, dass die Stadt in ihrer Hochblüte bis zu 1.000 Menschen beherbergen und versorgen konnte. Über den Sinn und Zweck dieser Stadt wurden verschiedene Theorien entwickelt. Auf der einen Seite sieht man in ihr eine königlich-religiöse Zufluchtsstätte der Inkas. Nach einer weiteren Theorie wird angenommen, zu Zeiten der spanischen Eroberung habe sich Machu Picchu noch im Bau befunden; dies wird allerdings durch die archäologischen Befunde nicht bestätigt.

Als offizieller Zeitpunkt für die Wiederentdeckung wird das Jahr 1911 angegeben. Tatsächlich gab es schon zuvor zahlreiche verschiedene "Entdecker", und die Existenz der Stadt war lange bestimmten Personen-gruppen bekannt.

Am 24. Juli 1911 wurden die Ruinen von einer Expedition der Yale University unter der Leitung von Hiram Bingham durch Zufall wiederentdeckt. Die Siedlung war von dichter Vegetation überwuchert. Bingham war auf der Suche nach der geheimnisvollen Inkastadt Vilcabamba, in die sich die Inkas geflüchtet haben sollen, nachdem Pizarro 1536 Cusco einnahm. Bingham glaubte, Vilcabamba in Machu Picchu gefunden zu haben. In den Jahren 1912 und 1913 begann er damit, die Stadt freizulegen. 1983 nahm die UNESCO Machu Picchu in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Zurück in Aguas Calientes nehmen wir ein verspätetes Mittagessen/verfrühtes Abendessen zu uns und fahren dann gegen 19.00 Uhr zurück nach Ollantaytambo. Während der Zugfahrt wird uns vom Wagenpersonal eine kleine Show geboten: Zuerst tanzt ein verkleideter Teufel zu Musik durch den Gang und fordert die Damen zum Mittanzen auf. Danach gibt es eine Modenschau, deren Ziel es ist, die vorgeführten Alpaka-Kleidungsstücke auch an den Mann/an die Frau zu bringen.

Von Ollantaytambo müssen wir noch mit dem Bus nach Cusco fahren, was uns aber vorerst durch einen Schwerlasttransporter verwehrt wird, der sich bei der Ausfahrt aus dem Ort in den engen Straßen mit dem Gegenverkehr verkeilt hat. Wir brauchen eine Stunde, um aus dem Stau herauszukommen. Bewundernswert ist die Ruhe, mit der unser Fahrer dieser Situation begegnet.

Kurz vor Mitternacht erreichen wir das José Antonio Hotel in Cusco.

Mi, 5. Februar:

Unser erstes Ziel am heutigen Tag liegt im Norden der Stadt; es sind die Ruinen von Saksaywamán, der „Falken-Festung“. Auch hier bestaunen wir erneut die großen behauenen Kalksteinblöcke, die über 30 Kilometer hierhin transportiert, behauen und fugenlos zu riesigen Mauern aufgeschichtet wurden. Dabei machen wir uns auch Gedanken darüber, unter welchen Bedingungen die 20.000 bis 40.000 Menschen während der 70-jährigen Bauzeit hier gearbeitet haben, ob sie dies freiwillig getan haben, zu der Arbeit gezwungen wurden oder ob ein gesellschaftlicher Druck bzw. Norm sie diese Arbeit machen ließen. Daneben erscheint es uns kaum erklärbar, wie damals diese Felsblöcke – der größte von ihnen ist 4 x 5 x 6,20 m groß und wiegt etwa 42 Tonnen – über eine solch weite Strecken ohne Kenntnis des Rades (Rollen waren allerdings bekannt) transportiert werden konnten.

Wir fahren anschließend nur ein kurzes Stück bis zum Kult- und Festplatz von Q’engo. Dort wurde eine kleine Karsthöhle als Tempel für „Mutter Erde“ (Pachamama) genutzt.

Wir verlassen Q’engo und fahren zurück in die Stadt Cusco.

Cuzco – der Name bedeutet "Nabel der Welt" – war Geburtsort und Mittelpunkt des Inkareichs. Alles in dieser Stadt führt hin zur Plaza de Armas; sie war das Herz der Hauptstadt, die im 12. Jahrhundert von Manco Capac gegründet wurde, und ist neben der schmuckreichen barocken Kathedrale umgeben von kolonialen Herrenhäusern und Kolonnaden, die auf den Ruinen zerstörter Inkapaläste und Tempel erbaut wurden.

Wir besichtigen die Kirche und das Kloster Santo Domingo; dort wurde bei dem Erdbeben von 1950 der unter dem Kloster liegende Sonnentempel (Coricancha), das größte Heiligtum der Inka, freigelegt. Die Mauern sind noch zu einem großen Teil erhalten.

Coricancha war eigentlich ein großes Tempelviertel, dessen Mittelpunkt der prächtige und prunkvolle Sonnentempel war. Ursprünglich hieß der Ort Inticancha und war die Residenz des ersten Inkas Manco Capac. Erst unter dem Inka Capac Yupanqui wurde der Tempelpalast ausschließlich Inti, der Sonne, geweiht und zum inkaischen Heiligtum umgebaut.

Die Kathedrale an der Plaza de Armas, die zwischen 1559 und 1654 auf den Grundmauern des Palastes des 8. Inca Wiracocha errichtet wurde, betreten wir durch die linke Seitenkirche. In ihr können wir Bilder der Cusco-Schule (Escuela Cuzqueña), aber auch einige Seitenaltäre bewundern, wobei wir auch hier wieder erleben können, dass die in den Kapellen verehrten Heiligen, aber auch Maria, Josef und Jesus wie wertvolle Puppen mit prunkvollen Kleidern und Kostümen herausgeputzt werden. Verwundert müssen wir auch zur Kenntnis nehmen, dass Jakobus, der Schutzheilige Spaniens, der dort neben seiner Rolle als Schutzpatron der Pilger auch als matamoros (Maurentöter) erscheint, hier oft als mataindios dargestellt ist – und trotzdem als solcher in den Kirchen verehrt wird.

In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, was Yovanna uns zu dem Ineinanderfließen des katholisch-christlichen Glaubens mit dem ehemaligen Quechua-Glauben (Synkretismus) bei der einfachen Bevölkerung erzählt. So berichtet sie uns aus ihrer eigenen Familie, die katholisch ist, dass die Schädel ihrer verstorbenen Großeltern bei ihnen im Haus aufgehoben und zu Allerheiligen mit deren Lieblingsspeisen und kleinen Geschenken bedacht und geehrt würden. Daneben wäre es aber auch üblich, dass die Familie an diesem Tag auf den Friedhof geht und an den Gräbern ihrer Angehörigen mehrere Stunden verbringt, dort speist und feiert.

Am Nachmittag besuchen wir, jetzt ohne Führung, die Calle Hatunrumiyoc, in der wir den berühmten 12-eckigen Stein in einer alten Inkamauer suchen und finden, den Blasius-Platz, wo vor der Iglesia San Blas noch die ganze Woche über Feierlichkeiten im Anschluss an den Blasius-Feiertag am vergangenen Montag (3. Februar)  stattfinden, heute mit einer gewaltig lauten Blaskapelle und einer Blasius-Figurengruppe, zu der Menschen gehen und ihr Wünsche ins Ohr flüstern (Blasius ist einer der 14 Nothelfer und „zuständig“ für Halsleiden und Geschwüre und Patron zahlreicher Handwerksberufe).

Den Abend verbringen wir bei guter Stimmung im Inka-Grill an der Plaza de Armas.

Do, 6. Februar:

Um 7.00 Uhr starten wir mit unserem Bus zu dem etwa 400 km südlich gelegenen Puno am Titicacasee.

Unseren ersten Halt legen wir in Andahuaylíllas ein, wo sich an der Plaza die äußerlich eher bescheidene Lehmziegelkirche der Jesuiten befindet. Das Innere offenbart allerdings eine der schönsten barocken Kirchen Perus; sie ist rundum, an den Wänden und an der Decke, mit Gemälden der Cusqueñer Schule ausgestattet und wird daher auch oft als die „Sixtinische Kapelle Perus“ bezeichnet. Leider ist ein großer Teil der Decke nicht sichtbar, da diese gerade restauriert wird.

Hinter Andahuaylillas folgt die Straße für die nächsten 140 Kilometer dem Vilcanota-Tal. An den Hängen des Tales sind starke sowohl linien- als auch flächenhafte Erosionsspuren auszumachen.

In Raqchi, einer aus der Inkazeit stammende Tempelstätte mit den Ruinen eines großen Tempels und Relikten zahlreicher Speicherhäuser, wurden während der Inkazeit die geernteten Früchte gesammelt, um sie dann in ihrem Herrschaftsbereich zu verteilen.

In einem Restaurant in Sicuani wartet zu Mittag ein reichhaltiges Buffet auf uns; das Lokal ist sauber, das Essen sehr lecker – die Wahl gefällt uns sehr gut!

Um 13.35 Uhr erreichen wir den 4.335 m hohen Pass La Raya, den höchsten Punkt auf unserer Reise. Auch hier haben sich wieder einige Händler eingefunden, die, der Höhe angepasst, vor allem Decken und wärmende Kleider anbieten. Der Pass ist die südamerikanische Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik. In der Nähe entspringt der Río Vilcanota, der hinter Urubamba Río Urubamba und später Ucayali heißt (Ucayali und Marañón bilden später zusammen den Amazonas, der nach Tausenden von Kilometern in den Atlantik mündet). Alle Quellen südlich des La-Raya-Passes entwässern in den Pazifik.

Der Höhenunterschied vom La Raya-Pass zu dem sich anschließenden Altiplano beträgt nur 350 m. Der größte Teil des Altiplano weist Charakteristiken der Puna auf, einer Hochgebirgs-Vegetations-formation mit wechselfeuchtem Klima. Allgegenwärtig ist hier das spröde Ichu-Gras, welches in der Trockenzeit eine gold-gelbe Farbe annimmt. Einige Randbereiche des nördlichen Altiplano haben eine Vegetation, welche dem Páramo gleicht, einem Landschaftstyp mit relativ hoher Feuchtigkeit bei geringen Jahrestemperaturschwankungen. Auf der riesigen Hochebene befinden sich vorerst nur kleine Streusiedlungen und nur wenige größere Orte; auf der Fläche wird vor allem Viehzucht betrieben. Im Westen erkennt man die Küstenkordilleren, in der anderen Richtung die östliche Kordillerenkette.

Die nächste größere Stadt, die wir durchfahren, ist Juliaca. Die Handels- und Schmugglerstadt begrüßt uns mit schlammigen, im Bau befindlichen Straßen und einem Verkehrschaos; wir kommen oft nur im Schritttempo voran und müssen erneut >die Ruhe, aber auch die Konzentration unseres Busfahrers bewundern.

Diese Verkehrssituation verbessert sich nur unwesentlich in dem gut 40 km südlich gelegenen Puno, das wir allerdings auf einer Umgehungsstraße umfahren können. Hier erblicken wir auch zum ersten Mal den Titicacasee. Wir müssen noch 18 km weiter nach Süden fahren, um das Taypikala Hotel Lago in Chucuito zu erreichen. Leider sehen wir nicht viel von der schönen Lage des Hotels, das unmittelbar am Uferhang zum Titicacasee liegt, denn es ist bereits dunkel.

Im Hotel erwartet uns unser nächster Guide, Benito Gonzalez. Er eröffnet uns, dass wir bereits mitten in der kommenden Nacht – 4.00 Uhr – aufbrechen müssen, da die Straße zur bolivianischen Grenze durch streikende Indigeños mit Felsbrocken blockiert wurde und wir einen Umweg fahren müssten. Später ruft er noch einmal an und teilt mit, dass die Straße heute am späten Nachmittag geräumt worden sei und wir erst um 5.00 Uhr (!) aufbrechen müssen.

Fr, 7. Februar:

Wir starten, wie angekündigt, mit Benito um 5.00 Uhr und machen nach etwa 1½ Stunden einen ersten Fotostopp mit Blick auf den Ort Juli, der auf 3.890 m Höhe direkt am Titicacasee liegt und einst die wichtigste Stadt am See war. Sie wird auch das "Rom" Perus genannt, denn es gibt hier sieben Hügel, auf denen jeweils eine Kirche oder Kapelle steht.

Ein zweiter Halt folgt kurz darauf direkt am Titicacasee.

In Pomata legen wir an der Plaza de Armas einen „technischen Stopp“ ein und haben auch Zeit, die unmittelbar angrenzende Kirche mit ihren schönen Steinmetz- und Silberschmuckarbeiten zu besichtigen.

Benito, der dem Volk der Aymará angehört, erzählt uns auf der Weiterfahrt anschaulich über seine Familie und die Bräuche, die noch heute in den Dörfern des Altiplano üblich sind. Er selber arbeitet seit 20 Jahren als Fremdenführer, ist 55 Jahre alt (wir hätten ihn alle für jünger gehalten, was wohl an dem dichten schwarzen Kopfhaar liegt) und hat sich in den letzten Jahren autodidaktisch mit Hilfe von Tonbändern mehrere Sprachen beigebracht; so spricht er neben Aymará, Spanisch und Deutsch auch Englisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch.

Die peruanisch-bolivianische Grenze erreichen wir kurz hinter Yunguyo. Noch auf peruanischer Seite tauschen wir zuerst einmal Geld in Bolivianos um; derweil werden unsere Koffer aus dem Bus auf die „Ladefläche“ eines 3-rädrigen Fahrrads geladen. Nach den Ausreiseformalitäten müssen wir einen Hügel überqueren (erst auf dem „Gipfel“ befindet sich die Grenze); währenddessen wird von dem Fahrradbesitzer und unserem Fahrer das beladene „Dreirad“ den Hügel heraufgewuchtet. Jenseits des Hügels beginnt auf bolivianischer Seite der Ort Kasani, wo sich auch die Meldestelle für die Einreise nach Bolivien, die für unsere Gruppe problemlos abläuft, befindet.

Um 10.00 Uhr verlassen wir mit unserer neuen Reiseführerin Verónica Loria von der uns heute betreuenden Touristik-Agentur „Transturin“ die Grenze und fahren nach Copacabana, einem der bekanntesten Wallfahrtsorte in Südamerika. Wir besichtigen die Kirche und bestaunen dann auf der Straße vor dem großen Kirchplatz zwei neu erworbene Lastwagen, die in Kürze gesegnet werden sollen – und zwar erst von einem Schamanen, dann von einem katholischen Priester. Jetzt – vor der „offiziellen“ Segnung – führen die Autobesitzer diese Segnung mit Bier aus – erst ein Schluck auf die geschmückte Kühlerhaube, dann einen Schluck selber trinken. Einer unserer Mitfahrer hilft bei dieser Zeremonie!

Wir durchlaufen anschließend einen bunten Straßenmarkt und fahren danach zur Anlegestelle des Katamarans, der uns über den Titicacasee zur Isla del Sol bringen soll.

Der Titicacasee ist der höchstgelegenste schiffbare See der Welt. Er hat eine Ausdehnung von über 8.000 km2 (15,5 Mal so groß wie der Bodensee) und liegt 3.810 m über dem Meeresspiegel; er gehört sowohl zu Peru als auch zu Bolivien. Die einmalige Schönheit des Sees untermauert die alte Inka-Legende, der zufolge Manco Capac und seine Gefährtin, Mama Ocllo, aus diesem zauberhaften Andengewässer gestiegen sind. Sie sollen das Reich der Inka gegründet haben. Mehr als 25 Flüsse fließen in den See. Den einzigen Abfluss bildet der Río Desaguadero, der etwa zehn Prozent des überschüssigen Wassers befördert. Das übrige Wasser verdunstet. Die Wasserqualität des Sees nahm in den vergangenen Jahren deutlich ab. Hierfür werden vor allem die mehr als 30.000 illegalen Minen am See und den Zuflüssen verantwortlich gemacht. Die giftigen Abwässer der Minen fließen ungereinigt in den See. Außerdem sind seit 2000 die Wasserstände des Titicacasees konstant gefallen und liegen heute deutlich unter dem bisherigen durchschnittlichen Wasserstand (von April bis November 2009 minus 81 cm). Die Ursache für diesen Rückgang wird in einer verkürzten Regenzeit und dem Rückgang der Andengletscher im Bereich des Altiplano, welche die Zuflüsse des Titicacasees speisen, gesehen.

Auf dem Schiff sind für uns Plätze reserviert; außer uns ist noch eine größere japanische Gruppe an Bord. Der Himmel hat sich übrigens etwas zugezogen und es fängt ein wenig an zu nieseln. Dies stört uns aber nicht, da wir sowieso unter Deck sitzen.

Kurz vor Erreichen der Sonneninsel (Isla del Sol) – das Wetter ist wieder hervorragend – steigen wir von dem Katamaran auf ein Schilfboot mit vier Mann Besatzung um. Man fordert uns  auf, die beiden Ruderer abzulösen. Dazu werden wir mit einem bunten Poncho und einer Inka-Mütze ausgestattet und dürfen nun eine Zeitlang rudern und den Elektromotor (!) unterstützen.

Wir legen an der Escalera del Inca an und ersteigen mit Veronika die 208 Stufen aufwärts auf eine höhere Inselterrasse, um dort in einem von „Transturin“ angelegten Park die regionalen Blumen, Nutzpflanzen, Früchte, aber auch noch einmal die andinen Kameliden, die Bauweise der Schilfboote und die Geschichte und Gebräuche der Titicacsee-Bewohner in einem Museum  kennenzulernen. Der Höhepunkt des Ausfluges ist an einem wunderschönen Aussichtsplatz

oberhalb des Sees eine Zeremonie mit einem Schamanen, der uns einen kleinen Gegenstand auswählen lässt, den er dann, nachdem wir ihn mit einem Wunsch verbunden haben, während eines längeren auf Aymará gesprochenen „Gebets“ auf einem offenen Feuer verbrennen lässt. Dazu wird uns eine Tasse Mate-Tee gereicht. Wir erhalten später im Bus darüber eine Urkunde in der Sprache der Aymara, die übersetzt lautet: „Wir bestätigen, dass (… Name …) den Geburtsort des Inkareiches und die Inti Wata-Anlage auf der Sonneninsel besucht hat. Dabei hat er/sie den Segen des Kallawayas während einer alten und mystischen Zeremonie erhalten.“     

Am späten Nachmittag legen wir wieder an der Südost-Küste des Sees in Shua an, steigen um in den Bus und fahren zusammen mit der Japaner-Gruppe in Richtung La Paz über den Altiplano. Unterwegs versuchen wir immer wieder, auf der linken (nördlichen) Seite des Busses für ein Foto einen freien Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Königskordillere zu erhaschen, die teilweise in Wolken, dann aber auch für kurze Momente im spätnachmittäglichen Sonnenlicht erscheinen.

Wir durchfahren El Alto. Die Stadt liegt zwischen 3.850 und 4150 m Höhe und war bis 1985 noch ein Stadtteil von La Paz, wurde dann aber selbständig und hat heute mit 850.000 Einwohnern (man findet auch weit höhere Einwohnerzahlen von über 1 Mill. Einw.) La Paz bereits überholt. El Alto besitzt den höchstgelegenen internationalen Flughafen der Welt, von dem wir übermorgen Richtung Iquique starten werden. Wir erleben in der Stadt ein absolutes Verkehrschaos; nach Veronika gilt hier das Rot der Ampeln nur als „Empfehlung“!

Hinter El Alto erreichen wir die 12 km lange Autobahn nach La Paz, auf der es, da sie gebührenpflichtig ist, wesentlich ruhiger zugeht. Bevor wir uns aber an die Abfahrt in den Talkessel machen, legen wir kurz hinter der Mautstation noch einen Halt ein; wir steigen auf eine kleine Anhöhe (hier wird übrigens in Kürze eine der Seilbahnen in Betrieb genommen werden, die zukünftig La Paz mit El Alto verbinden sollen) und sind überwältigt von dem Blick, der sich uns bietet. Wir sehen unter uns das dichte und den gesamten Talkessel ausfüllende Häusermeer von La Paz, eine Ansicht, die bisher keiner je vorher gesehen und mit der auch keiner in dieser Form gerechnet hatte.

Die Autobahn führt uns anschließend zügig über eine große Schleife von 4.050 m abwärts auf 3.600 m Höhe (Zentrum von La Paz), wo uns dann allerdings auf der zentralen Achse durch die Stadt, der Avenida 16 de Julio („Paseo“), wieder der Verkehr (und damit der Stau) erwischt.

Das El Rey Palace Hotel liegt recht zentral; leider sind nicht alle vorgesehenen Zimmer fertig; wir bekommen z.T. neue Zimmer. Unser Guide für die nächsten beiden Tage ist, obwohl angekündigt, nicht da; er hat wohl nicht mehr solange warten wollen. Später erreicht uns von ihr (es wird eine Führerin sein) eine schriftliche Nachricht.

Das Abendessen nehmen wir im Restaurant des Hotels ein. Der Blick aus dem Raum im 5. Stock in das erleuchtete La Paz mit vorbeiziehenden Wolken ist beeindruckend.

Sa, 8. Februar:

Unsere für uns in La Paz zuständige Betreuerin Margot Choque steht pünktlich um 8.00 Uhr mit einem Bus vor dem Hotel; sie hat, wie sie uns erzählt, Anfang der 90er Jahre in Koblenz studiert und kennt auch Bonn, wo sie einige Vorlesungen in Germanistik gehört hat. Mit ihr starten wir nun zu einer Stadtbesichtigung durch La Paz.

La Paz ist die drittgrößte Stadt Boliviens  und zugleich der Regierungssitz (offizielle Hauptstadt ist Sucre). Hinter der Stadt ragt der mächtige Illimani (6.439 m) mit seinen drei Gipfeln auf. Während der Inka-Epoche war Bolivien ein Teil des Inka-Imperiums. 1548 gründeten die Spanier La Ciudad de Nuestra Señora de La Paz ("Stadt unserer Frau des Friedens"). Der windgeschützte tiefe Talkessel war, außer der ungünstigen Höhe, eine ideale Lage. In den nachfolgenden Jahrhunderten entwickelte sich La Paz zur größten und wichtigsten Stadt Boliviens, u.a. auch deshalb, weil sie verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt des spanischen Silberweges von Potosí nach Peru und am Coca-Handelsweg aus den Yungas lag.

Unser erstes Ziel am heutigen Tag ist das etwa 10 km vom Zentrum entfernt im Süden der Stadt gelegene Mondtal (Valle de la Luna). Margot schlägt einen größeren Rundweg (ca. 45 Minuten) vor, den die meisten gehen. Der Weg führt auf und ab und gibt Einblick in die Erosionsvorgänge der verfestigten Schuttmassen, die über viele Tausend Jahre von den nahen Bergen herabgespült wurden. Die bizarren Abtragungsformen entstehen zum Teil dadurch, dass größere Gerölle die darunterliegenden Materialien (mindestens vorübergehend) vor den kräftigen tropischen Regenfällen schützen und so Türme oder Pyramiden entstehen lassen. Die graubraunen bis rötlichen Gesteinsschichten und wenige, dafür aber auffälligen Kakteen verleihen dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz.

Wir kommen erst nach 70 Minuten von der „Großen Runde“ wieder an den Ausgangspunkt zurück und fahren anschließend zurück in die Stadt zum Mirador Killi-Killi, nur etwa 1 km westlich vom Zentrum gelegen, von wo wir eine umfassende Aussicht auf die Innenstadt haben. Leider hat sich inzwischen der Himmel etwas zugezogen und es beginnt ganz leicht zu tröpfeln. 

Während eines Mittagsschauers besuchen wir das Museo Costumbrista Juan de Varga. Das Museum wurde im Mai 1979 mit der Absicht gegründet, die Geschichte und Traditionen der Bewohner von La Paz (Paceños) in der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert zu veranschaulichen.

Nach dem Museumsbesuch geht es weiter zur Plaza Murillo, dem Hauptplatz im Zentrum von La Paz. Dort finden wir an der unteren Seite des Platzes die Kathedrale, die 1836 im neoklassizistischen Stil erbaut wurde. Unmittelbar daneben liegt der Präsidentenpalast, der Amtssitz von Evo Morales, mit der Palastgarde vor dem Eingangstor und an der südlichen Seite des Platzes befindet sich das von 1900-1905 im klassizistischen Stil erbaute Parlamentsgebäude (Congreso Nacional). In der Mitte des Platzes steht ein Denkmal von Pedro Domingo Murillo, der 1810 auf diesem Platz als Freiheitskämpfer und Rebellenführer gehängt wurde und dessen Worte "Die Fackel, die ich entzündete, wird niemand löschen" an die Staatengründung Boliviens erinnern sollen.

Wir fahren weiter zum sogenannten Hexenmarkt. Hier sehen wir uns in einigen an der Straße befindlichen Geschäften um, wo neben alltäglichen auch kuriose Gegenstände erstanden werden können; Kräutertees und homöopathische Heilmittel werden angeboten, aber auch Cocablätter, Statuetten, Amulette, Schlangenhäute und getrocknete Lamaföten. Verkauft wird das alles von chola-Frauen (benannt nach dem bolivianischen Kleidungsstück), die zwei hinter dem Kopf zusammengebundene Zöpfe und eine Melone auf dem Kopf tragen. – Der sich unmittelbar daneben befindliche Touristenmarkt fällt gegenüber den bisher gesehenen Märkten ab.

Wir besuchen zum Abschluss der Führung noch die Plaza San Francisco. Die Basilika ist allerdings geschlossen; wir werden versuchen, morgen – Sonntag – einen Blick in sie zu werfen.
Am Nachmittag machen wir uns individuell in Kleingruppen auf die weitere Erkundung der Stadt. Zum Abendessen begeben wir uns in das Restaurant „Café Ciudad“, das nicht weit vom Hotel entfernt liegt. Auf dem Weg dorthin haben wir in der Abenddämmerung einen wolkenfreien Blick auf den Illimani, was in vielen Fotos festgehalten wird. Leider wird einer Gruppenteilnehmerin während des Essens im „City-Café“ der Rucksack, den sie über die Stuhllehne gehängt hatte, gestohlen! In dem Rucksack befanden sich die Kredit- und EC-Karte, Fotoapparat, Bargeld, die Zimmerkarte des Hotels und einige Kleinigkeiten. Nach der Sperrung aller „Plastikkarten“ über die „116 116“ versuchen wir, den Diebstahl (wegen der Versicherung) bei der Touristenpolizei anzuzeigen, doch diese hat ihre Dienstzeit für heute bereits beendet; wir werden es morgen früh erneut versuchen. Wir benachrichtigen vom Hotel aus noch die SAT-Reiseagentur in La Paz; Frau van Fleet (sie spricht sehr gut Deutsch) bestärkt uns in dem Vorhaben, morgen noch einmal zu der Touristenpolizei zu fahren und Anzeige zu erstatten. Gleichzeitig ist sie sehr froh darüber, dass nicht auch der Reisepass gestohlen wurde, denn dann hätte es jetzt einige  Komplikationen gegeben.

So, 9. Februar:

Am nächsten Morgen suchen wir, wie vorgesehen, die Touristenpolizei auf. Die anwesende Polizistin nimmt sehr zielstrebig und konzentriert die Anzeige auf, was allerdings seine Zeit dauert, da das Formular wohl einige Tücken aufweist. Nach knapp einer Stunde ist die Anzeige geschrieben; es wird noch einmal alles überprüft, der vorgesetzte Polizist setzt schwungvoll seine Unterschrift unter das Papier, wir zeichnen gegen – und sind dann wieder entlassen.

Ein Taxi bringt uns zur Plaza San Francisco, wo wir uns mit dem Rest der Gruppe verabredet haben. Die Basilika ist jetzt wegen eines Gottesdienstes geöffnet. Das nutzen wir und statten ihr nun auch im Inneren einen Besuch ab.Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1744; die reich verzierte Fassade wurde von indigenen Steinmetzen geschaffen und zeigt Vögel, Blumen und Früchte. Das Innere zeigt die ganze Fülle barocker Sakralkunst. Sehenswert sind die wundervoll aus Zedernholz geschnitzten Altäre und die Kanzel.Nachdem wir uns über Mittag im Hotel wieder für die Weiterreise vorbereitet haben, verlassen wir La Paz um 14.00 Uhr und fahren mit dem Bus zum Flughafen. Kurz vor Erreichen der Hochfläche werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf La Paz.Während wir bei der LAN einchecken, geht Margot mit unseren Pässen los und bezahlt für alle die Flughafengebühr, was auf unseren Einreiseformularen bestätigt wird.Der Flug von La Paz nach Iqique in Chile dauert nur 70 Minuten.  Am Ausgang des Flughafens erwartet uns María Inés Vernal; sie hat bei uns nur die Aufgabe, uns heute zu unserem Hotel und morgen früh zum (Linien-)Bus in die Atacama zu bringen. Wir kommen nach etwa einer halben Stunde Fahrzeit (38 km) im Radisson Hotel an. Es liegt unmittelbar am Meer; wir blicken aus unserem Fenster an zwei Palmen vorbei über den Swimming-Pool in Richtung Westen und erleben noch so gerade den farbigen Sonnenuntergang.Das gemeinsame Abendessen findet im Restaurant des Hotels statt. Da wir noch keine chilenischen Pesos haben, bezahlen wir die Getränke in Dollar – kein Problem!

 

Mo, 10. Februar:

Heute geht es erst um 9.00 Uhr los – und nicht zum nächsten Flughafen, sondern zum Bus-Terminal in Iquique. Dort sind für uns Plätze in einem „Linien“-(Comfort)-Bus der Firma Tur-Bus nach Caláma reserviert. Der Bus verlässt Iquique um 10.35 Uhr.

Unsere Plätze sind ausgesprochen bequem und bieten mehr Beinfreiheit als im Flugzeug. Der Bus ist mit zwei Fahrern ausgestattet, die sich beim Fahren abwechseln; zusätzlich fährt noch ein junger Mann mit („Kontrolleur“), der sich vor der Abfahrt um die Koffer gekümmert hat und später die Insassen mit Namen und Passnummer auf einem Formular notiert. Dabei ist er über eine Liste, auf der er alle notwendigen Angaben über uns findet, sehr erfreut.Unsere Fahrtroute geht nicht quer durchs Land, sondern folgt zuerst der Küste; links begleitet uns eine Steilküste, die sowohl Wasser- als auch Winderosionsspuren zeigt, rechts das Meer, dessen Wellen sich an vielen vorgelagerten Felsen brechen und das ab und zu auch kleine Sandbuchten zulässt. An der Provinzgrenze von Tarapacá nach Antofagasta müssen alle Businsassen aussteigen; jeder muss mit seinem Koffer und seinem Handgepäck durch eine Kontrolle (Durchleuchtung) und darf dann wieder einsteigen. Später erfahren wir, dass das Gebiet um Iquique eine Freihandelszone ist, an deren Grenze nach „Schmuggelgut“ gefahndet wird.Wir erreichen nach 230 km Topocilla, wo wir Richtung Osten ins Landesinnere abbiegen. Die Straße geht nun fast kontinuierlich bergauf, anfangs stark, später leichter – und es sind Streckenabschnitte dabei, die über 20 bis 30 km schnurgerade verlaufen. Außerdem wir des trockener und trockener – wir nähern uns der zentralen Atacama-Wüste. Wir halten noch einmal in Maria Elena (1.155 m ü. NN) an und überqueren anschließend die Panamericana Norte. Kurz vor Caláma fahren wir in Sichtweite von Chuquicamata vorbei, wo sich die größte Kupfer-Tagebaumine der Welt befindet.Der Tagebau ist 4.300 m lang und 3.000 m breit und inzwischen über 1.000 Meter tief. Nach den Vorstellungen der Division Codelco Norte, die das Bergwerk betreibt, soll der Abbau im Tagebau spätestens 2017 enden. Ein intensives Erkundungsprogramm hat weitere Ressourcen in der Größe von 2,3 Milliarden Tonnen Erz bis zu einer Teufe von 1.800 m unterhalb des Tagebaus nachgewiesen. Die untertägige Produktion soll laut Studie 2014 beginnen und im Jahr 2020 ihre volle Kapazität von 45 Millionen Tonnen Erz pro Jahr erreichen.

Rund 20.000 Arbeiter sind in der Mine beschäftigt, die als die größte von Menschen erschaffene Grube gilt. Der aus der Kupfergewinnung resultierende Feinstaub ist die Ursache für viele Krankheiten (typisch sind Staublungen, Asthma und einige Krebskrankheiten). Da Chile internationalen Umweltabkommen beigetreten ist, wurden die Bewohner 2004 nach Caláma umgesiedelt, um die Gefahr für die Gesundheit der Menschen zu verringern. Das Stadtgebiet ist seitdem für Besucher hermetisch abgeriegelt.

Um 17.00 Uhr erreichen wir Caláma auf 2179 m Höhe, wo uns am Busterminal Alex(ander) George in Empfang nimmt; er wird in den nächsten zwei Tagen unser örtlicher Guide sein. Alex ist aus Halle und nach mehreren Südamerikareisen in San Pedro de Atacama hängengeblieben. Dort betätigt es sich als freier Tour-Guide, führt aber auch regelmäßig Gruppen durch das archäologische Museum in San Pedro (siehe unten) durch.Wir verladen unsere Koffer in dem offenen Anhänger unseres neuen Busses, und machen uns auf die für heute letzte Etappe nach San Pedro. Unterwegs – wir haben inzwischen weiter an Höhe gewonnen – überfahren wir den Sattel des Salzgebirges mit 3310 m Höhe und machen kurz darauf einen Fotostopp mit Blick auf San Pedro, den Salzsee (Salar) und die dahinter aufragenden Berge der Anden mit dem die Region beherrschenden Vulkan Licancabur (5920 m).Gegen 19.00 Uhr erreichen wir das Iorana Tolache Hotel in San Pedro de Atacama; es ist ein kleines Hotel, in dem die Zimmer in Reihen-Bungalows untergebracht sind. Wir checken zügig ein, da sich der Busfahrer bereit erklärt hat, uns noch in das etwa 1,5 km entfernte Ortszentrum zu fahren. Dort nehmen wir in dem von Alex ausgesuchten Restaurant „La Estaka“ das Abendessen ein. Das Restaurant ist vorzüglich ausgesucht, traditionell eingerichtet und modern geführt; wir speisen ausgezeichnet. Zum Ende des Abends zieht noch eine Band mit traditionellen Andeninstrumenten und -liedern auf.Auf dem Rückweg zum Hotel passiert es dann, dass einer der Teilnehmer kurz vor der Furt durch das Trockental des Rio San Pedro in einen schmalen, etwa 1 m tiefen Bewässerungskanal fällt, der quer zur Straße etwas in sie hineinragt. Nachdem er wieder aus dem Loch herausgeklettert ist, können wir erleichtert feststellen, dass wohl nichts gebrochen ist – aber das Gehen fällt ihm schwer. Im Hotel angekommen stellen wir fest, dass er sich den Großen Zeh des linken Fußes ausgerenkt hat; eine Behandlung heute Abend ist nicht mehr möglich, da der in San Pedro praktizierende Arzt nicht erreichbar ist. Die heutige Nacht muss er daher mit Schmerzen (und Schmerztabletten) überstehen.

Di, 11. Februar:

Um 08.30 Uhr verlassen wir das Hotel und fahren zuerst in den Ort (Alex spricht immer vom „Dorf“), damit sich dort der Notarzt den Zeh ansehen kann. Sein Rat, nach Caláma in die Klinik zu fahren, damit dort der Fuß geröntgt wird, wird befolgt; mit dem nächsten Bus (mit freien Plätzen!) geht es mit Begleitung nach Caláma.

Für die anderen ist das erste Ziel heute der Salar de Atacama. Die Straße führt nach Südsüdosten bis Toconao; dort biegt sie nach Südwesten ab und wir gelangen nach 63 km an den Eingang der Reserva Nacional „Los Flamencos“. Wir befinden uns an der Laguna de Chaxa im Sektor „Soncor“ und werden dort von einer Aufsichtsperson in der Sprache der einheimischen Atacameños begrüßt; dann führt uns Alex an Hand von einigen Schautafeln in die Entstehungsgeschichte des Salar ein.

Daten zum Salar de Atacama: Zuflüsse – Río San Pedro, Río Villama und verschiedene kleinere Gebirgsbäche; Niederschlag –  <3 – 50 mm/a; Abfluss – keiner; potentielle Verdunstungsraten – 1800-3200 mm/a; Höhe über Meeresspiegel – 2300 m; Fläche – 3051 km2, davon 12,6 km2 Wasserspiegel; Länge – 90 km; Breite: 35 km; maximale Tiefe: 1700 m; mittlere Tiefe: 650 m; Einzugsgebiet – 15.620 km² 

Der Salar liegt in einer abflusslosen Senke am Fuß der Anden, umgeben von zahlreichen besiedelten Oasen. Er besteht aus einer harten, rauen, weißen Schicht Salz, verunreinigt mit Wüstensand. Darunter befindet sich eine lithiumhaltige Sole. Zufließendes Wasser tritt in sporadisch auftretenden Tümpeln hervor, die wichtige Biotope bilden.

Die Senke ist ein tektonischer Graben. Mit seiner Ausdehnung ist er der größte Salar in Chile. Nach einer Abschätzung aus dem Jahr 1996 erreichen den Salar jährlich 52 Mill. m³ Wasser durch oberirdische und 90 Mill. m³ durch unterirdische Zuflüsse. Davon werden 27 Mill. m³ für landwirtschaftliche Bewässerung abgezweigt. Hinzu kommen noch durchschnittlich 30 Mill. m³ an Niederschlägen über dem Salar. Im Wasser gelöst werden so jährlich 335.000 Tonnen Salze in den Salar eingetragen, darin sind 270 Tonnen Lithium und 5.300 Tonnen Kalium enthalten. Im Salar verdunsten jährlich 145.000.000 m³ Wasser. Der Kern des Salars erhält so 0,1 mm/a an neuen Salzsedimenten. Der Salar beherbergt etwa 27 % der weltweiten Lithium-Reserven, das für Batterien von Elektrofahrzeugen weltweit nachgefragt wird.

Auf dem Weg in die Lagune bestaunen wir neben der wie gepflügt aussehenden Salzoberfläche die zahlreichen Flamingos (diesen verdankt das Reservat seinen Namen), die ungestört von den Touristen ihrer Nahrungssuche nachgehen.

Gegen 11.30 Uhr wird es so heiß, dass wir froh sind, den Standort zu wechseln; wir fahren zurück nach Toconao. Der am östlichen Rand des Salar gelegene Oasenort mit seinen etwa 630 Einwohnern  bekommt sein Wasser aus einem kleinen Flüsschen, das aus den nordöstlich gelegenen Bergen in die Senke fließt und das, sollte es mal in den Bergen heftig regnen, selbst hier in der Wüste heftige Überschwemmungen verursachen kann.

Auf dem Dorfplatz besuchen wir zuerst die aus hellem Liparit (auch Rhyolith genannt) gebaute Kirche mit dem freistehenden Glockenturm aus dem Jahr 1750 und der aus Kaktusholz gezimmerten Tür, gehen dann durch den Ort und sehen uns in der Oase die dort wachsenden Früchte und das noch immer gut funktionierende Bewässerungssystem an.

Am frühen Nachmittag sind wir zurück San Pedro und machen mit Alex einen kleinen Erkundungsgang durchs „Dorf“; wir beginnen an der Kirche, gehen dann weiter zum zentralen Platz mit einigen netten Lokalen mit Innenhof, und landen schließlich wieder auf der Fußgängerstraße mit Bankautomaten, Wechselstuben und vielen anderen Läden und Geschäften.

Die Oase San Pedro de Atacama liegt in einer der trockensten und einsamsten Landschaften der Erde. Sie ist ein beliebtes Ziel für jährlich 50.000 Wüsten-Touristen aus aller Welt. Der Ort besteht aus einer Gruppe von Ayllus. Das sind kleinere, von indigenen Gemeinschaften landwirtschaftlich bewirtschaftete Oasen; sie verteilen sich auf einer Fläche von 113 km2. Das Zentrum wird gebildet vom Ayllu Conde Duque. Dort hat die spanische Kolonialverwaltung im späten 16. Jahrhundert inmitten der älteren indigenen Siedlung ihr Verwaltungszentrum eingerichtet. Die koloniale Siedlung ist gekennzeichnet durch eine Plaza de Armas, an der sich Kirche und Rathaus befinden und durch das rechtwinklige Anlagemuster einiger Straßen. Die Bewässerung ebenso wie die Trinkwasserversorgung der gesamten Oase erfolgt aus den Flüssen Río San Pedro und Río Vilama und aus einem Brunnen. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind Alfalfa, Kartoffeln, Mais und Birnen.

Nach einer Ruhepause im Hotel starten wir am späten Nachmittag erneut mit Alex zu einem Besuch des ca. 15 km entfernten Mondtals, im Salzgebirge gelegen, das wir zusätzlich mit seiner Hilfe bei unserem Busfahrer gebucht haben; Alex selbst übernimmt die „verbale“ Führung. Am Eingang zum Valle de la Luna machen wir uns auf zu einer Höhle, zu der wir aber erst gelangen, nachdem wir uns durch eine enge und kurvenreiche Schlucht gewunden haben. Die Höhle betreten wir nicht mehr, da wir keine Taschenlampe dabei haben. Unterwegs können wir Salzausblühungen und Kleinsterosionsformen erkennen, die den Karstformen sehr ähnlich sind. – Es geht weiter zur großen Düne, die erst nach einem längeren Fußweg zu erreichen ist. Vor einiger Zeit durfte sie noch betreten werden, wurde aber inzwischen wegen der großen Besucherzahl gesperrt. Von hier hat man einen guten Überblick über das Salzgebirge und das in ihm eingelassene „Amphitheater“. – Unsere letzte Station ist eine Erosionsform, die man „die drei Marien“ nennt, drei Säulen unterschiedlicher Höhe, die im oberen Teil leicht eingeknickt sind. Die Umgebung sieht aus, als ob gerade leichter Schnee gefallen ist – die weiße Farbe hat aber seine Ursache im auskristallisierten Salz.

Vor hier geht es wieder aus dem Tal heraus zu einer Aussichtsstelle, zu der alle Veranstalter ihre Gäste zum Sonnenuntergang führen. Der Blick nach Westen ist ohne Hindernisse, das Abendlicht hüllt die Gegend wirklich in eine „Mondlandschaft“. Da wir hier in den Tropen sind, geht die Sonne fast senkrecht unter, was bedeutet, dass der Sonnenuntergang in wenigen Minuten stattfindet und die Dämmerung auch nicht länger als 30 Minuten dauert. Nach Sonnenuntergang zaubert Alex zwei Flaschen Pisco sour mit Plastikbechern hervor – es gehört wohl dazu, dass der Abschied vom Mondtal mit dem „Nationalgetränk“ begossen wird.
Kurz vor dem Abendessen kommt unser Verletzter von Caláma zurück; der Zeh ist wieder eingerenkt, aber das Gehen fällt ihm vorerst noch schwer.

Mi, 12. Februar:

Unser erster Besuch heute gilt dem nicht weit vom Hotel entfernt gelegenen Pukará de Quitor, einem ehemaligen Wehrdorf der Atacameños, an einem steilen Talhang des Río San Pedro gelegen. Alex gibt eine Einführung und macht uns mit der San Pedro-Kultur der Atacameños vertraut. Die Festung wurde um 1300 n. Chr. erbaut und besteht aus über 160 Bauten, die sich über 80 m Höhenunterschied in Terrassen den Berg heraufziehen. Sie diente sowohl als Wohnsiedlung als auch im Konfliktfall als Rückzugsort für die in den verstreut liegenden Oasen lebenden Bewohnern. Um 1540 wurde der Pukará, der zu dieser Zeit von den hier herrschenden Inkas bewohnt war, von den Spaniern erobert und geschleift.
Wir verlassen die Ruinenfestung und begeben uns zu der etwa 10 km südwestlich von San Pedro gelegenen archäologischen Ausgrabungsstätte Tulor, wo Reste einer ehemaligen Siedlung der Atacameños zu finden sind. Nur ein Teil der Siedlung, deren Gründungszeit etwa um 1000 v. Chr. liegt, ist bis heute freigelegt. Man erkennt noch die „Grundmauern“ der ehemals runden Hütten; eine davon ist rekonstruiert worden. Entdeckt wurde sie 1956 von Gustavo Le Paige, einem Jesuitenpriester aus San Pedro. Allerdings scheint die Anlage nicht mehr sonderlich gepflegt zu werden, denn die einmal freigelegten Ruinen scheinen langsam wieder zu versanden.
Zurück in San Pedro führt Alex uns durch das archäologische Museum Gustavo Le Paige, eines der bekanntesten Museen dieser Art in Chile. Eine der Hauptattraktionen des Museums waren die hier ausgestellten hockenden Atacameños-Mumien; 2007 wurden sie nach Protesten der Indigeñas aus Pietätsgründen aus der Ausstellung entfernt und können heute nur noch zu wissenschaftlichen Untersuchungen im Keller des Museums augesucht werden. Doch auch ohne Mumien ist das Museum einen Besuch wert. Der belgische Jesuitenpater Gustavo Le Paige, der 52-jährig 1955 in das damals unbedeutende Dörfchen San Pedro de Atacama kam, widmete sich mit großem Eifer dem Sammeln der Überreste der bis dahin kaum erforschten Kultur der frühen Atacama-Indios. 1963 wurde das Museumsgebäude errichtet, das sich heute zu einem modernen Museum entwickelt hat; am Eingang begrüßt eine lebensgroße Statue des Begründers die Besucher.
Nach dem Mittag bereiten wir uns auf die Weiterfahrt vor, die uns, diesmal mit einem zweistöckigen Luxus-Linienbus, um 17.00 Uhr in einer knapp 5-stündigen Fahrt über Caláma, Sierra Gorda und Baquedano nach Antofagasta bringt. Dort werden wir von Angelika in Empfang genommen, die uns und unser Gepäck mit zwei Kleinbussen zum Radisson Hotel bringt.

Do, 13. Februar:

Gleich am Morgen geht es zum 25 km entfernten Flughafen von Antofagasta; wir fliegen nach Santiago de Chile parallel zur Küste nach Süden. Die Küste selber ist ebenso wie das küstennahe Meer zum größten Teil in Wolken gehüllt (Humboldt-Strom!), das Land dagegen wolkenfrei.
In der Ankunftshalle vom Flughafen in Santiago begrüßt uns Isabel Duk, eine gebürtige Deutsche aus Oberammergau, die aber schon mehr als 40 Jahre (mit Unterbrechungen) in Chile lebt. Wir fahren mit dem Bus in die Stadt zum Mercure Hotel. Da die Zimmer noch nicht fertig sind (es ist gerade erst 12 Uhr), bietet Isabel sich an, uns bis zum Beziehen der Zimmer während eines gemeinsamen Rundganges die Umgebung zu zeigen und uns auf Einkaufsmöglichkeiten, Banken und Restaurants aufmerksam zu machen. Unser Hotel liegt unmittelbar gegenüber der Biblioteca Nacional; daneben, schräg gegenüber, erhebt sich der Cerro Santa Lucia, auf dem die Gründungszeremonie von Santiago am 12. Februar 1541 stattgefunden haben soll.
Am Nachmittag besucht die „rheinische Gruppe“ das Café Colonia in der Mac Iver; es ist schon etwas merkwürdig, mitten in der Hauptstadt Chiles mit dem Kölner Wappen, Bildern von der Altstadt von Köln und Servietten mit der Aufschrift „Café Colonia, Ihr Stadtcafé“ konfrontiert zu werden.
Das Café Colonia geht auf den Kölner Bäckermeister Wilhelm Schlösser zurück, der nach dem 2. Weltkrieg nach Chile auswanderte und 1952 in Santiago sein erstes Café eröffnete. Das heutige Restaurant und Café besteht seit 1963 und wird dort heute von den der zweiten Generation der Familie Schlösser  betrieben; seine heutigen Besitzer sind wie ihre Eltern fest entschlossen, das Ansehen und den Charakter der deutschen Backkunst zu erhalten und anzubieten.
Den Abend verbringen wir, nach vorheriger Reservierung, im Restaurant „Sur Patagónico“ im Lastarria-Viertel. Auch hier (wie bereits früher) haben wir wieder Probleme, die am Ende vorgelegte Sammelrechnung vom Kellner auf die einzelnen „Parteien“ aufteilen zu lassen; wir unterziehen uns schließlich selbst dieser Aufgabe.

Fr, 14. Februar:

Heuet hat einer unser Mitreisenden Geburtstag. Das Geburtstagskind sitzt schon am Frühstückstisch, als der Rest der Gruppe verabredungsgemäß zur Gratulationskur erscheint. Wir singen einen 3-stimmigen Kanon, wofür es Applaus aus dem gesamten Frühstücksraum gibt! Nach kurzen Gratulationsreden wird der Geburtstagskuchen überreicht, der – wie sollte es auch anders sein – im Café Colonia erstanden wurde.

Danach steht die Stadtbesichtigung Santiagos auf dem Programm.

Santiago del Nuevo Extremo wurde im Februar 1541 von Pedro de Valdivia gegründet. Doch bereits sechs Monate später wurde diese erste Siedlung von Mapuche-Krieger zerstört. Die spanischen Eroberer gründeten den Ort bald neu, dieses Mal besser befestigt. Danach wuchs die Stadt; Ende des 16. Jahrhunderts hatte sie etwa 200 Häuser, bis Mitte des 17. Jahrhunderts ging es stetig aufwärts – bis am 13. Mai 1647 das erste schwere von vielen Erdbeben die Stadt heimsuchte und nahezu komplett zerstörte. Doch Wachstum und Aufstieg Santiagos waren nicht mehr aufzuhalten. Heute leben in der Stadt fast 5 Millionen Menschen, mit Vororten und Trabantenstädten sogar über 6 Millionen; das sind 35 % aller Chilenen. Santiago ist das uneingeschränkte Zentrum Chiles.

Wir besuchen zuerst die vom Hotel zu Fuß zu erreichende Iglesia San Francisco, die älteste Kirche Santiagos.

Pedro de Valdivia ließ hier die erste Kapelle seiner neu gegründeten Stadt erbauen; die heutige Kirche wurde ab 1586 errichtet und hat alle Erdbeben überstanden. Das Innere der Kirche ist bis auf die vergoldete Kassettendecke recht schlicht, es birgt jedoch eine große Kostbarkeit: am Hochaltar die Statue der Virgen del Socorro, ein Kunstwerk aus Italien, das Pedro de Valdivia selbst nach Santiago gebracht hat.
Von dort durchlaufen wir das Viertel „Paris-London“, benannt nach den dort vorhandenen Straßennamen. Das Besondere an diesem Viertel sind die einzigen geschwungen verlaufenden Straßen im gesamten Zentrum Santiagos.
Zurück an der Avenida del Libertador Bernardo O’Higgins durchlaufen wir die Metro-Station „Universidad de Chile“, in der die Wände der unteren Etage von dem chilenischen Künstler Mario Toral zwischen 1996 und 1999 mit großen Gemälden aus der Geschichte Chiles ausgestattet wurden.
Auf der nördlichen Seite der O’Higgins erreichen wir die Nueva York und anschließend die La Bolsa, an der die Börse von Santiago ihren Platz hat. Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Plaza de la Constitución, an deren Südseite sich das Regierungsgebäude, der Palacio de la Moneda, befindet. Auf dem Platz vor der Moneda wurden Statuen der chilenischen Präsidenten aufgestellt, seit einigen Jahren auch ein Denkmal für Salvador Allende.

Westlich der Plaza nimmt uns dann der Bus auf; es geht über die Pferderennbahn (Hipódromo de Chile) zum Mercado Central, in dessen Halle vor allem tote Meerestiere angeboten werden. Das Gebäude wurde 1872 als Ausstellungshalle für chilenische Künstler errichtet. Die Eisenkonstruktion wurde in England gefertigt und vor Ort zusammengebaut, doch bald nach der Vollendung wurde die Halle von Händlern in Besitz genommen. Neben dem Markttreiben gibt es in der Halle auch Restaurationsbetriebe, so das „Donde Augusto“. Dort lernen wir Luis kennen, der hier als Kellner arbeitet, der aber vor allem perfekt Deutsch spricht und bald auf Norbert Blüm zu sprechen kommt, den er, so sagt er, gut kennt („wohnt in Bonn, Weberstr. 102“), da dieser wesentlichen Anteil daran hatte, dass er 1987, zu Pinochets Regierungszeiten, aus dem Gefängnis kam und in Deutschland Asyl fand.

Von der Markthalle fahren wir vorbei an den Arsenales de Guerra zum Cerro San Cristobál, auf dessen Gipfel sich in 864 m Höhe, etwa 500 m über der Stadt, eine 14 m große Marienstatue (Virgen de la Immaculada Concepción) befindet; von hier hat man einen guten Überblick über die Stadt, der bei uns – leider – durch eine Dunstschicht stark „getrübt“ ist.

Es geht zurück ins Zentrum der Stadt zur Plaza de Armas, wo wir zuerst einen kurzen Rundgang durch das Nationalhistorische Museum (Museo Histórico Nacional; Isabel nennt es „Heimatmuseum“) unternehmen.

Der Palacio de Real Audiencia wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut; er diente den letzten spanischen Kolonialherren als Dienstsitz und wurde dann bis 1846 vom ersten chilenischen Kongress und der Nationalregierung genutzt. Seit 1982 ist in dem neoklassizistischen Gebäude mit dem charakteristischen Turm das Nationalhistorische Museum untergebracht in dem Möbel, Bilder, religiöse und profane Kunstgegenstände, Waffen, Uniformen und Trachten aus vorkolumbischer Zeit bis ins 20. Jahrhundert gezeigt werden.

Schräg gegenüber vom Museum liegt die Kathedrale, die wir noch zum Abschluss unserer Citytour besuchen.

Größtes Gebäude an der Plaza ist die Kathedrale, deren Bau1747 begonnen wurde, nachdem mehrere Vorgängerkirchen durch Erdbeben (1552, 1647 und 1730) zerstört wurden. Die beiden Türme kamen erst 1899 hinzu.

Von der Plaza de Armas geht es zu Fuß am Teatro Municipal und am Palacio Subercaseaux (Club de Oficiales Fuerza Aér) vorbei zurück zum Hotel, in dem wir uns bald zu dem fälligen Geburtstagskaffee auf der Terrasse des Hotels im 5. Stock einfinden.

Am frühen Abend fahren wir gemeinsam mit der U-Bahn zum Zentralmarkt, wo wir im „Donde Augusto“ einen Tisch fürs Abendessen bestellt haben.

Sa, 15. Februar:

Heute steht eine Fahrt an die Westküste nach Valparaiso und Viña del Mar an.

Valparaiso ist weniger bekannt als Parlamentssitz, auch nicht als die fünftgrößte Stadt des Landes - etwa 280.000 Menschen leben hier -, sondern vielmehr als die Hafenstadt Chiles. Dabei stimmt das nur bedingt, denn bezüglich der Warenmenge wurde Valparaiso vom südlicher gelegenen San Antonio längst überholt.

In Valparaiso ist unser erstes Ziel La Sebastiana, das Haus von Pablo Nerúda (1904 – 1973; 1971 Literatur-Nobelpreisträger); von der Terrasse hat man einen umfassenden Blick auf den Hafen. Wir besichtigen das Innere der „eigentlichen“ Wohnung nicht, die auf ein vorher bereits bestehendes Haus aufgestockt wurde und wie der Bug eines Schiffes aussieht.

Über den Bismarckplatz gelangen wir zum Stadtteil Allegre, von wo wir einen Spaziergang zum Stadtteil Concepción unternehmen. Wir lernen dabei – im Gegensatz zu den erwarteten Vorstellungen über eine Handels- und Hafenstadt – eine durch kleine, oft steil auf- oder  absteigende Gassen und abwechselnd kleine Reihenhäuser und prächtige Villen gekennzeichnete Stadtteile kennen, die mit ihren kleinen Geschäften, Cafés und bunten Gemälden an vielen Hauswänden mit oft sozialkritischem oder politischem Hintergrund ein eher künstlerisches Ambiente vermitteln. Wir kommen an der 1897 erbauten und 2011 renovierten lutherischen Kirche Santa Cruz vorbei, deren protestantische Mitglieder früher auf einem damals außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof beerdigt werden mussten.

Wir erreichen schließlich die Bergstation des Ascensor El Peral, einer der für die Stadt so typischen und noch in Funktion befindlichen Schrägaufzüge, der uns abwärts zur Plaza Sotomayor transportiert. Hier nimmt uns der Bus wieder auf; wir fahren an der Küste entlang vorbei an der Blumenuhr, dem Wahrzeichen der Stadt, nach Viña del Mar, wo wir direkt am Meer eine Kaffee- und Kuchenpause einlegen.  

Viña del Mar ist mit fast 300.000 Einwohnern viertgrößte Stadt des Landes und damit etwa genauso groß wie die Nachbarstadt Valparaiso. Die an einer Bucht des Pazifiks gelegene Stadt gilt als mondäner Urlaubsort und von der Fremdenverkehrswerbung als „Gartenstadt“ (Ciudad Jardín) bezeichnet.

Nach einem kurzen Spaziergang an der Küste entlang fahren wir zum Museum Fonck, vor dessen Eingangstür eine Original-Moai-Statue von den Osterinseln, die seit 1888 zu Chile gehören, steht.

In dem unmittelbar angrenzenden Park steht vor dem Palacio Carrasco ein Denkmal von Gabriela Mistral(1889 – 1957;1945 Nobelpreis für Literatur), das sie – sie arbeitete von 1906 bis 1922 als Lehrerin – mit zwei Kindern zu ihren Füßen zeigt, denen sie ihre Hände schützend auf die Köpfe legt.  

Am späteren Nachmittag treten wir die Rückfahrt nach Santiago an. Der Abend wird in kleinen Gruppen in der Nähe unseres Hotels verbracht.

So, 16. Februar:

Heute heißt es wieder früh aufstehen; der Wecker klingelt um 4.00 Uhr! Kurz vor 6.00 Uhr sind wir schon am Flughafen Santiago, von wo wir um 8.30 Uhr abfliegen. 100 Minuten später landen wir in Buenos Aires, wo wir kurz darauf von Debora Stang mit dem Bus (der wievielte Bus ist das jetzt bereits?) zum Amerian Hotel gebracht werden. Unterwegs hat uns Debora bereits das Programm für Buenos Aires erklärt; dabei kommt auch die Rede auf einen Tango-Abend, den wir ggf. bei ihr buchen können. Der Preis – 100 US-$ pro Person – schreckt uns jedoch nachhaltig ab.  

Zu Mittag gehen wir in das nahe Einkaufszentrum „Galerias Pacifico“ zum Essen.

Das wunderschöne Kaufhaus, 1889 im französischen Stil erbaut, nimmt einen ganzen Block ein und beeindruckt mit seinen Gewölbedecken, die mit großflächigen Gemälden geschmückt sind. Alle Werke entstanden 1954, die Maler gehörten der argentinischen Schule des nuevo realismo (Neuer Realismus) an. Das Gebäude blieb jahrelang nahezu unbeachtet, bis dann 1992 ein Team von Argentiniern und Mexikanern das Gebäude renovierte und die Wandmalereien restaurierte.

Anschließend starten wir zu einer „Privat“-Exkursion – die Führung übernimmt einer unserer Teilnehmer – mit dem Ziel „Sonntagsmarkt in San Telmo“.Wir folgen der Viamonte bis zur Florida, dann auf der Lavalle bis zur Avenida 9 de Julio, wo wir auf die Plaza de la Republica stoßen, in deren Mitte ein 1936 errichteter 67 m hohe Obelisk steht. Die Avenida soll übrigens mit ihren 16 Fahrspuren die breiteste innerstädtische Straße der Welt sein.

Wir queren die Straße. Der Weg führt von hier über die Av. Pte. Roque Saenz Peña zur Plaza de Mayo, um die sich die Casa Rosada, das alte Rathaus und die Kathedrale der Stadt gruppieren (Wir werden morgen bei der Stadtführung diesen Platz noch einmal besuchen!). Wir gehen weiter, vorbei an der Iglesia de San Ignacio, einer der ältesten Kirchen von Buenos Aires, und

folgen der Defensa nach San Telmo, wo jeden Sonntag ein Straßenmarkt stattfindet, der vor allem von Touristen besucht wird. Leider wissen dies auch die Straßendiebe; einer von ihnen „erleichtert“ eine unserer Teilnehmerinnen um ihr Portemonnaie, das sich im Rucksack auf dem Rücken (!) befand.

Hier trennt sich die Gruppe; einige gehen auf dem direkten Weg zurück ins Hotel, ein anderer Teil schlendert noch über den Markt und die dritte Kleingruppe besucht auf dem Rückweg noch das 

Teatro Colón. Doch auch hier ist man nicht vor Dieben sicher. Unter den Augen von Evita (großes Bild von Eva Peron an einem Hochhaus) wird einer Teilnehmerin beim Überqueren der Av. 9 de Julio vor einer Fußgängerampel eine dünne Goldkette vom Hals gerissen. – „Ojo!“ (Augen auf!)

Den Abend verbringen wir im Restaurant „La Estancia“; wir erhalten einen großen Tisch in einer Ecke des großen Raums – und einen sehr netten Kellner! Die meisten probieren hier das angebotene argentinische Fleisch, dessen Zubereitung von denen, die es essen, in höchsten Tönen gelobt wird.

Mo, 17. Februar:

Um 9.30 Uhr werden wir von Debora zur City-Tour abgeholt. Wir beginnen unsere Rundfahrt im Norden der Stadt, fahren dann zurück ins Zentrum, um anschließend noch einen Stadtteil im Süden zu besuchen.

Auf dem Weg in die nördlichen Stadtteile „Retiro“ und „Palermo“ kommen wir zuerst am Denkmal für den Falklandkrieg (Monumento a los caídos en Malvinas, Monument der auf den Malvinas Gefallenen) vorbei.

Es geht weiter zur Plaza San Martín mit dem gleichnamigen Palacio, dann vorbei an dem Torre Monumental (ehem. Torre de los Ingleses), einem Uhrenturm, den die britisch-stämmigen Argentinier 1910 der Stadt Buenos Aires geschenkt haben, zur Juristischen Fakultät und der Floralis Genérica auf dem UN-Platz, einer 23 m großen, aus Aluminium angefertigten „blumigen“ Skulptur, deren Blütenblätter sich am Morgen öffnen und am Abend wieder schließen – sollten, denn z. Zt. ist sie leider „außer Betrieb“, da keiner die Kosten für eine erforderliche Reparatur übernehmen will.

Auf der Kreuzung von Av. del Libertador und Av. Sarmiento befindet sich das Denkmal für die Spanier (Monumento a La Carta Magna y las Cuatro Regiones Argentinas); es wurde 1910 von der spanischen Gemeinde gestiftet, um an den 100. Jahrestag der Mai-Revolution zu erinnern, aber erst 1927 fertiggestellt und eingeweiht.

Von hier geht es wieder zurück Richtung Innenstadt. Wir machen einen Halt auf der Plaza Evita am Denkmal für Eva Perón, das sich vor der Nationalbibliothek befindet, von Ricardo Gianetti ausgeführt und 1999 eingeweiht wurde.

Wir fahren anschließend auf den Friedhof von Recoleta, auf dem zahlreiche prominente Bürger von Buenos Aires bestattet sind, so u.a. auch Maria Eva Duarte de Perón, der Frau von Präsident Juan Perón, die 1952 im Alter von nur 33 Jahren an Krebs verstarb und 1976 hier beigesetzt wurde. Man betritt den Friedhof durch ein mit hohen Säulen ausgestatteten Eingang. Die Friedhofswege werden von aufwendig gebauten Mausoleen gesäumt, in denen teilweise die übereinander gestapelten Särge zu erkennen sind.

Unser nächstes Ziel ist die Plaza de Mayo, der Hauptplatz von Buenos Aires, der von der Kathedrale, die wir besuchen, dem neuen und dem alten Rathaus (Cabildo) und schließlich der Casa Rosada, dem Regierungsgebäude, umgeben wird. Ansonsten wird auf dem Platz dauerhaft protestiert; viele Jahre waren es die „Madres de Plaza de Mayo“ („Mütter des Platzes der Mairevolution“), einer Organisation argentinischer Frauen, deren Kinder unter der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 unter zunächst ungeklärten Umständen „verschwanden“, heute sind es die Veteranen des Falklandkrieges, die um ihre Rechte kämpfen.

Die barocke Catedral Metropolitana ist ein bedeutendes religiöses wie auch architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Noch wichtiger ist hier allerdings das Grabmal von General José de San Martín, dem meistverehrten Helden Argentiniens. Direkt vor der Kathedrale brennt ein Ewiges Licht, das seinen Geist lebendig halten soll. – Das Rathaus, das aus der Mitte des 18. Jhs. stammt, ist heute ein Museum. Früher war es mit Arkaden versehen, die um die gesamte Plaza de Mayo verliefen. Die komplette Ostseite des Platzes wird von der unverwechselbaren rosa Fassade der Casa Rosada beherrscht. Hier liegen die Amtsräume der „Presidenta" Cristina Kirchner. Von den Balkonen haben Juan und Eva Perón, General Leopoldo Galtieri, Raúl Alfonsin und andere Politiker ihre legendären Ansprachen an Scharen von euphorischen Argentiniern gehalten. Die Popikone Madonna schauspielerte hier für ihren Musicalfilm Evita, der vor allem durch den Song Don't cry for me Argentina bekannt ist

Von der Plaza de Mayo fahren wir über die Av. Paseo Colón durch San Telmo nach La Boca. Wir fahren am Fußballstadion La Bombonera vorbei und machen Station an der Caminito, der „Drosselgasse“ von Buenos Aires.

Die Caminito am Südrand von La Boca ist die bekannteste Straße im Viertel, und am Wochenende bringen Busse Scharen von Touristen hierher, die ihre Fotos machen und auf dem kleinen Kunsthandwerksmarkt herumstöbern. Tangotänzer zeigen dann für ein paar Münzen ihre Künste und bezaubern die Zuschauer mit ihrer Grazie. Vier Häuserblocks landeinwärts liegt das Fußballstadion La Bombonera, wo die Mannschaft Boca Juniors zu Hause ist - der ehemalige Club des weltbekannten argentinischen Fußball-Superstars Diego Maradona.

Die Route zurück zum Hotel geht an der Puente Avellaneda (Hebebrücke) vorbei und folgt dann der Autopista La Plata, allerdings unter dieser; hier haben sich viele Menschen neue Wohnstätten geschaffen, indem sie den Schutz der Brücke über ihnen und die Brückenpfeiler neben ihnen als vorhandene Wandstützen nutzen. – Etwas weiter nördlich folgen wir dann der Av. Alicia Moreau de Justo und fahren an dem Stadtteil Puerto Madero vorbei, einer der Hamburger „Speicherstadt“ ähnliches Viertel, in dem alte Lagerhäuser zu modernen Büro- bzw. Wohnhäusern oder Restaurants umgebaut bzw. diese abgerissen und neu gebaut wurden.   

Nach dem mittäglichen Gang in die „Galerias Pacifico“ machen einige einen „privaten“ Abstecher zum neugestalteten Puerto Madero; andere gehen zum Teatro Colón, um dort eine Führung mitzumachen.

Den Abend verbringen wir dann wieder alle zusammen in einem Lokal im alten Hafengebiet.

Di, 18. Februar:

Gleich am frühen Morgen geht es zum Flughafen; vor Ort erfahren wir, dass das Flugzeug nach Iguazú zwei Stunden Verspätung haben wird. Wir erleben in den nächsten zwei Stunden, wie man eine Verspätung mit Ankündigungen „spannend“ halten kann: Zuerst ist der Flug „delayed“, dann werden wir zu „ask agent“ aufgefordert, danach gibt es die Zeit „pre boarding“, dann endlich wird „boarding“ angezeigt.

Um 11.40 Uhr starten wir schließlich nach Iguazú Cataratas. Dort werden wir von unseren neuen Reisebegleiterin Erna Kehl in Empfang genommen. Heute steht nicht erst das Hotel an, sondern unsere Reise geht gleich zum nächsten Höhepunkt weiter, den Wasserfällen von Iguazú – wir haben über zwei Stunden Verspätung aufzuholen.

Die Iguazú-Wasserfälle (spanisch: Cataratas del Iguazú, portugiesisch: Cataratas do Iguaçu) – der Name Iguazú hat seinen Ursprung aus den guaranischen Wörtern y für Wasser und guasu für groß – gelten als eine der größten Sehenswürdigkeit Südamerikas. Sie befinden sich an der Grenze zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná (20 %) und der argentinischen Provinz Misiones (80 %) und bestehen aus 20 größeren sowie 255 kleineren Wasserfällen auf einer Ausdehnung von 2,7 Kilometern. Einige sind bis zu 82 Meter, der Großteil ist 64 Meter hoch. Die Wassermenge an den Fällen schwankt von 1500 m³/s bis über 7000 m³/s.

Zur Entstehung: Der breite Strom fließt in mächtigen Mäandern flach eingeschnitten über das flache Plateau der Paraná- Basalte, die eine der größten Lavamassen der Erde bilden. Die Basalte sind ihrer Härte nach nicht sehr verschieden; aber sie sind ganz verschieden stark zerklüftet, und das bedingt verschiedene Widerstandsfähigkeit gegenüber der Erosion des fließenden Wassers. Am wichtigsten war für die Flussgeschichte eine Nord-Süd verlaufende, schmale, senkrecht stehende Zerklüftungszone, der der Hauptcanyon der Iguaçu-Falle genau folgt. Hier erfolgte sehr rasche Ausräumung und Einschneidung; der bis dahin breit mäandrierende Fluss hielt sich jetzt auf einmal an diese enge Kluftzone, und ein scharfer Gefällsbruch bildete sich, der sich allmählich flussaufwärts verlegte. So entstand das geradlinige, schluchtartige Canyon-Tal. Die Wassermassen des Iguaçu stürzen vor allem über das schmale Steilende des Canyons, 72 m hoch. Aber der breite Fluss konzentrierte sich nicht allein auf diese Stelle. Auch über die rechte und linke Längsseite des Canyons stürzt Wasser herab, am meisten auf der linken (argentinischen) Seite, wo über 1,2 km ein Wasserfall hinter dem andern folgt. Bei den meisten Fällen haben wir eine Kaskade aus zwei Stufen. Zu dieser Besonderheit kommt zusätzlich, dass die Fälle in einer weitgehend unberührten, üppigen Waldlandschaft liegen. Es ist hocherfreulich, dass sowohl die brasilianische als auch die argentinische Regierung das Gebiet zu einem Nationalpark erklärten.

Im Nationalpark Iguazú angekommen besteigen wir nach einem kurzen Fußmarsch an der „Central Station“ einen (offenen) Zug (Jungle Train), der uns zuerst zu einer Zwischenstation, der „Cataratas Station“, bringt. Dort steigen wir um und fahren weiter bis zur Endstation „Garganta del Diablo“. Von hier gehen wir zu Fuß über einen gut 1 km langen Steg zum Teufelsschlund (Garganta del Diablo, Devil’s Throat), wo der größte Teil des Wassers in die Tiefe stürzt. Das Bild, das sich uns bietet, ist tatsächlich atemberaubend und stellt alle bisher gesehenen Wasserfälle (Niagarafälle, Wasserfälle in Norwegen und Island) in den Schatten.

Erna drückt dann etwas aufs Tempo, da wir noch einen anderen Weg gehen wollen. Der nächste Zug bringt uns zurück zur Haltestelle „Cataratas“, von der wir nun den ersten Teil des Paseo Superior gehen. Von ihm hat man nun einen völlig anderen Blick auf die Wasserfälle; man sieht

an der nach Nordwesten Richtung Argentinien abknickenden Abbruchkante in Richtung Brasilien (Osten) entlang und erkennt eine Vielzahl von einzelnen Wasserfällen, die in den Canyon stürzen. – Auch hier müssen wir uns bald auf den Rückweg machen, denn der letzte Zug wartet nicht! Doch Erna verspricht für den morgigen Vormittag auf brasilianischer Seite etwas mehr Zeit und Ruhe.

Vom Eingang des Nationalparks geht es nun mit dem Bus, nachdem wir den Iguazú überquert haben, zur argentinisch-brasilianischen Grenze. Erna regelt dort in kürzester Zeit alle Formalitäten für uns („Sind alles amigos!“).

Den Abend verbringen wir im Falls Galli Hotel in Foz de Iguaçu bei einem Buffet-Abendessen. Der zum Abschluss gereichte Pisco sour schmeckt übrigens in Brasilien ebenso gut wie in den bisher bereisten Ländern.

Mi, 19. Februar:

Nach einem kurzen Besuch in einem Stein- und Souvenirgeschäft erreichen wir den Eingang des brasilianischen Nationalparks Iguaçu, wo Erna erreicht, dass wir mit unserem eigenen Bus zum

Einstieg in die Schlucht fahren dürfen. Die Besucherzahl ist recht hoch, so dass man sich nur im „fließenden Fußgängerverkehr“ bewegen kann; trotzdem bietet der Weg nach jeder Biegung einen neuen – fotografierwürdigen – Blick, der den Eindruck von gestern nur noch verstärkt: Das ist nach Machu Picchu der zweite Höhepunkt unserer Reise. Wir haben heute viel Zeit und können daher ohne Hektik abwärts gehen, oft stehenbleiben und uns von dem Anblick überwältigen lassen. Auf der Plattform vor dem Hauptwasserfall, die weit ins Wasser reicht, wird das Gedränge dann etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir tragen ja auch unseren Teil dazu bei.

Nach ausreichendem Sammeln von Eindrücken fahren einige mit dem Aufzug wieder nach oben; die meisten gehen zu Fuß. Oben angekommen bleibt noch Zeit für ein Getränk in einem netten, im Schatten gelegenen Selbstbedienungs-Gartenrestaurant.     

Anschließend fahren wir die kurze Strecke zum brasilianischen Flughafen Foz do Iguaçu, verabschieden uns herzlich von Erna und fliegen in knapp zwei Stunden nach Rio de Janeiro, wo uns Alex(andre) Ristoff, unser letzter – er ist der 12. – Guide in Empfang nimmt. Wir fahren über eine überfüllte Autobahn mit nicht unerheblichen Verzögerungen und Staus ins Zentrum der Stadt zum Hotel Royal Rio Palace.

Das Abendessen bringt für uns eine Neuigkeit: Alex hat uns ein sog. „Kilo-Restaurant“ in der Nähe des Hotels empfohlen; hier wird das, was man sich vom Buffet nimmt – Salat, Fleisch, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Kuchen, Obst usw. – gewogen und entsprechend dem Gewicht bezahlt.

Der „Absacker“ an der Swimmingpool-Bar im 18. Stock des Hotels wird uns wegen der späten Stunde leider nicht mehr gegönnt – schade!

Do, 20. Februar:

Um 08.00 Uhr machen wir uns auf zu unserer Besichtigungstour durch Rio.

Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Der Name (portugiesisch für „Fluss des Januars“) beruht auf einem Irrtum des Seefahrers Gaspar de Lemos, der die Bucht am 1. Januar 1502 entdeckte und für die Mündung eines großen Flusses hielt. Im administrativen Stadtgebiet leben rund 6,3 Mill. Menschen; die Metropolregion hat 11,9 Mill. Einwohner. Davon sind 53,6% Weiße, 33,6% Pardos (Menschen mit hellen und dunklen Eltern), 12,3% Afrobrasilianer und 0,5% Sonstige, vor allem Asiaten und Indigeñas.

Bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens und trat danach diese Funktion an Brasília ab, bleibt aber nach São Paulo bedeutendstes Handels- und Finanzzentrum des Landes. Die Bewohner der Stadt nennt man Cariocas, was „Hütte des weißen Mannes“ bedeutet.

Die Stadt ist geprägt durch die Buchten und Strände entlang der Ufer, sowie durch Morros genannte Granithügel. Wahrzeichen von Rio sind der 394 m hohe Zuckerhut, die 38 Meter hohe Christusfigur auf dem Gipfel des 704 m hohen Corcovado und der Strand des Stadtteils Copacabana, der als einer der berühmtesten der Welt gilt.

Wir fahren – wieder durch volle Straßen – zur Talstation des Corcovado. Mit der Zahnradbahn (Trem do Corcovado) geht es nach oben zur 38 m hohen Christusfigur.

Die Christusstatue (Cristo Redentor) ist 30 Meter hoch, steht auf einem 8 Meter hohen Sockel und breitet seine Arme schützend über die Stadt aus. Es geht das leicht selbstironische Gerücht, dass, sollte dieser Jesus einmal seine Arme verschränken, die Cariocas dann endlich einmal zur Arbeit fahren würden.

Die Aussicht vom Corcovado auf die Stadt ist großartig; man erkennt deutlich, wie stark die Stadt auf der einen Seite durch die Granitberge und -hügel gegliedert wird, und zum anderen, welche Bedeutung die Strandabschnitte mit den ihnen zugeordneten Stadtteilen und die vorgelagerten Inseln haben.

Vom Corcovado fahren wir weiter zur Talstation der Seilbahn (O Bondinho), die uns in zwei Abschnitten zum Zuckerhut (Pão de Açúcar, wörtlich „Zuckerbrot“, der portugiesische Begriff für „Zuckerhut“) bringt. Der Gipfel ist zwar nur knapp 400 m hoch; trotzdem ist der Blick ähnlich faszinierend wie vom Corcovado. Wir lassen uns viel Zeit auf der Aussichtsterrasse.

Für die Mittagspause machen wir einen Abstecher zum Einkaufszentrum Rio Sul, um anschließend der modernen Kathedrale von Rio (Catedral de São Sebastião do Rio de Janeiro) einen Besuch abzustatten.

Architektonisch ist die 1979 fertiggestellte Catedral Metropolitana sehr beeindruckend. Die Höhe des konischen Gebäudes beträgt 96 m, der Durchmesser am Boden 106 m. Das Fassungsvermögen wird mit 20 000 Personen angegeben. Im Inneren beeindrucken vor allem die vier riesigen, in verschiedenen Farben gehaltenen Fenster, die sich vom Boden bis zur Decke erstrecken.

Der folgende Gang durch das Zentrum mit einigen bedeutenden Gebäuden wie dem Rathaus und der Oper, fällt etwas kurz aus, soll aber am morgigen Vormittag in „Eigenregie“ nachgeholt werden.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir am Strand von Copacabana, der nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt ist. Der vier Kilometer lange, halbmondförmige Sandstrand sah in den 1930er-, 1940er- und 1950er-Jahren der vergangenen Jahrhunderts sein goldenes Zeitalter. Als Stadtteil der Bohème, des Reichtums und des Glanzes ist Copacabana zum Thema vieler Musikstücke, Bücher und Bilder geworden. Wir nehmen die Eindrücke des bekanntesten Strandes von Rio mit braun gebrannten Tanga-Damen und -Herren, Bikini- und Hutverkäufern und hohen heranrollenden Wellen auf.

Zum Abendessen treffen wir uns wieder im „Kilo-Restaurant“ – diese junge Erfahrung müssen wir vertiefen. Und heute klappt dann auch der Schlummertrunk auf dem Dach des Hotels

Fr, 21. Februar:

Wir erfahren, dass wir unsere Zimmer bis 13.00 Uhr halten können; später bekommen wir noch ein Zimmer für unser Gepäck und zum Umziehen bis 15.30 Uhr.

Nach dem Frühstück starten wir die verabredete „Privat“-Exkursion unter der Führung eines unserer Teilnehmer ins Stadtzentrum. Wir fahren mit der Metro bis zur Station „Cinelândia“ und gehen dann den folgenden Weg: Rua do Passeio bis Largo di Lapa zum ehemaligen Aquädukt Arcos de Lapa (1673-1723), weiter über die Rua de Lavradio (Teil des „Ausgehviertels“) und die Av. Rep. do Chile (vorbei an vielen Bürohochhäusern und der Kathedrale) zur Igreja e Convento de Santo Antonio (älteste Kirche Rios) und zur unmittelbar daneben liegenden mit „prachtvollem“ (einige sahen darin eher eine mit „überladenem“) Barockdekor ausgestattete Igreja da Ordem Terceira de São Francisco da Penitência (1700-1737, „Goldene Höhle“), danach weiter an der Kirche S. Fco. de Paula vorbei bis zur Rua do Ouvidor und zur Rua Goncalves Dias (hier liegt das im Jugendstil errichtete Confeitaria Colombo) und schließlich über die Rua 7 de Septembro bis zur Praça 15 de Novembro mit dem Paço Imperial (Kaiserpalast) und dem Palácio Tiradentes (von 1926, ehemaliges Parlament, seit 1960 Landtag von Rio).

Wir fahren mit der Metro zurück zur Station „Cardeal Arcoverde“ und sind kurz nach 12.00 Uhr wieder im Hotel. Wir packen die Koffer, bringen sie in das uns weiterhin zur Verfügung stehende Zimmer und begeben uns noch einmal in Richtung Strand, um dort im bekannten Hotel „Copacabana Palace“ einen Kaffee zu trinken. Doch eine Empfangsdame erklärt uns, dass z.Zt. leider kein Platz frei wäre (obwohl die von außen einsehbare Terrasse im 1. Stock völlig leer ist) – man will uns wohl nicht haben! Wir queren die Av. Atlántica und setzen uns bei Cola und Wasser in eine Bar am Strand. Neben uns sitzen drei ältere farbige Herren, die, nachdem sie ihren Flüssigkeitsbedarf gedeckt haben, sich ihre Musikinstrumente – Banjo, Rassel, Trommel – nehmen und zur Samba aufspielen; sie haben mit uns – und wir mit ihnen – viel Spaß.

Bereits um 15.30 Uhr – eine halbe Stunde früher als ausgemacht – steht Alex mit dem Bus vor dem Hotel; in Richtung Flughafen haben sich größere Staus gebildet – es ist Freitagnachmittag –, die es nötig machen, etwas früher aufzubrechen. Auf den Straßen nach Norden – wir wollen durch den Túnel A. Rebouças fahren – steht eigentlich der Verkehr; wir kommen in einer Stunde gerade mal 4 km voran. Doch Alex und der Fahrer lassen sich nicht aus der Ruhe bringen; sie prophezeien sogar, dass ihr „Rekord“, zwei Stunden für die Fahrt zum Flughafen benötigt zu haben, heute nicht gebrochen würde. Und tatsächlich löst sich der lange Stau nach der Einfahrt in den Tunnel langsam auf und es geht, von einigen kurzen Verzögerungen abgesehen, zügig bis zum Flughafen weiter.

Die Abfertigung erfolgt ebenfalls zügig: Wir erhalten die reservierten Plätze und werden beim Einsteigen wieder als „Grupo“ vorgezogen!

Unmittelbar nach dem Start wird von allen Teilnehmern über die Highlights der Reise abgestimmt; danach ergibt sich insgesamt folgende Rankingliste:

(1) Machu Picchu / Ollantaytambo, (2) Wasserfälle Iguazú, (3) San Pedro / Atacama-Wüste, (3, gleicher Platz) Rio de Janeiro, (5) La Paz, (6) Cusco, (7) Titicacasee, (7, gleicher Platz) Buenos Aires, (9) Santiago de Chile, (10) Lima, (11) Valparaiso / Viña del Mar

Sa, 22. Februar:

Wir landen um 10.00  Uhr MEZ auf dem Flughafen in Madrid. Im Ankunftsraum erwarten wir unseren Busfahrer – doch dort steht keiner mit einem entsprechenden Schild, um auf sich aufmerksam zu machen. Wir entdecken ihn schließlich draußen bei den wartenden Bussen. Er bringt uns in die Stadt zum AC Carlton Hotel.

Wir bestellen den Bus für 6.00 Uhr am kommenden Morgen und legen erst einmal eine kleine Ruhepause ein.

Am frühen Nachmittag treffen wir uns zu einem Gang durch die Stadt: Hotel – Bahnhof Atocha  – Landwirtschaftsministerium – Prado-Museum – Neptunbrunnen (auf der anderen Seite des Paseo del Prado befindet sich das Thyssen- Bornemisza-Museum) – Retiro-Park – Plaza de la Independencia mit dem Alcalá-Tor – Plaza de Cibeles mit dem Brunnen und dem Rathaus – Calle de Alcalá bis zur Puerta del SolPlaza MayorIglesia de San Isidro (leider geschlossen) – Palacio Real mit der gegenüberliegneden Catedral de la Almudena. Von der U-Bahn-Station „Opera“ und fahren wir zurück bis „Atocha“ und erreichen nach wenigen Minuten wieder unser Hotel.

Für 20.30 Uhr haben wir im Hotel in einem für uns vorbereiteten separaten Raum ein Abschiedsessen bestellt, in dessen Verlauf dem Initiator und Mit-Organisator der Reise gedankt wird und noch einmal die vier Dinge hervorgehoben werden, die wesentlich zum Gelingen der Reise beigetragen haben:

1) die herausragende Organisation durch den Reiseveranstalter ECC,

2) die exzellenten Reisebegleiter vor Ort, die auf alle unsere Wünsche eingegangen sind,

3) die Hilfsbereitschaft, Disziplin und Pünktlichkeit der Gruppe und

4) das gegen alle klimatologischen Regeln und Erfahrungen angetroffene gute (heißt: trockene) Wetter.

So, 23. Februar:

Wir erhalten zu früher Stunde vom Hotel ein Frühstückspaket und fahren um 6.00 Uhr ab zum Flughafen Madrid. Das Einchecken bei den Iberia-Automaten (!) gestaltet sich schwierig und im Endeffekt ergebnislos, da auf einer Reservierungsnummer nicht zwei Bordkarten mit dem gleichen Namen (Ehepaare!) ausgegeben werden. Die Dame am Schalter ist etwas mürrisch über die zusätzliche Arbeit, schafft es aber dann doch, uns die im Computer vorhanden Bordkarten auszudrucken. Nach dem Passieren der Security verabschiedet sich die „Bayern-Fraktion“ vom Rest der Gruppe, denn es geht nun mit verschiedenen Flugzeugen nach München bzw. Frankfurt. Nach 23 Tagen fällt der Abschied schon etwas schwer, aber wir wissen, dass das ja nicht die letzte Reise gewesen sein muss, die wir zusammen unternehmen.

Wolfgang Schmiedecken