Weltbilder und Religionen der antiken Kulturen

Erkenntnisse aus 30 Jahren Gemeindereisen

Seit 1985 reise ich mit geistesgeschichtlich interessierten Leuten rund um das Mittelmeer. Ich suche nach den Grundlagen (Weltbildern), auf denen die Kulturen der Antike aufgebaut sind. Dabei bewegen mich Fragen.
Welches sind die geistigen Trieb-Kräfte, aus denen Kulturen entstehen? Gibt es in diesen Kräften einen universalen Geist, der alles Leben lebenswert will, oder gibt es einen zerstörerischen Geist, der das Leben verneint?
Können Reisen darauf Antworten geben?
Es geht mir nicht um historische oder archäologische Fakten und auch nicht um exakte Wissenschaft, sondern um einen Dialog mit den vergangenen Kulturen. Dabei spielt das Einfühlungsvermögen in das Denken und Fühlen der Menschen von damals ein wichtige Rolle. Der Mensch vor 5000 oder 2000 Jahren war genau so intelligent und genau so „herzlich“ oder grausam wie wir. Alle Kulturen haben auf einander aufgebaut und sind ineinander über gegangen. Dieser Entwicklungs-Prozess geschieht durch einen Geist, der eine kraftvoll-schöpferische und vorwärts treibende Kraft in sich trägt.
So sage ich als Generalist vielleicht auch gegen die exakten Experten: „Auf Reisen kann man den Geist einer Kultur und ihren Spannungsbogen besser studieren als in Büchern.“ Dazu gehört aber ein von der Vernunft Einfühlungsvermögen. d. h. ein Denken mit Herz und Verstand.

Reisen wir also los!

Israel – Palästina

Die erste große Fahrt nach Israel und Palästina unternahm ich im März 1985 mit einer Gruppe von Jugendlichen. Ohne große Ortskenntnisse durchstreiften wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln, auch zu Fuß, das Heilige Land von Hebron im Süden bis zur syrischen Grenze auf den Golanhöhen und am Libanon-Gebirge. Wir wurden als Deutsche überall herzlich aufgenommen, besonders von den jungen Israelis. Zu den Palästinensern hatten wir auf dieser Reise keinen Kontakt. Zwei Dinge beeindruckten uns an den israelischen Jugendlichen:
Das warern die spielerische Lockerheit und das Gewehr, das Mädchen und und Jungen lässig bei sich trugen. Mit ihm gingen sie sozusagen spazieren. Natürlich hatte das seinen ernsten Hintergrund. In Kopf und Herz steckt der Holocaust, der in Israel Shoa genannt wird, was Vernichtung bedeutet. „Wir lassen uns nicht noch einmal wie Schafe auf die Schlachtbank treiben!“ Unsere Beteuerung, das deutsche Volk sei nicht mehr antisemitisch, glaubten die jungen Israelis uns nicht. Wir waren enttäuscht, was für eine Meinung die Jugend Israels, nicht über uns Jüngere, aber über unsere Eltern und Großeltern hatten.
Das andere Erschrecken, das uns schon damals überkam, war das negative Bild, dass die Israelis von den Palästinensern hatten. Auf meinen drei weiteren Reisen verstärkte sich diese Wahrnehmung. Aus der Ablehnung ist Hass geworden.

Als ich jetzt im Januar des Jahres 2015 nach längerer Zeit wieder durch Palästina und Israel fuhr, sah ich erstmals die Mauer, die Israel gegen die Palästina gebaut hat. Diese Mauer hat den Hass und die Angst weiter verstärkt. Mauern und Zäune schaffen nie etwas Gutes. Das gilt auch aktuell bei dem Flüchtlingselend, das wir nun in Deutschland spüren. War es nicht unser christlicher Jesus, der unseren Blick über alle Zäune hinüber lenkt? Am See Genezareth spürten wir noch etwas von der Weite und Helligkeit einer Grenzen überwindenden Welt, die der Mann aus Nazareth dort gelebt hat. In Jerusalem, dem Ort seiner Hinrichtung und Auferstehung, erlebte ich genau das Gegenteil.
Misstrauen und Hass entlädt sich in Gewalt. Zur Zeit ist davon erschreckend zu hören, z. B. von der Gewalt zwischen israelischen Siedlern und palästinensischen Jugendlichen auf dem Tempelberg. Vom Berg des Herodes, dem sog. Herodaion, wo nach der Weihnachtsgeschichte die Hirten ihre Schafe gehütet hatten, sieht man auf den Bergkuppen die modernen Städte der jüdischen Siedler. Die Siedlungen thronen wie Burgen auf den Hügeln, von Mauern und Zäunen umgeben. Unten im weiten Tal stehen die Hütten der palästinischen Landbevölkerung. Dort ist das Wasser knapp. Oben fließt es im Überfluss wie bei uns. Wenn man weiter fährt in den Süden Palästinas nach Hebron, verstärkt sich der in der Luft spürbare Hass der beiden Völker. Die Parolen der Siedler sind genau so bösartig wie die der arabisch-einheimischen Bevölkerung. Die Parolen an den Wänden sind schrecklich und von einem zerstörerischen Geist durchdrungen. Aber erleben wir das zur Zeit nicht auch in Deutschland? Hier stehen Hass gefüllte Parolen auf Transparenten der Pegida oder in Facebook und Twitter! Eigentlich ist Hebron ein friedlicher Wallfahrtsort für Juden, Moslems und Christen, da hier die Gräber der Patriarchen sind. Abraham, Isaak und Jakob sind die Väter des Glaubens für Juden, Christen und Moslems. Es gibt zwei Zugänge zum Heiligtum, einen für Juden und einen für Moslems. Wir als christliche Touristen dürfen beide Eingänge benutzen. Doch drinnen ist aber der heilige Raum durch eine Wand geteilt.
Die Straßen der Altstadt Hebrons, die von Palästinensern bewohnt ist, sind überdeckt mit Schutzgittern. Auf den Gittern liegen Steine und andere Gegenstände, die offensichtlich als Geschosse von oben herab geworfen wurden. Aber nicht nur die Palästinenser leben in Hebron eingegittert und eingesperrt. Auch die jüdischen Siedler haben ihre Wohnanlagen oben auf den Hügeln rund um die Altstadt mit Zäunen verbarrikadiert. Zugänge haben sie nur durch schmale bewachte Durchlässe. In diesem vergifteten Geist leben die Menschen auf beiden Seiten! In Jerusalem stand das Kreuz Jesu, ein Mahnmal zur Versöhnung und für die Menschlichkeit, ein Bollwerk gegen Hass, Unterdrückung und Unmenschlichkeit! Das Kreuz ist kein Zeichen für ein Blut-Opfer, das einem ehrsüchtigen Gott gebracht werden musste, sondern ein Gewissens-Aufruf zum Niederreißen aller Kreuze und Zäune in derWelt. Es ist der erhobene Finger gegen unser bitteres „Kain“-Denken, das zu grausamen Taten führt.

Israel ist kein heiliges Land, schon gar nicht ein Paradies!! Ganz im Gegenteil. Es spiegelt den Menschen wieder, wie entfremdet er von sich und seinem Nachbarn lebt und in der Fremdheit unmenschlich wird.
Hier in dieser von Hass und Mord erfüllten Zeit der römischen Besatzung lebte Jesus die bedingungslose Liebe Gottes. Er sah visionär eine andere freundschaftliche, nicht geteilte, sondern eine Welt, in der Menschen sich die Luft und das Licht zum Leben schenken. Sie sollen nicht über einander reden, sondern miteinander kommunizieren! Was lehrt uns dieses heilig genannte Land? Es lehrt uns, auf das Kreuz Jesu zu schauen, um nicht an den Kreuzen des Elends vorbei zu schauen. Dann werden wir zwar erschrecken, aber unsere Augen werden aufgehen, um dem Hass und dem Morden zu wehren. Denn wir sehen, wie die Völker Europas, des Orients und der ganzen Erde auf den selbst gewollten Abgrund zurasen. Wehrt den Anfängen und schaut hin statt weg! Begnügt Euch nicht mit euren Sorgen um Euch und Eure Kinder! Das sagt uns die bedingslose Liebe Christi, die keine faulen Kompromisse will. Aus dem Kreuz Christi spricht der Widerstand gegen das Leben Zerstörende. Wenn nun Reisen ins sog. Heilige Land Nachdenken und Erschrecken hervor rufen und damit ein negatives Weltbild deutlich wird, wo finden wir eine Kultur und Gesellschaft, die heilende Kräfte entwickelt hat, auf die wir schauen sollten! Welcher Geist führt zu einer dauerhaften Versöhnung? Vielleicht der Geist, der 3000 Jahre die Ägypter in Wohlstand und Frieden leben ließ! Reisen wir dazu nach.........

Ägypten

Es war die Göttin Ma`at, die das versöhnende Handeln schuf Sie bündelte die auseinander reißenden sich bekämpfenden Gegensätze. Viermal bin ich mit Gruppen bisher nach Ägypten, das Land am Nil gereist. Ich bin von seiner alten Kultur so fasziniert, dass ich, wenn das neue Nationalmuseum bei den Pyramiden von Gizeh eröffnet wird, es noch einmal besuchen möchte. Hier lebte ein Teil des Volkes Israel. Hier hat es von dem Weltgeist Echnatons den Sonnengesang im 104. Psalm übernommen.
Die Alten Ägypter
erwachten um 3000 v. Chr. und erschraken über die mörderischen Kämpfe zwischen Ober- und Unterägypten und schufen eine kulturelle Ordnung zur Bündelung der auseinander strebenden Gegensätze. Diese Bündelung gelang nach Jahrhunderte langem Kampf zwischen Unter- und Oberägypten.
Der Pharao bündelt in seiner Person die beiden Reiche. Als Zeichen dafür trug er die beiden Kronen. Er bündelt Ägypten im Bilde die beiden Symbolpflanzen Papyrus (Unterägypten) und Lotus (Oberägypten). So verkörperte er in seiner Person den Ausgleich der Gegensätze. Der Friede in seinem Volk stand über der militärischen Option!.Es ging im Alten Ägypten um die Ausgewogenheit und damit um die Gerechtigkeit. Das Bild der Waage, in der die Göttin Ma´at steht und die Schalen ausgewogen hält, ist das Leitbild der ägyptischen Gesellschft gewesen. Diese ägyptische Lebensordnung hat dreitausend Jahre die Ägypter zusammen gehalten!Von einem guten Denken erfüllte Mythologie könnte man die Kosmologie der Alten Ägypter nennen. Die Göttin Ma´at schafft durch die Ausgewogenheit der Gegensätze nicht nur Gerechtigkeit, sondern garantiert die Stabilität der Gesellschaft, wenn der Mensch daran mitwirkt.

So ist die ägyptische Religion von einer hohen Ethik der Verantwortung bestimmt. Philosophisch gesagt, beruht das ägyptische Weltbild auf dem dualen Prinzip, das der Schöpfung inne wohnt. Mythologisch wird dieses Weltbild dargestellt mit der Göttin Ma`at, die in einer Waage steht, deren Schalen parallel stehen. Die Göttin Ma`at trägt als Symbol des Geistes eine Feder auf ihrem Kopf.
Sie erhält die Ordnung, die ständig durch das Chaos bedroht ist. Aber nicht nur sie, auch der Pharao hat diese Bündelung der Gegensätze kraftvoll vorzunehmen. Ja, nicht nur der Pharao, sondern jeder einzelne Mensch hat ma´at-gerecht zu leben. Das muss er vor dem Richtergott Osiris auf seinem Weg ins Paradies überprüfen lassen, wobei Osiris ein gnädiger Gott ist. Wer in der Unterwelt vor dem grünen Gott steht ( grün ist die Farbe des Lebens), hat es geschafft, ein Seliger zu werden. Die Bündelung der Gegensätze gelang in Ägypten durch die Kraft des Geistes und Willens und ohne militärische Gewalt. Allerdings erlebte Ägypten Zeiten sozialer Spannungen, die die Gesellschaft zerrissen und in denen die Ma`at verschwand. Doch fanden sie zu ihr immer wieder zurück.
So lebten die Ägypter in ihrem vom Nil so reich gesegneten Land dreitausend Jahre lang in einem Friedensreich. Sie waren ein friedliches Bauervolk, das sich nicht nicht zum Kriegsdienst eignete. Es gab am Nil auch kaum Feinde. Wenn Ägypten von außen bedroht wurde, kaufte der Pharao sich Söldnertruppen aus Nubien oder Lybien. Der Pharao Echnaton war ein ausgesprochener Friedensfürst. Er schrieb Briefe an die anderen Herrscher der damaligen Welt und hatte regen geistigen Austausch mit ihnen. Die Texte dieser Briefe fand man in Amarna. Sie waren auf tausenden von Tontafen geschrieben und sind ein Schatz der Menschheitsgeschichte.

Die Amarnazeit ist mit ihrer eigenwilligen Kunst eine Blütezeit in der Menschheitskultur. Das bestaunen Millionen von Menschen im Nationalmuseum in Kairo, wo der Grabschatz des Tutenchamun zu sehen ist. Diese helle, auf dem Grundgedanken der korrespondierende Dualität des Lebens (Ausgewogenheit der Gegensätze) beruhende Gesellschaftsordnung ist ein Signal für zukünftige Gesellschaften. Das ist meine Antwort heute auf die Frage, welcher Ansatz zur Lösung der Kriegsprobelme könnte helfen.
Die kraftvolle Bündelung der Gegensätze ist das Grundgesetz der Altägyptichen Lebens-Ordnung gewesen, damit die Waage der Gerechtigkeit ausgewogen bleibt. Der Mensch hat für den Erhalt dieser ausgewogenen Ordnung zu sorgen. Auch als Einzelner trägt er für das Ganze Verantwortung! Das heißt, wir alle müssen mitwirken an der Verwirklichung eines sozialen Marktes und gegen den Raubbau-Kapitalismus, der den Orient und den afrikanischen Kontinent ausbluten lässt und gegen die Lobby der Waffenindustrie unsere Stimme erheben!
Diese altägyptische Weltordnung kennt keinen unüberwindlichen Gegensatz von Freund und Feind, Gut und Böse, Licht und Finsternis, Himmel und Hölle. Leben ist Begegnung und Bewegung, wo zwei, die unterschiedlich sind, in Beziehung zu einander treten und Gegensätze überwinden. Das ägyptische Weltbild von der Zweiheit des Lebens ist polar aufgebaut. Die Eins ist noch kein Leben, sagt der alte Ägypter, sondern nur die Grundlage (Prinzip) dazu.

Das ägyptisch Weltbild ist nicht nur polar, sondern auch korrelativ, d. h. es ist in Beziehungen gedacht. Neben dem statischen Denken von der Dauer hat es auch eine innere Dynamik.
Es ist anders als das orientalischeWeltbild, das dualistisch aufgebaut ist. Die Gegensätze sind darin als absolut gedacht. Sie sind, wenn überhaupt, nur durch Krieg zu überwinden.

Griechenland

Als die Alten Griechen aus ihrem Schlaf des Werdens im Orient (Kleinasien) erwachten und ihr großer Geist, der Logos, aufblühte, sahen sie gerade noch , wie in Ägypten die „Barke der Millionen“ unterging. Sie bewunderten noch die Ma´at, die über 2000 Jahre den Kosmos zusammengehalten hatte.
Sie verstanden aber nicht mehr die Kraft der Grenzen überwindenden Dualität und kommunizierende Polarität, die in der ägyptischen Gesellschaft aktiv war. Zwei große Denker Griechenlands haben bei den ägyptischen Priestern studiert. Thales (624 – 546) suchte das Prinzip, das allem Leben zugrunde liegt und fand es im Wasser. Er sah sah es im Nil, wie er Leben spendete.
Die ägyptische Lehre von der Zweiheit als Grundlage der Korrelation aber hat er nicht verstanden. Vielleicht verstand ein anderer Vorsokratiker davon mehr, Pythagoras (570 – 510), der die persische Kultur studierte in der Zeit, als Kyros im Geist Zarathustras sein perisisches Weltreich aufbaute (560 -530 v. Chr.). Der Geist des Menschen machte in der Mitte des 6. Jhds. einen Sprung. (Die These von der Achsenzeit ist von dem deutschen Philosophen Karl Jaspers kreiert worden.). Der Mensch wurde sich seiner selbst als Individuum bewusst. Es stand als Einzelner dem Kosmos gegenüber. Das hat im griechischen Geist den Logos geweckt. Mit der Vernunft sucht er nun nach dem Grund (Prinzip) der Welt. Er findet ihn in dem Einen. Thales war der erste Philosoph, der das Eine „vernünftig“ und naturgemäß und nicht mythologisch dachte.
Ein anderer Philosoph in Milet, er hieß Anaximines. Er sah in der Luft das Urprinzip des Lebens. Denn der Urstoff muss alles umfassen. Seine Kraft durchdringt alles. So sehr die Luft fühlbar sei, ist sie doch nicht fassbar. Ein dritter Philosoph namens Anaximander, der zur selben Zeit in der Mitte des 6. Jhds. in Milet lebte, ging einen Schritt weiter und nannte die Ursache, oder das Prinzip des Kosmos Apeiron, das Unbestimmte, das er als das reine Sein dachte, das reiner ist als die Seele oder die Luft. Es ist unfassbar. Denn der Urstoff muss grenzenlos sein als eine Kraft, die alles umgibt und alles durchdringt wie es auch Anaximenes sagte.
Der Grieche nennt das Unfassbare oder Unverfügbare nicht Gott, sondern ananke. Die Ananke ist genauso unfassbar wie der Grund des Seins. Der Mensch ist dem Schicksal unterworfen. Eine Religion der göttlichen Liebe hat im griechischen Denken keinen Platz, dafür aber die der Schönheit und menschlichen Gestaltungskraft.

Eine heitere, lebensfrohe Welt ist dem griechischen Geist nicht entsprungenIm Erwachen des Geistes sieht der Grieche nicht nur den Sturz Ägyptens, sondern auch den Untergang des Kosmos. Im zerbrochenen Weltenei erkennt Hesiod einen gespaltenen Kosmos. Denn eR sieht das Weltenei in die Tiefe stürzen.
Das mythische Ereignis geschah in Delphi. Dort zieht sich eine tiefe Spalte durch den Felsen. Der griechische Geist leidet an der Zerrissenheit der Welt und der eigenen Seele. Der Mensch ist einem unentrinnbaren willkürlichen Schicksal ausgeliefert. Die alten Griechen glaubten an diese schicksalshafte Tragik des Lebens. Ihr Lebensgefühl war dementsprechend pessimistisch. „Es ist besser, nicht geboren zu sein,“ sagt Hesiod (geboren um 700 v. Chr.). Gegen diesen Spruch kämpft Pythagoras mit seiner Tugendlehre heftig an. Denn in Griechenland erwachte der Geist des Apoll im Menschen. „Erkenne dich selbst! Denn Du bist ein Mensch.“
Der Mensch steht im Mittelpunkt des Kosmos. Als solcher ist er frei. Der griechische Geist aber war beherrscht von dem Gefühl, dem Schicksal ausgeliefert zu sein. Der griechische Geist hat nicht nur die Vernunft im Menschen entdeckt, sondern auch die Freiheit, die er Eleuteria nennt. Sie gilt allerdings nur für die herrschende Klasse. Die Eleutheria des Griechen reichte so nicht aus, dem Schicksal, der Ananke, Widerstand entgegen zu setzen. Zwischen Freiheit und Schicksal gibt es keine Brücke und das apollinische Weltbil ein Traum. So bleibt der Mensch ein tragisches und gespaltenes Wesen. Das griechische Weltbild ist dualistisch-weltverneinend aufgebaut.

Das minoische Reich auf Kreta

Ein nicht gespaltenes Weltbild finden wir auf Kreta. Es hat sich parallel zur Kultur des Alten Ägypten entwickelt. Die minoische Kultur, die von 2500 v. Chr. bis 1450 v. Chr. blühte, basierte auf einer mütterlich geprägten monistischen Natur-Religion, die keine Tragik und keine Spaltung der Welt kennt. Konflikte wurden ohne Waffen ausgetragen. Die Archäologen haben bis zur Zeit der mykenischen Einwanderung auf Kreta, also um 1450 v.Chr., keine Waffen in den minoischen Städte gefunden. Die Minoer bauten auch keine schützenden Mauern um ihre Städte. Sie betrieben offenen Handel ohne politische Grenzen. Mit ihrer Handelsflotte beherrschten sie das östlichen Mittelmeer. Ihre außergwöhnliche Fähigkeit war die Kunst, hochsee-tüchtige Schiffe zu bauen. Diese Schiffe gaben den Minoern die Beweglichkeit und die Handels-Macht über andere Völker. Doch wurden diese nicht unterworfen. Die Minoer kannten kein Sklaventum zur Stützung ihrer Gesellschaft. Wie später die Griechen hatten sie überall in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer ihre Handelskontore und brachten so überall ihre Kultur hin, deren Spuren wir heute noch in der Ägäis finden.
Es war eine helle, frohe Welt, in der der Tanz, besonders im Labyrinth eine große Rolle spielte. In diesem labyrinthischen Tanz war der Mensch mit der Mutter Erde, die als tanzende Göttin personifiziert wurde, verbunden. Die Schlange ist im minoischen Weltbild das Symbol für die Fruchtbarkeit und Lebensfreude.

Das Lebensgefühl ist diametral anders als im orientalischen und im griechischen Denken. Denn dort ist die Schlange Symbol für die Sünde und die bösen Mächte. Die alten Griechen sahen noch das Bild der Schlange bei den Alten Ägyptern,verstanden aber seine positive Wirkung nicht. Denn die Uräus-Schlange an der Stirn des Pharao ist das Zeichen der Abwehr des Bösen. Sie ist also nicht die Verkörperung des Bösen wie im griechischen und biblischen Denken.
Da die Griechen in einem dualistisch-pessimistischen Weltbild lebten, verstanden sie den Sinn der minoischen Kultur nicht. Das Labyrinth als Zeichen der Lebensfreunde wird bei ihnen zum Symbol des Irrgartens, des Bösen und des Todes. Die Schlange als Lebens- und Fruchtbarkeits-Symbol blieb bein ihnen das Zeichen der Sünde und des Todes.
Die alten Griechen haben trotz der totalen Verdrehung des Weltbildes der Minoer deren Erd-Mutter-Kultstätten in der Ägäis heilig gehalten.An diese hellen Stätten in freier Natur bauten sie ihre Demeter-Tempel, z. B. auf Naxos. Ihre Erd- und Kornmutter Demeter ist aus der minoischen Mutter-Religion übernommen worden. Denn sie trägt um ihren Kopf einen Schlangen-Kranz. Die minoische Erdgöttin trägt beim kultischen Tanz auch eine sich windende Schlange in den Händen. Die Schlange als Lebenssymbol hatte auf Kreta eine so große Bedeutung, dass hier noch Jahrtausnde später die christliche Mutter Gottes als Himmelskönigin mit einer Schlange dargestellt wurde. Übrigens fand ein Bauer vor einigen Jahren auf seinem Acker bei Ierapetra auf Kreta eine vollkommen erhaltene, lebensgroße Statue der Demeter. Diese Figur ist im 2. Jhd. v. Chr. aus weißem Mamor gemeißelt worden. Auch sie trägt auf dem Kopf eine Schlange wie ein Haarkranz gewunden.
Das minoische Welt- und Lebensbild ist heiter. Ihre Religion ist erd-verbunden positiv. Das Leben auf der Erde ist schön und farbenfroh, wie wir auf den Fresken-Bilder von Santorin sehen. Die griechische Lebenswelt mit ihren Helden-Kriegern und dem Kampf um Troja ist düster und pessimistisch trotz der apollinischen Strahlkraft. Die Herzen der Griechen werden von ihren Tragikern Aischilos, Euripides und Sophokles erreicht. Besonders tief erreicht ihr erster großer Dichter Hesiod mit seinem Epos Werke und Tage das unruhige und zerrissene griechische Gemüt. Ich war viermal auf Kreta, um die minoische Kultur zu studieren,

Der Alte Orient, Anatolien und Syrien


Die Griechen übernahmen also nicht das heitere minoische Weltbild, sondern das altorientalische. Der griechische Geist blühte in den Küstenstädten von Kleinasien auf. Kleinasien war wie Syrien und Anatolien vom orientalischen Geist geprägt. Durch das Filter des griechischen Geistes ist auch unser Denken beeinflusst worden. Ex oriente lux! Wir bereisten 1996 Syrien. Dieses Land wird auch der grüne Halbmond genannt, ein Brückenland zwischen dem mittleren und dem vorderen Orient. Über diese Brücke gingen die Handelsstraßen, auf der sich die verschiedenen geistigen Strömungen Auch der Apostel Paulus benutze für seine Mission die von Antiochia durch Anatolien zur Ägäis führte. Syrien war ein Schmelztigel der Kulturen. Im syrischen Raum lebte und predigte Jesus. Hier entwickelte sich die christliche Theologie (Antiochia). Syrien war ab 750 v. Chr. beherrscht von Großreichen, zunächst dem babylonischen, dann dem assyrischen Reich. Danach war es eine Satrapie des persischen achämenidischen Großreiches.

Nach der Zerstörung des Perserreiches durch den mazedonischen Haudegen Alexander war es Jahrhunderte lang unter den Seleukiden griechisch-hellenistisch, danach römisch, byzantinisch und osmanisch-türkisch. Am Ende des 1. Weltkrieges entschieden das British Empire und Frankreich über das Schicksal Syriens. Der heute kaputt gebombte Staat Syrien ist ein Produkt der Siegermächte des 1. Weltkrieges. Es wurden die Grenzen Syriens ohne Rücksicht auf die Völker und ihre Kulturen mit dem Green-Stift gezogen. (Siehe M. Lüders Buch „Wer Wind sät...“!) Was er schreibt, habe ich auf meinen Reisen, bso. Die ander Grenze von Ostanatolien im Sept. 2012 als bedrückend gesehen. Das christliche Volk der Aramäer fiel dieser Grenzziehung zum Opfer. Von ca. 250.000 Aramäern 1915 leben heute noch 3000 in diesem Gebiet. Das war einschleichender Völkermord!

Das orientalischen Weltbild!

Es basiert auf dem Mythos eines Kampf der jungen gegen die alten Götter. Das Leben sei also schon immer Krieg!
Der griechische Philosph Heraklit hat das Wesen diese Weltanschauung zusammen gefasst in dem Satz: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge“. Der Himmel und das Leben auf der Erde sind duch die Kriegsereignisse geschaffen worden. Dies erzählt der babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elisch, der mindestens viertausend Jahre alt ist. Diese Schöpfungsgeschichte erzählt: Nach dem Krieg wird der tote Körper der besiegten Urmutter der Götter Tiamat vom jungen siegreichen Gott Marduk in zwei Hälften geteilt, die er zu Himmel und Erde formt. Schöpfung beruht also auf Trennung. Das dahinter liegende Weltbild ist dualistisch. Die Welt ist nicht auf Frieden und Heilung angelegt, sondern auf Fressen und Gefressen werden. Die orientalische Weltordnung baut auf einem Weltbild auf, in dem der Gegensatz von Gut und Böse, Licht und Dunkel, Frieden und Krieg das Leben bestimmen. „Die ganze Schöpfung seufzt und sehnt sich nach Erlösung“, sagt später der Apostel Pausus im Römerbrief. Der Kosmos ist also aus Chaos und Krieg erwachsen, also negativ gedacht. Ist damit auch das orientalische Menschenbild negativ, ja böse. Ja! Der Schöpfergott Marduk hat nämlich den Menschen aus dem Blut des im Götter-Krieg getöteten Rädelsanführer der alten Götter, der Kingu hieß, geschaffen. Dieser Gott war in der göttlichen Kriegs-Propaganda zum Dämon, zum Bösewicht erklärt worden. - So verteufelt übrigens die Kriegspropaganda heute ihre Gegnern!
- Kingu sei schuld am Krieg und habe für seine Folgen zu büßen. Dafür muss er sterben. Aus seinem bösen Opferblut schafft nach seinem Tode der junge Gott der Götter Marduk den Menschen. Deshalb ist auch der Mensch böse von Jugend an, wie es auch im Alten Testament heißt. Das ist sein Schicksal. Das Schicksal lässt keine Freiheit zu. Im babylonischen Schöpfungsmythos Enuma elisch heißt es weiter, der Mensch sei als Sklave und als Diener der Götter geschaffen. Nicht Freude am Leben ist das Motiv zu seiner Erschaffung, schon gar nicht als freier Mitarbeiter. Seine Bestimmung sei nur Arbeit und Mühsal.

„Im Schweiße deines Angesichts solltst du dein Brot essen!“ Am Ende des Lebens steht der Tod, das Nichts oder der Tartaros. Dieses Menschen- und Weltbild ist auch Grundlage des alttestamentlichen und griechischen Menschenbildes geworden. Der Pessimismus, der darin steckt, wird verstärkt durch das zyklische Denken von Werden und Vergehen. Es gibt nichts Neues unter dem Himmel. Es gibt nur die Wiederholung und die kultische Vergegenwärtigung des Vergangenen. Es gibt keine sinnbestimmte Zukunft. Deshalb lautet das Lebensmotto: „Lebe jetzt!“ - „Lasset uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot“, so sagt die Schenkin zu Gilgamesch. Eine visionäre Zukunft ist für das zyklische Denken, das auf das Werden und Vergehen der Natur schaut, eine sinnlose Utopie. So denken heute noch sehr viele Europäer.
Im Gilgamesch-Epos wird dieses Welt- und Menschenbild dichterisch zum Ausdruck gebracht. Es wurde erstmalig vor 5000 Jahren von den Sumerern erzählt: Der König Gilgamesch wandert durch die Welt als Pilger nach dem frühen Tode seines Freundes Demuzi auf der Suche nach dem ewigen Leben. Als er es tatsächlich am Ende der Erde in der Gestalt einer Pflanze findet und sich zufrieden an einem Brunnen ausruht, raubt es ihm eine Schlange. Gilgamesch packt sie noch, doch diese häutet sich und Gilgamesch hält nur noch ihre alte Haut in seiner Hand. Die Schlange aber schlängelt sich mit dem ewigen Leben davon.
Das orientalisch-syrische Weltbild ist zu vergleichen mit dem Hamsterlauf im Rad. Dieses vom Schicksal bestimmten Denken führt zu einem pessimistischen Lebens-Gefühl und zur Angst. Es bestimmt auch heute unser Fühlen und Handeln. Wer das für übertrieben hält, sollte einmal das Gilgamesch-Epos lesen! Dann weiß er, woher auch unser „Kluge-Else-Denken“ stammt. Es kommt aus dem Vorderen Orient, insbesondere aus Babylon und Syrien und ist uns durch den von uns so verehrten alten Griechen vermittelt worden. Unser Weltbild ist orientalisch-griechischer Herkunft. Es hat sich aber mit dem jüdisch-prophetischen und jesuanischen Welt-Bild einer werdenden, zukünftige Welt vermischt. Öffnet sich für eine evolutionäre Kraft des Geistes, die die Welt verändern und erneuern will.
Beide Weltbilder .das zyklische und das dynamische stehen sich fremd gegenüber. Der orientalisch-griechische Geist ist pessismistischen und dualistischen. Er hatdie christliche Theologie beeinflusst. Leider wurde dabei der Geist Jesu nicht nur griechisch-orientalisch, d. h. hellenistisch umgeformt. Er ist geradezu im Synkretismus des antiken Denkens verschüttet worden. Erst durch die moderne historisch-kritische Exegese ist das eindeutige und ungetrübte Weltbild vom kommenden Reich Gottes, wie es Jesus mit seiner Ethik verkündigt hat, wieder gefunden worden. Leider bleib das Denken auch im christlichen Abendland platonisch gespalten in die Welt der Ideen im Jenseits und die Welt der Schatten im Diesseits. Da die Griechen unsere Lehrmeister sind, wagen wir es kaum, sie kritisch zu befragen. Wer ihre Vernunft bezweifelt, ist ein blauäugiger Utopist.

Persien

Die iranischen Völker haben eine diametral anderes Weltbild entwickelt als die Griechen. In der persischen Weltsicht geht es um die Freiheit des menschlichen Willens und nicht um einen vom Schicksalsdenken bestimmten unfreien Willen.

Für den Geist des freien und verantwortliche Willen des Menschen steht der Prophet und Denker aus Baktrien (heute West-Afghanistan!) Zarathustra. Für ihn ist das Böse und damit das Schicksal keine vitale, reale Macht, sondern nur der Schatten, der die Seele des Menschen bedrückt, der aber durch das Gute Denken verscheucht werden kann.
Weil das Böse keine eigenständige Macht, der der Mensch bedingungslos ausgeliefert ist, gibt es nur die Macht des Guten. Die gute Macht will gelingendes Leben und nicht zerstörendes Chaos.
Die persische Weltbild ist nicht dualistisch sondern dual. Diese Erkenntnis ist das Ergebnis der neuesten Forschung an den Gathas von Zarathustra. Sein Weltbild ist nicht pessimistisch. Denn es gibt immer Möglichkeiten für das Gute. Das ist Optimismus und nicht Pessimismus.

Der Geist Zarathustras

Das persische Weltbild habe ich in der auf drei Reisen (2009, 2010 und 2014), die ich in den Iran machen konnte, studiert.
Die neuen Erkenntnisse üder die Religion und das Weltbild von Zarathustra sind aus den Gathas abgeleitet undnicht aus anderen späteren Überlieferungssträngen. Die Gathas sind Hymnen, die um ca. 1000 v. Chr. in der avestischen Sprache aufgeschrieben wurden, möglicherweise von Zarathustra selbst. Das Denken des Zarathustras geht zum Himmel und nicht wie in den orientalischen Religionen zur Erde. Es geht in die Weite und in die Zukunft und kreist nicht um das Warum der Vergänglichkeit.
Die iranischen Völker, die uns unter dem Namen Perser vertrauter sind, waren als Reitervölker aus dem weiten Steppen-Raum Asiens in den Kulturraum des Mittleren Orients eingewandert. In der Steppe hatten sie unter einem weiten Himmel als Nomanden gelebt. Den Himmel verehrten sie als den einzigen und unsichtbaren Gott. Sie nannten ihn Mazda. Als Nomaden-Völker hatten sie keine Tempel und Statuen von Göttern. Im Namen dieses einen, unsichtbaren himmlischen Gottes entfaltete sich ihr Geist.
Das Weltbild Zarathustras ist nicht zyklisch, sondern linear aufgebaut. Zarathustra ist ein Denker und Visionär. Er sieht die Schöpfung als unvollendet an, also als noch nicht abgeschlossen. So ist sie offen für eine Entwicklung in die Zukunft. Die Schöpfung ist ein Prozess. Sie läuft auf ein Ziel zu. Das Leben ist vitale Bewegung nach vorne. Wo Himmel und Erde sich begegnen, ihre Kräfte miteinander kommunizieren, erwächst neues, besseres Leben. Die Vitalität des Leben wirdsaus dem Himmel gespeist. Zarathustra sieht den Himmel voller lebendiger Wesen. Auch Gott ist lebendige Person und nicht Idee oder höchstes Sein. Durch seinen Geist steht er in einer kommunizierenden Ich-Du-Beziehung zu seinen Geschöpfen.
Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Neben dem Schöpfer-Gott gibt es keine weiteren Götter. Zarathustra hat die Götter seiner Zeit als Nichtse bezeichnet, wie es auch die Propheten Israels taten. Dafür aber ist sein Himmel voller Engel, die er Frawashi nennt. Die Engel sind die andere Person-Seite des Menschen, sozusagen sein Spiegelbild.

Die Engel kommunizieren als die Kräften des Himmels ganz persönlich mit den Menschen hier auf der Erde, so wie wir es uns mit unseren Schutzengeln denken-. Die Frawashi sind die Träger und Gestalter der Asha. Diese verkörpert die Weltordnung, zu der auch die Beziehung der himmlischen Heerscharen zum Menschen geregelt wird. Aus der Asha schöpft der Mensch die Kaft der freien Entscheidung und kommt zum Guten Denken, Guten Reden und Guten Tun. Diese Kräfte kämpfen gegen die Lügenmächte. Diese Kräfte habennur eine eingebildete Kraft und keine eigene Vitalität und damit Macht. Sie können aber den Menschen in seinem Denken verunsichern und verwirren. Sie zielen auf das Verneien und Zerstören von Leben ab. Die Kraft der Lügen besteht darin, dass sie mit der Überzeugung auftreten, dieWahrheit zu sein. Tatsächlich täuschen die Lügen nur etwas vor. Sie haben keine reale Macht und verschwinden durch das gute, klare d. h. angstfreie Denken wie Schatten vor dem Licht.
Das Böse ist für Zarathustra keine eigenständige Macht, die schicksalshaft über Menschen verfügt. Der Mensch ist im guten Denken frei, sich gegen das Böse zu entscheiden und mit dern Mitteln der Wahrheit zu kämpfen. Er kann durch das gute Denken die Lügenmächte nichtig machen.
Der Mensch trägt Verantwortung für die Wahrheit. Er darf sich nicht hinter einer sog. Schicksalsmacht verstecken. Zarathustra nennt diese verwirrenden Mächte Daevas. Davon leitet sich unser deutsches Wort „Teufel“ ab. Die Lügenmächte lassen sich also durch das Gute Denken vertreiben. Die Lügenmächte arbeiten auch mit dem Schüren der Angst und der Sorge und fachen die Gier im Menschen an.
Dieses Weltbild, das das Böse prinzipiell dem Guten unterordnet, sieht optimistisch und dynamisch auf das Leben. Zararthustra sah als Visionär positiv in die Zukunft, denn der Himmel ist „offen“. Als wohl erster Denker in der Menschheitsgeschichte erkennt er, dass in der Geschichte des Lebens eine geistige Kraft liegt, die Zukunft eröffnet. So sah er auch, dass die Geschichte ein Ziel haben muss, in dem sich Himmel und Erde vollenden werden. Diese Ziel nennt auch er, wie später Jesus, das Reich Gottes.
Der Mensch ist bei diesem Prozess freier Mitarbeiter und nicht Knecht. Er ist für sich und die Welt frei verantwortlich. Er unterliegt nicht einem Fatum oder einer Vorherbestimmumng oder einem moralischen Gesetz. Zarathustra betont immer wieder die Freiheit im Denken und Handeln des Menschen, das gutes Denken möglich macht. Gut versteht Zarathustra nicht als moralische Kategorie. Vielmehr ist gut, was von der Angst und der Verwirrung befreit. Nicht der Opferkult befreit den Menschen, sondern der in eine helle Zukunft gerichtete Blick befreit zum guten Denken, denn er schafft Vertrauen. Zarathustra lehnte alle Opferkulte zur Versöhnung und zur Wiederherstellung der Ehre der Götter vehement ab.
Die Opferfeste, die Zarathustra miterlebte, ekelten ihn an. Denn gerade bei diesen kultischen Festen versanken die Menschen in ihren Ängsten, verfielen dem Alkohol oder einem unkontrollierten Leben.

Wie Jesus im Tempel gegen den Mammon vorging, so tat er es gegen die religiösen Opferfeste. Zarathustra sah in den Göttern Nichtse, vor denen der Mensch keine Angst zu haben braucht. Nur der unsichtbare Gott des Himmels und der Erde, Ahura Mazda, ist allein Gott. Doch der braucht in seiner allumfassenden Größe, oder um seiner Ehre willen keine Opfer. So wie Zarathustra glaubten auch die Propheten Israels von Amos bis Deutero-Jesaja. Sie haben genauso gegen den Opferkult gewettert. (Amos Kapitel 5 Verse 21 -24!)
Dieser Glaube von Zarathustra und den Propheten veränderte die Religion der Antike grundsätzlich. Aus rituellen Kulthandlungen wurde verantwortliches, ethisches Handeln. Der Gottesdienst leitet dazu an, dem Hilfsbedürftigen zu helfen. Diese ethische Auffassung von Religion führte zur Zeit des Propheten Deutero-Jesaja zu einer positiven Beziehung zwischen Juden und Persern. Kyros gab dem kleinen, unbedeutenden Volk der Juden die Freiheit, nachdem sie 70 Jahre in Babylon in Gefangenschaft gelebt hatten.
Der Prophet Deutero-Jesaja erkennt unter dem Einfluss von Zarathustra, dass Jahwe nicht nur sein Volk zur Freiheit führt, sondern auch der Herrn des Hinmmels und der Erde ist. Deutero-Jesaja wendet den Blick auch zum Himmel. So hört er die himmlischen Chöre singen: „Tröstet! Tröstet mein Volk! Denn Israels Knechtschaft hat ein Ende gefunden.“ Die himmlischen Chöre erschallten erstmalig im persischen Babylon. Das Volk Israel kannte sie bis dahin nicht. Es sind die Frawashis, die den Menschen begleiten. Hier verknüpft sich der jüdische prophetische Glaube mit dem des Zarathustra. Jahwe ist von nun an der Gott des Himmels und der Völker und nicht mehr ein Erd-Gott des Feiers und des Vulkans. Für Deutero-Jesaja verwandelt sich sein Natioal-Gott in einen universell handelnden Gott.
Das Denken zum Guten, das Reden zum Guten und das Handeln zum Guten sollen eine befriedete Welt schaffen, die ohne Zäune und Mauern auskommt. So singen die Engelchöre bei der Geburt Christi: „Ehre sei Gott in den Himmeln und Friede auf Erde!“ Die Beziehung zwischen der himmlischen und der irdischen Welt ist grenzenlos!
Eine universal ausgebaute Gesellschafts-Ordnung für alle Völker schuf der Perserkönig Kyros II. in der Mitte des 6. Jhds. v. Chr.. Mit seiner Reichsidee ist er wohl der bedeutendste Friedensfürst dieser Erde gewesen. Er hatte die Idee, nach der die vielen Völker und Kulturen unter einem tragenden Dach autonom leben können. Dabei hatte er das Glück des Tüchtigen. Er konnte ohne innere Unruhen das große Reich der Meder übernehmen, das schon vor ihm bis an den Indus reichte. Danach fiel ihm im Jahre 539 v. Chr. das in sich zerfallene Babylonische Weltreich kampflos zu. Diese riesige Reich erstreckte sich vom Zweistromland über Syrien- Palästina bis nach Ägypten. Als sich der lydische König Krösus 541 v.Chr. gegen Kyros erhob und den Krieg verlor, wurde ganz Kleinasien bis an die ägäischen Küste Teil des persischen Weltreiches. So vereinigte Kyros die 28 Kultur-Völker der Erde zu einer Völkergemeinschaft unter seiner allerdings straffen Hand. Die 28 Satrapien, wie die einzelnen Staaten genannt wurden, waren autonom in ihrem religiösen und kulturellen Handeln. Sie bildeten aber zusammen eine Wirtschafts- und Verteidigungsunion und lebten 250 Jahre in Frieden und Wohlstand.

Die Griechen beurteilten dieses Großreiches ausgesprochen negativ, besonders die Griechen in Athen. Sie sahen im Reich der Achämeniden (570 v. Chr. - 330 v. Chr.) eine barbarische, aggresive, die Freiheit des Okzidents bedrohende Diktatur. Dieses Perserbild spukt unausrottbar bis heute in den europäischen Köpfen. Die Griechen, die innerhalb des Perser-Reiches wohnten in ihren Stadtstadten an der kleinasiatischen Küste, bildeten eine eigene Satrapie. Sie wussten sich gut im Perserreich zu arrangieren.
Im Übrigen wissen wir heute Genaueres über das Leben im Achämeniden-Reich. Es gibt Antworten, warum der persische Staat so gut funktioniert hat. Der einzelne Bürger hatte ohne Ansehen der Person im Perser-Reich mehr Freiheit als der Grieche in Athen. Die Frauen und die Arbeiter hatten in Athen nur eingeschränkte Rechte. Das war in Persien anders. Wir wissen dies, seitdem die Tontafeln aus Persepolis ausgewertet wurden. Danach hatte z. B. die Frau das Recht, einen Beruf auszuüben. Sie bekam für ihre Arbeit den gleichen Lohn wie die Männer!
Die Sozial-Gesetzgebung war im persischen Staat nach humanen Gesichtspunkten geregelt. Es gab danach schon den Kündigungsschutz z. B. in der Schwangerschaft einer Frau. Dies und mehr kann man auf den Tontäfelchen von Persepolis lesen. Sie werden immer noch in Forschungsanstalten in Amerika ausgewertet. Die Infrastruktur in diesem riesigen von Gebirgen durchzogenen Reich war großartig ausgebaut. Ein von Tausenden von Kilometern langes Straßennetz durchzog das Land. Ähnlich verzweigt war die Trinkwasser-Versorgung und die Landwirtschaft durch ein verzweigtes Wasser- Kanalsystem.
Das Wasser wurde in gedeckten Kanälen aus den Gebirgen ins trockene Flachland für den Ackerbau geführt. Das waren die Grundlagen für den Wohlstand für alle 28 Völker diese Reiches. Die Menschen lebten in ihren verschiedenen Kulturen Jahrhunderte lang friedlich mit und neben einander. Die Verfassung dieser Völkergemeinschaft hängt heute im Foyer der UN-Gebäudes in New York. Sie stammt aus dem 6. Jahrhundert vor Christus von dem Großkönig Darius II.. Unter der perischen Herrschaft gab es für die damaligen Welt 250 Jahre lang Frieden. Dann kam aus Europa der wilde mazedonische Jüngling, der ohne Sinn und Verstand dieses gut funktionierende Staatsgebilde zerstörte. Alexander glaubte, dies im Geist der griechischen Freiheit gegen den Unterdrückerstaat tun zu müssen. Geschichte wiederholt sich, jedenfalls in dieser Gegend der Erde! Nach Alexanders frühem Tod fiel das Großreich der Völker auseinander. Die Straßen und die Wasserkanäle wurden nicht mehr in Stand gehalten und verfielen. Die soziale Ordnung und der innere Frieden gingen verloren. Die Zerstörung war diesem Wilden aus Mazedonien perfekt gelungen. Und wir nennen ihn Alexander den Großen!! Es ist ein Hohn zu sagen, Alexander hätte ein großartiges Reich hinterlassen, weil daraus die Kultur des Hellenismus hervor gegangen sei. Nein, nach ihm begann im Orient ein über hundertjähriger Krieg, jeder gegen jeden, so wie heute! Die Völker verarmten und wurden von Fremdmächten ausgebeutet. Die Juden erhoben sich unter den Makkabäern gegen die Unterdrückung, und erlebten die dunkle Seite der Pax romana.

 Der Kampf gegen die Lüge, die mit einem gespaltenen Denken einher geht, ist bei Jesus und Zarathustra Hauptthema ihrer Botschaft. Er wird gelingen, wenn wir an das Gute Denken und damit an das freie Handeln des Menschen glauben. Uns ist von Kindheit an erzählt worden: „Alles ist Schicksal. Du kannst nichts machen!
Füg Dich!“ Der Sklave dukt sich, der freie Mensch klärt auf!

Das schiitische Weltbild in Persien.

Die schiitische Religion ist eine vom Geist Zarathustra geprägter Islam. Die Feindschaft zwischen Sunniten und Schiiten, wie wir sie zur Zeit in Syrien und im Irak mit mörderischer Gewalt erleben, hat ihre Ursache in der Unvereinbarkeit ihrer Weltbilder.
Das Denken der Sunniten beruht auf einem zyklischen Weltbild, in dem unveränderbare Gesetze regieren. Das hat in der islamischen Welt zum Kismet-Glauben (Gott wird alles richten!) geführt. So kann und darf es nach sunnitischer Meinung eine Veränderung in Religion und Gesellschaft nicht geben! Für die Sunniten ist der Koran Buchstabe für Buchstabe vollkommen und nicht interpretierbar. Er ist so vollkommen, dass man ihn nur auf arabisch lesen darf. Gott ist der Herr der Welten. Er ist und bleibt ganz und gar außerhalb seiner Schöpfung. Für den Menschen hat Gott sein Gesetz gegeben durch den Propheten. Nach seinem Gesetz hat jeder Mensch rechtgeleitet zu leben und zu handeln. Er hat darüber hinaus keine freie Entscheidung. Er muss sich in der Allmacht Gottes fügen. Das arabische Wort für Sich-Ergeben heißt Islam. Eine Gewissensentscheidung kann es nicht geben.
Die Schiiten haben ein ganz entgegen gesetztes Weltbild, das nicht zyklisch gedacht ist. Sie denken wie Zarathustra linear, zukunfts-bezogen. Der Koran ist für sie ebenso heilig wie für die Sunniten. Sie glauben, durch den Geist Mohammed sind Deutungen möglich. Dieser prophetische Geist Mohammed ist auf die zwölf Imame übergegangen. Sie gelten bis heute für die Schiiten als die wahren Kalifen, also als die geistlichen Nachfolger des Propheten. Diese Imame verkündeten, dass die Vollendung der Welt noch aussteht. Der verborgene Imam, der Mahdi, wird die Vollendung der Welt bringen.Das ist ein ganz anderer Glaube als der der Sunniten. Das schiitische Denken ist geschichtlich, d. h. es geht von der Entwicklung der Welt und der vorwärts schreitenden Zeit aus.
Im von den Arabern im 7. Jahrhundert eroberten Persien entstand im prischen Geist die Gelehrtenschule der Mutaziliten. Bereits im 8. Jhd. entwickelten sie ein Menschenbild von der Freiheit des Menschen, das zum verantwortlichen Handeln führt. Sie wandten sich gegen die Prädestinationlehre, die die Sunniten vertreten. Sie schufen die geistige Grundlage für die schiitische Theologie. Es liegt auf der Hand, dass in dem Denken der Mutaziliten der persische Geist der Zarathustra-Religion nachwirkt.

Ihr philosophischer Denkansatz hat neben der Leidens-Geschichte der Familie von Fatima, der Tochter Mohammeds, und Ali, seinem Schwiegersohn, den schiitischen Glauben geprägt. In dieser Leidensgeschichte ist das berühmte Ashura-Fest der Schiiten begründet.
Der 12. Nachfolger des Ali wird der Verborgene genannt. Er wird wiederkommen am Ende der Zeit und die Gläubigen vom Leiden erlösen. Der Gedankevom wandernden und leidenden Volk Gottes ist in der persischen und schiitischen Religion tief verankert. Ähnlich ist es bei Zarathustra. Die Sunniten kennen den Leidensgedanken überhaupt nicht. Der zarathustrische und der schiitische Glaube sind im gesamten iranischen Kulturraum, der weit über den heutigen Iran hinaus geht, ineinander verwoben. Beide kennen das Leiden als Weg zur Erlösung. Das Annehmen von Leiden gehört zur Grundhaltung der gläubigen Schiiten. Deshalb ist diese Religion grundsätzlich nicht aggressiv!
Khomenni ist mit seinem gewalttätigen Gottesstaat ein Irrläufer der Schia, der das persischeVolk in tiefes Leiden gestürzt hat. Die Theokratie von Khommeni ist eine Perversion des schiitschen Glaubens und wird sich wegen seiner Aggressivität überleben. Sie beruht auf der Annahme, Khommeni sei der aus der Verborgenheit gekommene 12. Imam.
Zarathustra schaute visionär einen neuen Himmel, in dem die Fülle des Lebens abgebildet ist. Dieser Geist ist weltumspannend und kennt keine Grenzen. Er überspannt die nationalen Grenzen. So ist Zarathustra nicht ein National-Prophet eines iranischen Stammes, sondern er weist mit seiner Idee von einem werdenden Reich Gottes über alle Volksgrenzen hinaus. Dieser Geist durchdringt das Denken universal. So wurde in Persien aus dem sunnitischen der schiitischen Glaube. Die Grundwerte bei Zarathustra und der Schia sind dieselben wie im Christentum: Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Alle drei Geistes-Religionen haben eine tiefe ethische Dimension.
Die Gesetzes-Religionen, wie der Sunna, denken nicht ethisch sondern moralistisch, d. h. sie kennen nicht die Gewissensentscheidung des Einzelnen, sondern das bloße Befolgen und Einhalten des Buchstabens des Gesetzes. Die Geistes-Religionen kennen das eigenständige, sich entfaltende Denken, aus dem freies verantwortliches Handeln kommt. Ich wiederhole: Die Gesetzes-Religionen kennen nicht die freie Willensentscheidung des Menschen. Hier liegt ein Spalt zwischen dem sunnitischen und dem schiitischen Islam. Das ist der tiefere Grund für die Zerrissenheit der islamischen Welt. Der Gegensatz von Geist und Gesetz zieht sich durch alle Religionen und Weltanschauungen hindurch. Er führt häufig zu unüberbrückbaren Spaltungen.
Der Apostel Paulus hat diesen Gegensatz pointiert so formuliert: „Der Buchstabe des Gesetzes tötet, der Geist macht lebendig.“( 2. Kor. Kapitel 3, 6)

Schlussbemerkung

Ohne die Reisen in den Iran hätte ich nie die weltgeschichtliche Bedeutung dieses Satzes erkannt. Hier liegt der fundamentale Unterschied zwischen dem persisch-schiitischen und dem arabisch-sunnitischen Geist. Zur Zeit wird dieser Unterschied mit machtpolitischen und kriegerischen Mittel ausgetragen.
Wir sollten aber entschieden den Kräften des Geistes Raum geben! Denn sie sind die Kräfte des Guten Denkens, der Offenheit, der Geduld, des Gesprächs in langwierigen Verhandlungen, die Vertrauen und geistige Weite schaffen. Deshalb brauchen wir Weltbilder, die von einem universalen, Grenzen sprengenden Geist getragen sind und die in eine angstfreie Zukunft weisen. Das duale Denken und Handeln, wie es die alten Ägypter mit ihrer Ma`at taten, könnten wir zur Lösung der heutigen Welt-Probleme einsetzen. Das heißt, nicht Bomben, sondern Brot vom Himmel werfen! Das ist der Weg zum Frieden. Beides gleichzeitig tun, ist Irrsinn, denn das verlängert den Krieg. Es wird keine Sieger geben, dafür mehr Flüchtlinge! Vielleicht erschrecken wir noch rechtzeitig.

Vor einhundert Jahren tobte von Anfang Februar bis Dezember 1916 die Schlacht um Verdun. Es starben auf grausamste Weise eine halbe Million junger Männer im Granatenhagel und in den Giftgaswolken. Das geschah auf engstem Raum auf den Hügeln vor Verdun. Von ihnen waren je die Hälfte Franzosen und Deutsche. Ein Soldat fällt nicht als Held für das Vaterland, sondern krepiert im Schützengraben in unvorstellbaren Qualen. Diese Schlacht heißt bis heute „die Hölle von Verdun“. Sie sollte ein Mahnmal bleiben für unser Denken und Handeln.
Eigentlich begann ich im Sommer des vergangenen Jahres einen Bericht über die Gemeindereise nach Nordfrankreich zu schreiben. Doch ich hielt inne, als ich die endlosen Gräberfelder in der Normandie mit den Millionen toter junger Männner vor mir sah. Woher kommt die Notwendigkeit und damit die Rechtfertigung des Krieges? Kommt sie von einem das Schicksal steuernden Gott? Das sei ferne! Kommt sie aus unseren gespaltenen Gehirn, das ein Weltbild von Gut und Böse, Stark und Schwach gebastelt hat? Ja! Denn alle gespaltenen Weltbilder leben von der Vorstellung, die sog. realen Welt bestehe aus dem unüberwindbaren Gegensatz von Gut und Böse, von Freund und Feind. In unserem religiösen Denken spalten wir Gott in einen liebenden und einen strafenden. Am Ende lebt der Mensch in einer irren Sehnsucht nach einem Himmel voller Jungfrauen und einer irrealen Angst vor einer Hölle voller Teufel. Diese geistige Spaltung der Welt macht Angst und eng und führt dazu, dass zwischen Menschen und ihren Kulturen Mauern gebaut werden. Jesus hat von einem unteilbaren Gott, der bedingungslose Liebe ist, geredet und danach gehandelt. Gott ist eins, aber das Leben ist polar in vielerlei Begegung. Polar (dual) ist das Gegenteil von dualistisch. Wo Himmel und Erde sich begegnen, finden sich Menschen zusammen zum Gespräch. Wo das geschieht, da weitet sich das Herz zum Guten Denken und Tun. Die Zukunft liegt vor uns wie eine offene Tür.
Der Pessimist baut Gräben und Zäune. Der Optimist baut Brücken, sagt ein deutsches Sprichwort.

Hartmut Nielbock
Seth im Februar 2016