Saudi-Arabien ist das Mutterland des Islam und hat eine lange Pilgertradition. Ca. 15 Mio. Menschen kommen jährlich zur Hadsch-Pilgerfahrt. Seit 2022 ist nun auch Tourismus im Land möglich und vom Königshaus bzw. der Regierung gewünscht. Saudi-Arabien öffnet sich nun auch kulturinteressierten Reisenden und heißt sie in bester arabischer Tradition willkommen. Das hätte man bis vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten.
Bis 1952 war Saudi-Arabien eine archaisch geprägte Region mit Beduinenbevölkerung und arabisch-traditioneller, nahezu mittelalterlicher Lebensweise und Gesellschaft. Das Land wird heute als patriarchalisch-autokratisches Familienunternehmen geführt und besteht im weitesten Sinne aus ca. 20.000 Familienmitglieder. Ein enger, innerer Zirkel trifft die wichtigsten Entscheidungen. Nur ca. 1/3 der 35 Mio. Einwohner gehen einer Arbeit im Angestelltenverhältnis nach, davon sind ca. 2/3 bei den saudischen Behörden angestellt. Die unqualifizierte Arbeit bzw. die manuellen Berufe wie z.B. am Bau, in den Gärten und Haushalten, als LKW-Fahrer, in der Landwirtschaft und den Geschäften werden von ca. 13,5 Mio. Gastarbeitern aus Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Indien, Syrien, dem Jemen oder dem Sudan verrichtet. Hochqualifizierte Gastarbeiter wie Ingenieure und Ärzte kommen aus Europa, Kanada oder den USA. Frauen mussten sich bis 2018 komplett verschleiern und durften kein Auto fahren.
Mit den in einigen Jahrzehnten zur Neige gehenden Ölreserven will und muss das Königreich seine Volkswirtschaft auf andere Füße stellen und investiert mit aller Kraft in Milliarden und Billionen-Größenordnungen unter dem Namen Saudi Vision 2030 in Megaprojekte, wie z.B. das Siedlungsprojekt NEOM, die ursprünglich 170 km lange und 200 m breite geplante „Bandstand“ The Line (bis 2030 soll eine Länge von 2,4 km fertiggestellt sein), der auf einer 83 Hektar großen Insel liegende Luxusferienort Sindalah, das Skigebiet Trojena mit 36 km Pisten sowie der schwimmende Seehafen und Industriekomplex Oxagon. Um diese und zahlreiche weitere Vorhaben erfolgreich umsetzen zu können und ausländische Investoren mit an Bord zu holen, ist ein langfristiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Wandel notwendig. Saudisierung ist der Begriff, möglichst viele Bürger in ein Angestelltenverhältnis zu bringen. Der Anteil einheimischer Arbeitnehmer soll gegenüber dem Anteil ausländischer Arbeitnehmer vergrößert werden. Dazu werden den Firmen und Arbeitgebern im Land Quoten aufgelegt, Saudis in den Betrieben einzustellen.
Neben dem Ausbau des Dienstleistungssektors (wie z.B. im Finanzsektor, Gesundheit und Tourismus), soll das Land auch für große Sportereignisse attraktiv werden. So wurden Großsportereignisse wie z.B. das WTA Finale im Frauentennis, die asiatischen Winterspiele 2029, die Fußball WM 2034, Formel 1 Rennen, der Golfwettbewerb Liv Golf, die Ralley Dakar, und viele mehr ins Land geholt. Ein wichtiges Augenmerk wird auch auf dem Abbau von zahlreichen Rohstoffen liegen, damit sich Saudi-Arabien in Zukunft autark versorgen kann.
Der Kronprinz Mohamed Bin Salman hat seit 2018 zahlreiche Reformen und Änderungen hin zu einer moderneren Gesellschaft ausgerufen und in Gang gesetzt. Für die sehr traditionell geprägte Bevölkerung bedeutet das einen Wandel im Zeitraffer und ist eine wirtschaftliche und vor allem auch gesellschaftliche Wette auf die Zukunft - mit offenem Ausgang.
Zu den zahlreichen Investitionen des Regierungsprogramms Saudi Vision 2030 gehört auch die Wieder- und Neubelebung der einheimischen Kulturschätze, um die Identität der Saudis zu ihrem Heimatland zu stärken und gleichermaßen das Interesse ausländischer Besucher zu wecken. Es wurden und werden zahlreiche Museen und Besucherzentren errichtet und viele Lehmbauwerke aus der alten Zeit als Kulturdenkmäler geschützt und renoviert.
Die 8000 Jahre alten Felszeichnungen in Jubbah, alte Kulturen wie die der Nabatäer in Madinah Saleh/Hegra, altsüdarabische Völker und Zeugnisse im südlichen Bergland des Hedschas sowie ehemalige Oasen- und Handelsstädte an der Weihrauchstraße locken seit erst 3 Jahren Touristen ins Land und erzählen von interessanter und spannender Geschichte und dem Reichtum vergangener Zeit bis in die Gegenwart. Nicht-Muslimen ist nun auch der Besuch von Medina erlaubt, wo sich die Grabstätte Mohammeds befindet, errichtet über seinem Wohnhaus. Diese ist allerdings nur für Muslime zugänglich und befindet sich in der Prophetenmoschee, der zweitheiligsten Moschee im Islam.
Unsere 9-tägige Informationsreise für Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter nach Saudi-Arabien führte von der hochmodernen Hauptstadt Riad in die Oasenstadt Uschaiquir nach Buraidah, wo es den größten Kamelmarkt der Welt zu bestaunen gibt. Weiter ging es nach Norden bis in die Stadt Hail mit den herrlichen Felszeichnungen von Jubbah. Der ganz große Höhepunkt ist aber die ehemalige Nabatäerstadt Hegra, die bei der Oasenstadt Al Ula liegt. Fantastisch, in welcher Landschaft die Nabatäer bis vor ca. 2000 Jahren lebten, Handel trieben und ihre Toten bestattet haben.
Frustrierend war die Tatsache, dass uns die Besichtigung des Welterbes Hegra am vorgesehenen Tag durch einen unangekündigten Besuch des saudischen Kronprinzen und seiner Gäste kurzfristig und ohne Ankündigung verwehrt wurde und wir gezwungen waren, den halben Tag außerhalb von Al Ula zu verbringen, die Stadt war abgeriegelt. Auch damit muss man bei einem Besuch in Saudi-Arabien rechnen. Der Ärger war verlogen, als wir die Besichtigung am nächsten Morgen nachholen konnten.
Hochinteressant und spannend war auch die nächste Station Medina. Neben Mekka ist Medina mit dem Grab Mohammeds die zweitheiligste Stadt und damit auch eine wichtige Pilgerstadt des Islam. Abschluss unserer Inforeise nach Saudi-Arabien war Jeddah am Roten Meer, deren historisches Stadtzentrum mit den alten, holzverkleideten 900(!) Handelshäusern - trotz der in diesen Jahren umfassenden Renovierungsarbeiten - äußerst sehenswert ist. Auch die 25 km lange Promenade entlang des Roten Meeres mit der gut 300 m hohen Wasserfontäne, die täglich um Punkt 18 Uhr 625 Liter Wasser pro Sekunde mit einer Austrittsgeschwindigkeit von 375 km/h in die Höhe jagt, ist sehenswert.
Jeder Ort und jeder Besuch während unserer Rundreise bot jeweils einen anderen Schwerpunkt, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Informationsreise nach Saudi-Arabien so nicht erwartet hätten. Bei mehr Zeit im Land kann man die Route noch in den Norden nach El Jouf und nach Tabuk erweitern, wo es alte Festungsanlagen, die herrliche Oase Al Disah sowie biblische Landschaften zu besuchen sind.
Auch der Süden mit den Regionen Asir und Najran bietet beeindruckende Landschaften und Architektur, die an das Nachbarland Jemen erinnern.
Planung einer Gruppenreise, Studienreise nach Saudi-Arabien
Die beste Reisezeit einer Gruppenreise nach Saudi-Arabien ist von Oktober bis April. Tagsüber warm und nachts abkühlend. In Jeddah am Roten Meer ist es deutlich wärmer und schwüler als im Landesinneren. Unser Reisetermin Mitte Januar empfanden wir als sehr, sehr angenehm. Tagsüber stieg das Thermometer auf 20 Grad, in Jeddah sogar auf 30 Grad, nachts kühlte es stark auf unter 10 Grad ab. Es blieb durchweg trocken.
Flugtechnisch ist Saudi-Arabien mit den internationalen Flughäfen in Riad und Jeddah gut aus Frankfurt und auch den anderen Städten in Deutschland mit Lufthansa, Saudia und Turkish Airlines angebunden.
Die Routenführung einer Studienreise nach Saudi-Arabien kann man flexibel nach thematischen Schwerpunkten und vor allem auch nach dem Reisebudget gestalten. Sollen es nur die allerwichtigsten Höhepunkte mit Riad, Jubbah, Al Ula/Hegra, Medina und Jeddah mit nur 8 Tagen sein, oder weitet man das Programm auf 10-11 oder mehr Tage aus. Auch eine grenzüberschreitende Fahrt nach Jordanien ist leicht zu planen. Mit Inlandsflügen und dem sehr guten Schnellzugnetz kann man einige Strecken abkürzen.
Die Hotelauswahl war mit 4 und 5 Sterne sehr gut, so auch die Qualität der Abendessen. Es lassen sich auch günstigere 3-4 Sterne Hotels buchen. Defizite gibt es noch bei der Versorgung während der Überlandfahrten an den Tankstellen. Da fehlt es für unsere Verhältnisse noch an Restaurants für Mittagspausen und adäquate Toiletten. Ersteres lässt sich mit Lunchpaketen von den Hotels überbrücken.
Sehr glücklich waren wir mit unserem ägyptischen Guide Mohamed, der uns sehr wissensreich und kompetent durch das Land geführt hat. Auch andere deutschsprechende Guides, die wir durch unsere Agentur kennenlernen konnten, machten einen sehr guten Eindruck.
Reisende und Touristen unterliegen keinerlei Einschränkungen oder einer Kleiderordnung. Frauen müssen keine Kopfbedeckung tragen. Dennoch empfiehlt sich eine angemessene hautbedeckende Kleidung, sowohl für Frauen wie auch für Männern.
Die Reisepreise für Kulturreisen und Gruppenreisen nach Saudi-Arabien sind leider recht hoch. Knapp unter € 4.000 p.P. bei 11 Tagen, knapp unter € 3.000 p.P. bei 8 Tagen und etwas günstigeren Hotels liegen deutlich über dem Preisniveau der Nachbarländer Ägypten, Jordanien oder auch des Oman. Dennoch ist eine Reise jetzt nach Öffnung des Landes für Touristen besonders lohnend. Saudi-Arabien strebt mit seinen Infrastrukturmaßnahmen und Werbemaßnahmen eine Besucherzahl von 100 Mio.(!) pro Jahr bis 2030 an. Auch wenn nicht alle Planungen bis 2030 umsetzbar sind, die Zielvorgabe des Kronprinzen ist klar: Modernisierung um jeden Preis, um ein neues Zeitalter ohne Ölwohlstand gestalten zu können.
Wir Besucher wurden von den Saudis und auch den Gastarbeitern in bester orientalischer Tradition mit Freude und Neugierde willkommen geheißen und können von vielfältigen, spannenden Eindrücken einer gleichermaßen traditionalistisch und religiös geprägten, sowie von einer jungen und westlich orientierten Gesellschaft berichten. Der Wandel in modernere Zeiten wird in der autokratisch geführten Monarchie sicherlich zu Spannungen und zur Zerreißprobe der unterschiedlichen Fraktionen und Kräfte im Land führen, der Ausgang ist offen. Eine Reise jetzt, in der Phase des Umbruchs ist für Besucher besonders lohnend, für unsere Gruppe war es das in jedem Fall.
Die fotografischen Eindrücke finden Sie in unserer Fotogalerie und das aktualisierte Reiseprogramm in unserem Online-Katalog.
Mein Dank geht an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das herzliche und konstruktive Miteinander sowie besonders auch an die Mitarbeiter und den Guide unserer zuverlässigen Partneragentur in Jeddah.
Ihr Guido Völkel