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Neuigkeiten und Hinweise

Informationsreise nach Bolivien - ein kurzer Rückblick!

 

Es ist der dritte Inlandsflug und der letzte, bevor wir morgen wieder nach Europa fliegen. Unser Flugzeug steigt über die Stadt el Alto, den Talkessel von La Paz und die Königskordillerien auf Reiseflughöhe in Richtung Santa Cruz. Ein Flug von Boliviens 4.000 m hoch liegendem Altiplano ins Tiefland. Heute ist der 21. Juni, Sonnenwende und für die indigenen Aymara gleichzeitig Neujahrstag, an dem „Pachamama“ geehrt wird. Mutter Erde, die das Leben möglich macht, die die Menschen behütet und sie mit ihrer üppigen und wunderbaren Natur beschenkt. An diesem freudigen Fest haben uns einige bolivianische Familien mitten in La Paz am sogenannten Hexenmarkt teilhaben lassen. Holzscheite und Devotionalien werden mit Hochprozentigem, Bier, Cocablättern und sonstigem Gewürz sowie einem totgeborenen Lamafötus entzündet. Danach dankt man Pachamama, umarmt sich und wünscht Gesundheit und gutes wirtschaftliches Vorankommen.

Bolivien zwischen Kolonialzeit, Unabhängigkeit und Gegenwart

Unsere Reisegruppe ist ziemlich erschöpft, aber glücklich und ich frage mich schon während der gesamten Reise, warum dieses wunderschöne Land nicht schon früher mein Interesse geweckt hat? Wahrscheinlich liegt das daran, dass sich Bolivien nicht in den Vordergrund drängt, genausowenig wie seine Menschen - unglaublich freundlich, fleißig und gleichzeitig bescheiden. Dabei haben und hatten die Bolivianer als ärmstes Land Südamerikas nichts zu lachen. Seitdem die spanischen Konquistadoren im 16. Jh. den Kontinent unterworfen und seine Bewohner unter anderem in den Silberminen haben hart arbeiten lassen, leiden die Menschen durch Korruption, widrige Lebensumstände und wenig Einkommen. Boliviens Silber hat Spaniens Krone und ihre Mittelsmänner unfaßbar reich gemacht und ebnete Europas Weg zum Kapitalismus, zur industriellen Revolution und schließlich zur Vorherrschaft über den Rest der Welt. Ein Reichtum, von dem Spanien und die anderen Kolonialmächte Europas bis heute zehren. Bolivien ist hingegen arm geblieben, trotz seiner Ausdehnung (3x so groß wie Deutschland), der biologischen Diversität und des Natur- und Bodenreichtums.

Die geographische Vielfalt reicht vom feuchten Weideland des südlichen Chacos über das Tiefland um Santa Cruz, dem riesigen Amazonasbecken bis zum Andenhochland und dem 6.542 m hohen erloschenen Vulkan Sajama. Im Hochland befinden sich diverse Salzseen, darunter der 120 km x 150 km große Salar de Uyuni, der vor vielen Millionen Jahren mit dem Titicacasee ein riesiges Meer gebildet hat. Im Laufe der Mio. Jahre falteten sich die Andenkordilleren auf über 6.000 m auf, die Seen teilten sich bzw. verschwanden oder trockneten aus. Ein eigentlich reiches Land also, das nach der Unabhängigkeit von Spanien 1826 wesentlich größer war, jedoch durch die Unfähigkeit und Korruption seiner Politiker (O-Ton unserer Reiseleiterin) große Teile des Chaco-Gebiets an Paraguay, südliches Andenhochland mit Zugang zum Pazifik im sog. Salpeterkrieg an Chile und große Gebiete im Amazonasbecken an Brasilien verlor.

Von Santa Cruz über Sucre, Potosi, Uyuni nach La Paz und zum Titicacasee

Wir reisen vom wirtschaftlichen Zentrum Santa Cruz aus dem Tiefland in die weiße Stadt Sucre, die wegen ihrer großen und sehr gut erhaltenen Kolonialstadtsubstanz zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Weiter geht es durch die Zentralkordilleren auf 4.100 m in die Silberminenstadt Potosi, wo seit 450 Jahren mühsam nach dem Edelmetall geschürft wurde und noch immer wird wird. Heute arbeiten ca. 20.000 Menschen in der Mine. Eine beeindruckende und bewegende Führung macht uns klar, unter welchen zum Teil unmöglichen Bedingungen die Menschen hier arbeiteten und schließlich an den Folgen einer Staublunge oder durch Unfälle in der Mine starben.

Auf unserer nächsten 200 km weiten Fahrt von Potosi nach Uyuni würden wir am liebsten alle 5 Minuten anhalten um zu schauen und zu fotografieren. Verschiedenste Landschaften, Auffaltungen, Pflanzen, Tiere und Aussichten faszinieren uns. Als sich auf einer Serpentinenstraße der Blick über den Salar de Uyuni öffnet und die Sonne über den riesigen Weidefeldern der Lamas und dem Salzsee mit seinen umliegenden Zeugenbergen untergeht, fühlen wir uns der Schöpfung ganz nahe.

Die Geländewagenfahrten während der nächsten zwei Tage auf dem trockenen Salzsee sind wunderbar entrückend – unendliche Weite und pittoreske Landschaften auf 4.000 m Höhe. Die zwei Tage verbringen wir mit Fahren, Laufen, Schauen und Staunen bis wir nach Laz Paz weiterfliegen, der Millionenstadt in einem Talkessel auf 3.600 m Höhe liegend. Mit sieben Gondellinien der österreichischen Firma Doppelmayr schweben wir über eine der ungewöhnlichsten und gleichzeitig faszinierendsten Städte die wir kennen. Keine 100 km entfernt befindet sich Tiahuanaco, eine ausgegrabene Stadt alter Kulturen, deren Bauweise Vorbild für die Inkas war. Nicht weit von Tiahuanaco liegt der Titicacasee, auf den wir auch noch einen Blick werfen konnten.

Als unser Flugzeug in Santa Cruz landet ist es dunkel geworden. Wir sind wie auf allen Flügen überpünktlich und wertschätzen die Logistik, die während der gesamten Reise perfekt funktioniert hat. Dann noch eine letztes gemeinsames Abendessen der hervorragenden bolivianischen Küche, bevor es mit Air Europa über Madrid wieder nach Hause geht. Trotz der kaum zu überbietenden Diversität und Schönheit des Landes sind es aber immer wieder die Menschen, die uns am meisten beeindrucken und demütig werden lassen – zurückhaltend, freundlich und bescheiden, humorvoll und gastfreundlich und natürlich erdverbunden. So hat uns das Land und seine Menschen heute Nachmittag auf dem Hexenmarkt verabschiedet: Mutter Erde - Pachamama, ihr gebührt der Dank für die Natur, für das Leben und die Energie, die sie spendet.

Reisetipps:

Beste Reisezeit: Mai bis Oktober Hotelempfehlungen: gute Mittelklasse in den Großstädten, in Sucre wunderbares koloniales Patiohotel mit zentraler Lage und in Uyuni in einem Salzhotel mit Blick auf den Salar de Uyuni.
Transport: je nach Gruppengröße in Toyota Coastern oder einem großen chinesischen Higer Bus, sehr gute und besonnene Fahrer. Die sog. Death Road von La Paz nach Coroica kann nur mit Minivans befahren werden
Guides: exzellente durchgehende Führung von Sucre bis La Paz, in Santa Cruz lokale gute Führung Reisehöhe: 6 Nächte/7 Tage der Reise sind auf knapp über und unter 4.000 m Höhe. Je nach Gesundheitszustand, Rücksprache mit dem Hausarzt nötig. Sauerstoffflaschen sind vor Ort vorhanden. In der Regel akklimatisiert sich der Körper sehr gut nach 24-36 Stunden.
Begegnungen: Treffen mit kirchlichen und sozialen Einrichtungen, der deutschen Schule in La Paz und NGOs vermitteln wir gerne.

Bei allen Reiseteilnehmern und Reiseteilnehmerinnen möchte ich mich für das konstruktive und nette Miteinander und die gute Stimmung während der gesamten Reise bedanken. Ein ganz großes Lob für die perfekte Organisation gilt auch unserer Partneragentur und der einheimischen Reiseleiterin, die uns großartig geführt hat!

Guido Völkel

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