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Neuigkeiten und Hinweise

Informationsreise in den Norden des Iran – Ein kurzer Rückblick!

 

Nach zahlreichen Informationsreisen seit 2001 in den Iran auf der klassischen Route mit den Städten Teheran, Shiraz, Yazd und Isfahan sind wir dieses Mal in den Norden des Landes aufgebrochen. Wir wollten erkunden, wie eine mögliche Anschlussreise in den „grünen Norden“ des Landes aussehen könnte für Gruppen, die bereits unterwegs waren auf der klassischen Route.

Nach dem Wegfall des Embargos im Jahr 2015 fliegt IRAN AIR auf den europäischen Strecken nun mit neuesten Flugzeugen und brachte uns nonstop in 5 Std. von Frankfurt nach Teheran. Die Bord­ver­pflegung war gut und mehr als ausreichend: nach dem Start gab es ein komplettes Mittagessen ohne Alkohol und vor der Landung nochmals einen kleinen Imbiss.

Gleich vorweg ein Thema, das vor allem immer wieder die Reiseteilnehmerinnen beschäftigt: die Bekleidungs­vorschriften. Diese werden inzwischen recht gelockert angewendet. Offiziell sind auch während des Fluges  die Haare und die Halspartie mit einem Tuch oder Schal zu bedecken. Allerdings haben wir erst kurz vor der Landung das Tuch getragen und so handhabten es auch die meisten Iranerinnen an Bord. Während der Reise, mit meist hochsommerlichen Temperaturen, genügten ein locker fallendes, nicht Figur betonendes Oberteil, das bis unter die Hüfte reicht sowie knöchellange Hosen oder ein langer Rock bzw. Kleid.

Eine gute Stunde vom Flughafen Teheran entfernt liegt die Stadt Qom, wo die schiitischen Geistlichen ausgebildet werden. Eine besondere Atmosphäre empfängt Besucher in dieser heiligen Stadt, unserem ersten Übernachtungsort. Zahlreiche Gläubige pilgern Tag und Nacht zum eindrucksvollen Mausoleum der Fatima-al Masouleh mit der goldenen Kuppel. Sie ist eine der wenigen Frauen, die im Islam als Heilige verehrt wird.

Nach einer langen Fahrt erreichten wir am Folgetag Kermanshah. Unterwegs besichtigten wir in Hamadan das jüdische Grabheiligtum der biblischen Esther und ihres Onkels Mordechai sowie das Mausoleum des Arztes, Philosophen und Wissenschaftlers Abu Ali Sina, auch Avicenna genannt.  Hamadan ist die einstige Hauptstadt der Meder sowie der Achämeniden mit ihren Königen Darius und Xerxes. Das berühmte Flachrelief des Darius ist weit oben in einer Felswand eingemeißelt, die Darstellungen und die Texte in Keilschrift sind im Original nur mit einem Fernglas einigermaßen gut zu erkennen. Ganz anders die interessanten Flachreliefs von Taq-e Bostan aus spätsasanidischer Zeit, die sich in einer gut zugänglichen und einsehbaren Grotte in Kermanshah befinden. Diese Region ist kurdisches Gebiet, was sich auch in der Kleidung der Einheimischen zeigt. Von Takab aus erfolgte die Besichtigung des eindrucksvollen Takht-e Soleiman (Thron des Salomon), hoch oben auf einem Plateau. Die Anlage, die zum UNESCO-Welterbe gehört, gruppiert sich um einen See in der Mitte des Plateaus. In sasanidischer Zeit befand sich hier das „Feuer der Könige“, eines der drei bedeutenden Feuerheiligtümer der Zoroastrier.

Ein Nachweis für das frühe wissenschaftliche Interesse waren die Überreste des Observatoriums Rasad-e Khan in Maragheh von 1260. Die vier Grabtürme aus Backsteinen aus ilkhanischer und seldschukischer Zeit gehören ebenfalls zu den Besonderheiten von Maragheh. Hinter der Stadt führt die Straße ein kurzes Stück entlang des Urmia-Sees, bevor sie nach Osten Richtung Täbriz abbiegt.  

In pralles persisches Sonntagsleben tauchten wir im Bergdorf Kandovan ein, dessen Häuser in Tuffstein eingegraben sind. Es schien, als seien viele Bewohner dieser Region in der kleinen Ortschaft unterwegs, hielten ein Picknick am Straßenrand ab, genossen ein gemeinschaftliches Essen in einem der zahlreichen Restaurants und das eine oder andere Souvenir fand einen neuen Besitzer. Nach ca. einstündiger Fahrt erreichten wir die Großstadt Täbriz mit der Blauen Moschee. Von Täbriz aus führte uns ein ganztägiger Ausflug in den äußersten Nordwesten des Landes, in die Grenzregion zur Türkei, nach Armenien und Aserbaidschan. Die armenische St. Thaddäus-Kirche (Qara Kelise = schwarze Kirche“) mit den Reliquien des armenischen Nationalheiligen gehört zum UNESCO-Welterbe und ist Zeugnis der frühen armenischen Christen. Die Kirche liegt abgeschieden in einer weiten Berglandschaft und ist nur in einer mehrstündigen Fahrt erreichbar, daher sollte man diesen Besuch unseres Erachtens nur bei einem besonderen Interesse einer Gruppe einplanen.

Nach dem Besuch des UNESCO-geschützten Basars von Täbriz mit dem besonders schönen Teppichbasar, fuhren wir in östlicher Richtung nach Ardabil, früher Zentrum des schiitischen Sufismus. Hier besuchten wir den Grabkomplex von Scheich Safi ad-Din, dem Begründer des ersten Sufi-Ordens­klosters mit einer schönen Innenausstattung. Nicht weit von Ardabil, am Fuße des Sabalan, liegt Sar-e Eyn, ein Ort mit vielen Thermalquellen. Einige von uns ließen es sich nicht nehmen, nach Geschlechtern getrennt, ein Bad in den heißen Quellen zu nehmen, einem Vergnügen, dem auch viele Iraner nachgingen. Mit bunter abendlicher Beleuchtung, mit bis tief in die Nacht geöffneten Geschäften, mit vielen einheimischen Touristen und einem Popkonzert eines iranischen Künstlers vor unserem Hotel zeigte sich eine weitere, unerwartete Facette des Iran.

Nachdem wir alle auf das Erleben des „grünen Nordens“ gewartet hatten, fuhren wir auf einer schönen Strecke innerhalb eines Tages von einer kargen, braunen Landschaft durch ein durchgehend bewaldetes Gebiet hinunter an die üppig grüne Küste des Kaspischen Meeres. Ein beeindruckender Wechsel, den wir so nicht erwartet hatten. In der landschaftlich intensiv genutzten Küstenebene war gerade Zeit der Reisernte, die noch meist per Hand erfolgt. Ein schnelles Motorboot brachte uns zu den Seerosen in der Lagune von Anzali.

Ein gelungener Abschluss der Reise war der Besuch in Qazwin, ehemals Hauptstadt des Safawidenreiches mit seinen traditionellen Bauten wie der Freitagsmoschee und dem Chehel-Sotun-Palast in einer schönen Gartenanlage. Eine verlassene Karawanserei wurde aufwändig restauriert und beherbergt einen Künstlerbasar mit Restaurants und Cafés. Hier trafen wir unsere Gesprächspartnerin, eine junge Professorin für iranische Literatur und Philosophie der hiesigen Universität zu einem interessanten Gedankenaustausch.

Der Aufenthalt in Teheran war nur noch ein kurzer Übernachtungsstopp, bedingt durch den Rückflug am frühen Morgen. Alternativ kann bei frühen Abflügen oder späten Ankünften eine Hotelübernachtung am Flughafen sinnvoll sein.

Die Reise in den Norden hat uns erneut bestätigt, dass der Iran ein Land ist mit einer außer­gewöhn­lichen kulturellen Vielfalt und einer Jahrtausende alten Geschichte. Mit großen landschaftlichen Kontrasten (das Kaspische Meer, kahle Berge und üppiges Grün), einer wohl­schmeckenden Küche mit vielen Spezialitäten, von denen wir etliche, Dank unseres Guides, probieren konnten und überaus freundlichen und gastfreundlichen Menschen, die immer wieder einen kurzen und spontanen Kontakt mit uns suchten. Das religiös-schiitische Staatssystem bestimmt auch weiterhin das Leben des Landes mit einer sehr jungen und sich verändernden Gesellschaft. 

Die Landschaft im Nordwesten ist der des Südens ähnlich. Der grüne Norden zeigt sich hauptsächlich im Küstenstreifen entlang des Kaspischen Meeres und steht damit im starken Kontrast zu den weiten Wüstengebieten im Süden des Landes. Die Entfernungen sind jedoch sehr groß, so dass ein ausgewogener Ablauf mit vertretbaren Entfernungen und interessanten Besichtigungen geplant werden muss. Die besten Reisezeiten sind von Mai bis Juni und von Mitte August bis September. Der Norden bietet ein gutes bis zufriedenstellendes Hotelangebot, jedoch mit deutlich weniger Auswahl als im Süden. Bei jeder Planung müssen die zahlreichen iranischen Feiertage beachtet werden.

Teheran als Ausgangspunkt ist gut erreichbar, nonstop von Frankfurt, Köln, Hamburg und Berlin mit verschiedenen Fluggesellschaften wie Iran Air, Lufthansa und Germania. Sofern ein Inlandsflug benötigt wird, bietet Iran Air sehr günstige Konditionen in Kombination mit dem Langstreckenflug. Die meisten Verbindungen, jeweils mit Umsteigen in Istanbul, bietet auch weiterhin Turkish Airlines an mit etlichen Zielen im Norden des Iran (Teheran, Täbriz und Mashad) und vielen Abflughäfen in Deutschland. Ergänzt wird das Angebot an Umsteigeverbindungen nach Teheran mit Austrian Airlines über Wien bzw. mit Qatar Airways über Doha.

Begegnungen mit Vertretern verschiedener Religionen können auf Wunsch vorgesehen werden.

Der Nordiran erscheint uns ein lohnenswertes Ziel für unsere Gruppen-Studienreisen, evtl. auch in Verbindung mit der heiligen Stadt Mashad oder als Länderkombination, z. B. mit Aserbaidschan. Bei der Planung einer eigenen, an Ihren Wünschen ausgerichteten Gruppenreise in den Nordiran, stehen wir Ihnen gerne mit Vorschlägen und Informationen beratend zur Seite. Ein aktualisiertes Programm Nordiran werden Sie in Kürze in unserem Online-Katalog auf unserer Webseite finden.

Für das Interesse am Norden des Iran und das gute Miteinander während der Reise möchte ich mich bei allen Teilnehmern ganz herzlich bedanken. 

Gisela Matheis