KOLUMBIEN Farben des Lebens 27. Juli bis 18. August 2017

1. Tag: Linienflug mit LUFTHANSA von Basel über Frankfurt nach Bogotá. Den Zubringer mit zu buchen und sich „Economy Plus“ leisten hat sich absolut gelohnt. Der in Bogotá am Ausgang wartende Fahrer brachte uns zum Hotel Muisca (3*) im oberen, stillen Teil der Altstadt „La Candaleria“. Wir waren nicht wirklich auf die Kälte und den Regen vorbereitet, der uns hier erwartete, und haben daher gefroren, auch im Hotel: Denn es ist ein verwinkeltes kolonial-kunsthandwerklich gestaltetes Haus, entsprechend zugig!, aber mit Sorgfalt gestaltet und freundlich geführt.

Am 2. Tag besuchten wir Freunde von früher –nach 30 Jahren…- Sie und wir haben uns verändert, und die Stadt erst recht! Neun Millionen Menschen – mehr als die Einwohnerschaft der Schweiz leben unterdessen in Bogotá. Transport in der Stadt ist kein Problem. Taxis gibt es genug, und sie sind für unsere Verhältnisse sehr günstig.

 Der 3. Tag, ein Sonntag, war zunächst regnerisch. Botero- Museum (ganz besonders zu empfehlen, auch das schicke und schlichte Café im Gesamtgebäude), Goldmuseum (ein absolutes Muss, aber wegen der vielen Menschen sonst vielleicht eher nicht am Sonntag, v.a. nicht am letzten Sonntag im Monat, da da freier Eintritt!). Das Wetter besserte sich – so bummelten wir am Nachmittag über den wöchentlich stattfindenden Flohmarkt im Stadtteil Usaquén – eher ein Straßenfest als ein eigentlicher Flohmarkt. Mit Essenständen, Musik und Tanz. Anschließend wagten wir sogar noch die Fahrt mit der Seilbahn auf Bogotás Hausberg Monserrate, samt Wallfahrtskirche. Auch das ein Muss wegen des Blicks über die Stadt. Abwärts ging es mit der Zahnradbahn.

 

Am Montag fuhren wir mit dem Taxi zu den Paloquemao Markthallen – ein typischer grosser Markt unter Dach, wie überall in Südeuropa, Lateinamerika und anderswo. Hier wie auch bei anderen Begegnungen mit Menschen aus der Bevölkerung, freuen wir uns über deren offene und gesprächsbereite Art. Danach liefen wir entlang der 4-spurigen Straße zu Fuß zurück ins moderne Zentrum der Stadt. Totalarme, ganz vernachlässigte Menschen liegen auf dem Mittelstreifen der Avenida. Wenige Meter weiter schicke Geschäfte, dann wieder Straßenstrich… Wieder mehr in der Innenstadt noble Tango-Tanzperformance auf der Straße – für eine Spende. Und last not least: Wir gönnten uns eine vergleichende Kaffee-Probe in einem Cafe um die Ecke vom Hauptplatz. Spätnachmittags fröhlicher Besuch bei einer weiteren Bekannten. Rein touristisch geplant hätte dieser Tag der Reise statt all dessen auch das wunderschöne Städtchen Villa de Leyva bieten können, aber für uns lag das diesmal nicht drin.


Am 5. Tag waren wir dann mit Fahrer und Reiseleiterin (ohne sie wäre es schöner gewesen, sie war allzu gesprächsbereit, umgekehrt proportional zu ihrem Sachwissen) unterwegs Richtung Norden zur Salzkathedrale Zipaquirá, einer großen, komplett ins Salz gehauenen unterirdischen Kirche samt Nebenkapellen. Einzigartig.

 

Durch grüne weite Landschaft fuhren wir dann weiter zur Laguna de Guatavita, einem Bergsee auf 3000 m Höhe. Zugang nur mit einem lokalen Guide, der sich dem Volke der Muisca zurechnet. Hier soll der „El Dorado“, der vergoldete Mann, oberster König und Priester der Muisca, jährlich rituell Gold und andere Schätze im See versenkt haben, als Opfer. Das angekündigte „Mittagessen auf dem kleinen Bauernhof einer einheimischen Familie“ erwarteten wir mit etwas Skepsis, aber was sich uns bot, war doch kein Heimatmuseum mit „Menschenzoo“ (wie auf anderen Reisen erlebt), sondern eine echte, einfache Bauernfamilie, die deftiges Essen ser-vierte und etwas schüchtern, aber doch, mit uns ins Gespräch kam. Nichts für große Gruppen allerdings.

Am 6. Tag holte uns der Fahrer früh Richtung Flughafen ab, und wir flogen mit Avianca (Gründer war übrigens einst ein deutscher Pilot mit englischem Namen) Richtung Süden, nach Neiva. Chauffeur und –zu unserem Erstaunen, unangekündigt- eine Zürcher Reiseleiterin warteten am Flughafen. Die erste Runde über einen sonnig-schattigen Hauptplatz eines authentischen, lebendigen Dorfes - Villa Vieja – tat gut. Das Paläontologie-Museum, ein einziger, etwas verstaubter Raum, war bunt und in seiner Schlichtheit authentisch. Mit einem zusätzlichen einheimischen Guide ging es dann zu einem kleinen Spaziergang in der nahe gelegenen Tatacoa-Wüste. Eindrucksvoll, aber weitaus kleiner und weniger imposant als die Bilder es erscheinen lassen. Wer in Arizona war oder den Negev erlebt hat, muss hier nicht gewesen sein. Zurück über Neiva und weiter entlang am Fluss Magdalena, einem der beiden Hauptflüsse Kolumbiens! Mit tollen Ausblicken, ging es dann bis nach San Agustin zum Hotel Monasterio 4* weit ausserhalb des Ortes. Dieses Hotel, eben erst im Kolonialstil mit Elementen eines Klosters gebaut und unter deutscher Leitung, ist ein besonderes Erlebnis und durchaus „gruppentauglich“.

 

Am 7. Tag konnten wir vom Hotel an blühenden Anwesen vorbei zum archäologischen Park von San Agustin spazieren, UNESCO-Welterbe. Die San-Agustín-Kulturen sind bis heute ein Rätsel; zwischen.300 v.Chr. bis 900 n.Chr. wurden die meisten Steinbildnisse geschaffen. Ein besonderer Ort! Hier ist eine Vielzahl an Statuen zu sehen, die entweder isoliert oder in kleinen Gruppen zusammenstehen. Die Quelle von Lavapatas ist ein altes Heiligtum. Für zeremonielle Waschungen wurden hier Löcher und Becken aus dem Fels gemeißelt. Neben den beeindruckenden Bildnissen ist die ganze Parkanlage überzeugend gestaltet, mit großzügigen Rasenflächen, klaren Ausschilderungen, alles sehr gepflegt und sauber. Nach einem Bummel durch die lebhaften Straßen mit netten kleinen Läden voll Kunsthandwerk, aßen wir abends rustikal Typisches im Dorf.

 

Am 8. Tag genossen wir das Hotel, halber Ruhetag im Regen, am Nachmittag wanderten wir zu den nahen, auf Privatgelände gelegenen einzigen farbigen Steinen. Dabei stießen wir auf eine kleine Zuckerfabrik am Wegesrand, in der vier Männer gut sichtbar aus Zuckerrohr die im Handel üblichen „Zucker-Ziegelsteine“ (Panelas) herstellen. Erfreut über unser Interesse erklärten sie uns die Arbeitsprozesse. Die im Reiseprogramm vorgeschlagenen „Altos de los Idolos“ (wieder mindestens vier Stunden Autofahrt..) ließen wir aus. Nicht immer geht alles.

 

Am 9. Tag: Transfer über die Andenketten durch einen Nationalpark und verschiedene Vegetationszonen nach Popayán in der Provinz Cauca. Zum Glück hatten wir einen besonnen, routinierten Fahrer, denn die Straßenverhältnisse und die Kurven samt Steigungen waren atemberaubend. Bei über 2000 Metern umhüllte uns Nebel, Regen peitschte z.T., es kühlte spürbar ab.. Als wir nach ca 5,5 Stunden Fahrt in die Talsenke Richtung Popayan steuerten, freuten wir uns über die wieder zunehmende Wärme, waren aber dankbar für die intensiven Fahrteindrücke.

 

Das Hotel La Plazuela – 3* in Popayan könnte von Lage und Bausubstanz ein Juwel sein, ist aber eher lieblos eingerichtet und wird auf Masse statt Klasse geführt. Erste Eindrücke von der Stadt: Das Kaffeetrinken im Innenhof des „Juan Valdez“ und ein erster Spaziergang am Abend zeigt bereits: Die „weiße Stadt“ heißt zu Recht so. Es ist nach dem verheerenden Erdbeben 1983 wieder aufgebaut. Und nicht nur weiß getüncht, sondern tatsächlich blitzsauber. Am Sonntag besuchten wir einige der Highlights, die der Reiseführer empfahl. Am Abend genossen wir gemeinsam mit Tausenden Einheimischen den Sonnenuntergang vom die Stadt überragenden Hügel mit dem Reiterdenkmal. Mit Glück fanden wir noch einen Tisch im „Schweizer Lokal“ im Zentrum.

 Der Montag bot Zeit zur freien Verfügung. Da Nationalfeiertag war, war es ein echter Ruhetag; vieles geschlossen, nichts los. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Taxi auf gut Glück zur Hacienda Calibio vor den Toren der Stadt. Zum Glück kam der schwarze Verwalter, der seit Jahrzenten das Haus bewacht, als wir vor dem Tor hupten. Wir bekamen eine Sonderführung… Pittoresk, geschichtsträchtig, wie im Dornröschenschlaf.

 

Am Dienstag war Transfer-Tag, aber wir konnten einen Umweg in das Dorf Silvia machen, das ein wenig abseits der Panamericana liegt. Der Markt, jeweils und ausschließlich am Dienstag, ist wichtigster Warenumschlagort der in der Umgebung lebenden Guambianos. Ein unglaublich archaisches Schauspiel, vor allem wegen der herrlichen blauen Trachten der Indigenen. Fotografieren mit Respekt ist hier die Devise. Eine Reiseroute muss unbedingt mit einem Dienstag in Silvia geplant werden! Bald ging es weiter nach Armenia, das in der sogenannten Kaffeezone gelegen ist. Das „El Rincón del Molonillo – 3*“ ist eigentlich kein Hotel, sondern ein Privathaus- sehr schön, mit perfekter, Betreuung und exquisitem Abendessen (inkl.).

 

Am Mittwoch holte uns Reiseleiter Norbert ab, ein nicht mehr ganz junger Ur-Berliner, der sein Herz auf dem rechten Fleck hat, unendlich viel weiß und aus der reichen Erfahrung seiner Auswandererjahre schöpft. Mildes Klima, gastfreundliche Menschen und atemberaubende Landschaften zeichnen die Kaffeezone aus. Trotz ortskundigem Fahrer verfuhren wir uns zunächst im Wald, erreichten dann aber doch die typische Kaffeefinca, wo Touristen manches über Kaffeeanbau, -ernte und die weiteren Verarbeitungsprozesse vermittelt wird. Nach einem Spaziergang und einem guten Essen (eingeschlossen) fuhren wir weiter durch die grüne Bergwelt in die Dörfer Salento –entbehrlich- und Filandia – letzteres durchaus originell wegen der quietschbunt bemalten Holzhäuser. Der Ort liegt auf einer Anhöhe und bietet Aussichtspunkte mit schönem Blick auf die Kordilleren. Zum Abendessen (inkl.) waren wir wieder im Haus.

 

Der 14. Tag war Transfer, ganztägig- und die ersten drei Stunden davon richtig aufregend: Lastwagenrennen auf der Serpentinenstrasse über die Kordillere. Ob diese sehr lange, anstrengende und nicht ungefährliche Fahrt sinnvoll ist, und nicht eine andere Möglichkeit gewählt werden könnte, um nach Cartagena zu kommen, ist uns die Frage.. Am Nachmittag erreichten wir die Hauptstadt; bald flogen wir mit AVIANCA weiter nach Cartagena am Karibischen Meer. Der Transfer zum Stadthotel Don Pedro de Heredia – 3* klappte gut. Das Hotel ist nostalgisch, aber bei einer Rückkehr in die Stadt würden wir uns «einen Stern mehr» durchaus gönnen.

15. -16. Tag Cartagena ist eine der schönsten Städte Lateinamerikas mit vielen Sehenswürdigkeiten: sie erinnert an Santo Domingo oder Havanna – Klima und Geschichte verbinden sie. Wir erkundeten die Stadt auf verschlungenen Pfaden. Empfehlung: Abendessen im Club de Pesca, in der Verteidigungsanlage, aber unbedingt vorher bestätigt reserviert haben. Sehr schön auch zum Bummeln, gerade am Abend, das Viertel Getsemani, v.a. der Platz an der gelben Kirche.

 

So. 13.08. Am Nachmittag wurden wir mit einem Schnellboot auf die Isla Bomba gebracht. Sie liegt nahe der Stadt liegt, ist aber eine ganz andere Welt. Die Überfahrt ist eingeschlossen, aber man sollte sie über die Website des Hotels sicher buchen. Das Hotel Blue Apple Beach ist gefällig und grosszügig, eher klein, max 6 Zimmer, 3-4*. Es war aber bei unserer Ankunft sehr, sehr laut – Disco der Tagesgäste, mit DJ! Das muss man wollen…. Erst ab Montag war tagsüber halbwegs Ruhe. Dennoch: Ein schöner Ort mit kleinem Pool, eigenem Strand und sehr hilfsbereitem und zugewandtem Personal. Sehenswürdigkeiten in Gehweite sind spanische Festungsanlagen und ein Dörflein, in dem man sich in Afrika oder Haiti wähnt….

 

20. Tag: Der Transfer zum Flughafen Cartagena und der Flug mit AVIANCA nach Bogotá klappten reibungslos, ebenso der Weiterflug mit LUFTHANSA nach Frankfurt und der Weiterflug nach Basel – 24 Stunden. Ende einer wunderbaren, vielfältigen Reise.

Bärbel Schäfer, Martin Breitenfeldt, Sommer 2017-09-17